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Mit dem Auto nach Frankfurt pendeln, aber keinen Knollen riskieren? Das wird künftig womöglich noch schwieriger, als es ohnehin schon ist. 

Verkehr in Frankfurt

Pendler in Frankfurt fürchten Ticketpflicht

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Betriebe fordern Ausnahmen vom neuen Parkkonzept, das zunächst in Bornheim gelten soll.

In Frankfurt sollen die öffentlichen Parkplätze zwischen Anlagen- und Alleenring künftig komplett bewirtschaftet werden. Anwohner können dann einen Bewohnerparkausweis beantragen, Pendler und Besucher müssen Parkscheine ziehen. Betroffen sind die Stadtteile Westend, Nordend, Ostend und Teile Sachsenhausens. Zunächst will die Stadt das Konzept im nördlichen Bornheim umsetzen. Dort stößt es vor allem bei Menschen auf Kritik, die in dem Gebiet nur arbeiten.

„Für uns ist das Konzept der Super-GAU“, sagt Jürgen Schäfer, Geschäftsführer des Bethanienkrankenhauses. Das Hospital liegt in dem Areal zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgstraße/-allee und A661, wo das sogenannte Parkraumbewirtschaftungskonzept bis Ende des Jahres eingeführt werden soll. Etwa 160 Mitarbeiter des Krankenhauses kämen derzeit in drei Schichten mit dem Auto zur Arbeit, sagt Schäfer. Viele kämen aus dem Umland, mehrere seien in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Zahlreiche Mitarbeiter müssten zum Dienstbeginn um 6.30 Uhr in Bornheim sein. Dafür machten sie sich gegen 3 oder 4 Uhr morgens auf den Weg. Zu dieser Zeit sei das ÖPNV-Angebot noch sehr eingeschränkt, so der Geschäftsführer. „Sie sind auf ihre Autos und einen Parkplatz angewiesen.“ Ein Parkticket für 1,50 Euro pro Stunde, wie es künftig fällig wird, könnten sie sich nicht leisten. Mehrere hätten angekündigt, den Standort zu wechseln. „Wir befürchten, dass viele weggehen werden.“ Dabei sei es schon jetzt schwierig, Pflegepersonal zu finden.

Nach Ansicht von Schäfer ist es nötig, dass die Mitarbeiter des Krankenhauses wie die Anwohner in Bornheim Bewohnerparkausweise beantragen können. Auch Gewerbetreibende, Handwerker und etwa die ehrenamtlichen Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes, die ihren Standort in Bornheim haben, haben bereits ähnliche Vorschläge gemacht. Der zuständige Ortsbeirat 4 fordert deshalb, dass die Stadt Ausnahmen bei der Umsetzung des Parkraumbewirtschaftungskonzepts zulässt.

Nach dem Willen der Stadtteilpolitiker soll jedes gewerblich genutzte Fahrzeug künftig eine Ausnahme beantragen können, wie es sie derzeit schon für Handwerker und Pflegedienste gibt. Eine Begrenzung der Fahrzeugzahl pro Betrieb soll es nicht geben. Gelten soll die Ausnahme auch für Fahrzeuge von Pendlern, die in einem Betrieb arbeiten, der in einer Bewohnerparkzone liegt. Dafür hat sich das Stadtteilgremium, einem Antrag von CDU und Grünen folgend, in seiner Sitzung am Dienstag mehrheitlich ausgesprochen.

Die SPD im Ortsbeirat lehnte das Vorstoß ab. Damit werde das Bewohnerparken verwässert, sagt der Fraktionsvorsitzende Darius Shafiei. Zudem brächten die Ausnahmen auch immer Nachteile für andere. Sinnvoller sei es, zunächst zu schauen, wie es läuft. Bislang seien keine Ausnahmen vorgesehen, sagt Hans Preißl, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Fraglich sei sonst, „wo soll man anfangen und wo aufhören“. Frankfurt habe die Parkraumbewirtschaftung auch beschlossen, da das Verwaltungsgericht Wiesbaden entschieden hat, dass die Stadt zur Einhaltung der Stickstoffdioxidgrenzwerte auch den kostenlosen Parkraum teilweise oder ganz abschaffen soll.

Das Bethanienkrankenhaus arbeite derzeit an einer alternativen Lösung, sagt Geschäftsführer Jürgen Schäfer. Am Frankfurter Stadtrand sollen Park-and-ride-Plätze gefunden werden, von wo aus die Mitarbeiter mit einem eigenen Shuttledienst nach Bornheim kutschiert werden können.

Denkbar sei dies etwa bei Bad Vilbel und im Norden der Stadt.

Parkkonzept

Das Bewirtschaftungskonzept soll zunächst im nördlichen Bornheim eingeführt werden – zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgstraße/-allee und A661. 
Bis Ende des Jahres will die Stadt dort vier Bereiche für Bewohnerparken einrichten. Ein Bewohnerparkausweis gilt nur für ein Gebiet und kostet 50 Euro für zwei Jahre . Kunden und Besucher müssen künftig ein Ticket ziehen (50 Cent für 20 Minuten). (bos)

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