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Pendler Ansgar Hegerfeld: „Das Hauptproblem ist, dass viele Auto- und Lastwagenfahrer den Schulterblick vergessen.“

Fahrradpendler

Fahrradpendler in Frankfurt: Nicht ohne Atemmaske und Scheibenbremsen

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Ansgar Hegerfeld fährt stets mit dem Rad von Maintal nach Frankfurt - auf der Hanauer Landstraße erlebt er das tägliche Chaos.

Wie der Fühler eines Insekts streckt sich der Rückspiegel auf Ansgar Hegerfelds Fahrradhelm nach vorne. Der habe sich schon oft bewährt, damit er sehe, wer ihn überhole, sagt er. Auf dem Helm sitzt noch ein Objekt, eine Kamera. Jetzt sei sie aus, aber in brenzligen Situationen schalte er sie ein. „Ich werde fast jeden Tag von Autofahrer angehupt und angebrüllt“, sagt der Fahrradpendler.

Das mag etwas mit seinem Weg zur Arbeit zu tun haben. Der IT-Administrator, der sich ehrenamtlich im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt engagiert, pendelt jeden Tag von Maintal nach Heddernheim über die Hanauer Landstraße.

Die Hauptstraße ist die Frankfurter Automeile schlechthin, mit rund 20 Autohäusern und zwei Fahrspuren in jede Richtung. 2018 zählte das städtische Referat für Mobilitätsplanung an einer Kreuzung der Hauptstraße rund 37 000 Fahrzeuge am Tag. Bis 2030 würde die Zahl laut hessischer Straßenbehörde Hessen Mobil auf 52 000 Fahrzeuge am Tag steigen – doch der Riederwaldtunnel entlaste die Straße, so dass nur noch 39 000 Fahrzeuge am Tag unterwegs wären.

Für Fahrradfahrer sind die Bremsen essentiell

Das wären immer noch viele. An der Hanauer Landstraße, gegenüber dem Musikhaus Session, bleibt Ansgar Hegerfeld stehen. Er nimmt seine Atemmaske ab. Die trage er entlang der Hanauer Landstraße eigentlich immer. „Einmal hatte ich einen regelrechten Würgereiz wegen der Abgase“, sagt er. Nun filtere die Maske beim Atmen Schadstoffe aus der Luft heraus.

Manchmal stehen Autos, Bagger und Mülltonnen auf der Hanauer Landstraße, wo ein Radweg sein sollte.

Mit seinem Pedelec ist Ansgar Hegerfeld recht flott unterwegs. Er braucht für die 24 Kilometer lange Strecke zur Arbeit etwa eineinviertel Stunden. Wichtig für Radfahrer seien gute Bremsen. Er hat Scheibenbremsen. Die hätten schon oft Schlimmeres verhindert.

So etwa an der Leibbrandstraße, wo Autos und Lastwagen in Richtung Containerhafen der Deutschen Bahn rechts abbiegen und den Radweg kreuzen.

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Die Radfahrer vor dieser Kreuzung würden von den wartenden Taxis verdeckt, die dort stünden. Eine Rotmarkierung des Radwegs vor der Kreuzung könnte für mehr Sichtbarkeit sorgen. „Das Hauptproblem ist aber, das viele Auto- und Lastwagenfahrer den Schulterblick vergessen.“

So sei auch die schlimmste Situation entstanden, die ihm auf seiner täglichen Fahrt bislang passiert sei. „Ein Lastwagen bog neben mir rechts ab, als ich auf dem Radweg unterwegs war. Mir blieb gar nichts anders übrig, als mit dem Lastwagen ebenfalls rechts abzubiegen, sonst wäre ich unter die Räder gekommen. Dieses Erlebnis wünsche ich wirklich niemanden.“

Schlaglöcher auf der Hanauer Landstraße zwingen Radler zum Slalom

Solchen Gefahren könne man vorbeugen, sagt er. Radfahrer sollten auf dem Radweg immer im Sichtfeld der anderen Verkehrsteilnehmer geführt werden. Die Stadt Kopenhagen habe das beispielhaft vorgemacht. Eine Verringerung des erlaubten Tempos auf 30 Kilometer pro Stunde würde helfen, den Stress der Autofahrer zu senken, möglichst schnell abzubiegen. Außerdem seien Abbiegeassistenten für Lastwagen sinnvoll. Auch Radfahrer müssten natürlich mitdenken, um Unfälle zu vermeiden.

Holprig: Ein Schlagloch auf der Hanauer Landstraße.

Während Ansgar Hegerfeld fährt – den Elektromotor hat er ausgeschaltet – kommen ihm Geisterfahrer auf dem Radweg entgegen. Er fährt eine Schlangenlinie und weicht aus, um dann weiter schlängelnd zu fahren. Der Grund sind die zahlreiche Hebungen und Senkungen im Asphalt. Manche Schlaglöcher sind so tief, dass sie seinen Schlauch kaputtschlagen könnten. Die Hanauer Landstraße habe aber auch ihr Gutes, sagt er. „Man kommt zügig von A nach B. Viel Spaß macht es leider nicht.“

Das liege auch an der Situation mit den parkenden Autos. Gegenüber dem Session-Musikhaus parken binnen Minuten mehrere Fahrzeuge, in dem sie sich auf den Radweg stellen und rückwärts auf dem Gehweg einparken. Ausgewiesene Parkplätze sind das nicht. Ansgar Hegerfeld, der auf Twitter aktiv ist und dort auf Falschparker aufmerksam macht, ruft in solchen Fällen manchmal beim Straßenverkehrsamt an und bittet die städtische Verkehrspolizei darum, vorbeizukommen. Die Verkehrspolizei hat aber nur begrenzt Personal, das nach Einsatzplan unterwegs ist. Sei ein Mitarbeiter in der Nähe, komme er vorbei, heißt es. Das ist nicht immer der Fall.

Wenn er abends auf der Hanauer Landstraße nach Maintal zurückfahre, nutze er auf manchen Abschnitten die Straße. „Ich fühle mich auf dem Radweg nicht sicher, weil dort viele Hindernisse sind“, sagt er, und verweist auf Mülltonnen und parkende Autos. Und auf den Gehweg ausweichen dürfe er nicht. Grundsätzlich setzt er sich für die Abschaffung der Pflicht zur Benutzung von Radwegen ein, wenn die Radwege nicht ausreichend breit und befestigt sind.

Die Autofahrer auf der Hanauer Landstraße sind davon aber nicht immer angetan. Es komme häufiger zu Diskussionen und verbalen Attacken. Falls es zu ihm zu derbe werde, schalte er seine Helmkamera an.

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