Der Frankfurter Römer war einer der Orte, an denen Heidi Mund und ihre "Freien Bürger" das Abendland retten wollten.
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Der Frankfurter Römer war einer der Orte, an denen Heidi Mund und ihre "Freien Bürger" das Abendland retten wollten.

Rückblick: Rechte in Frankfurt

Wie Pegida in Frankfurt scheiterte

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Der „Pegida“-Hype ging auch an Frankfurt nicht spurlos vorbei. Rechte Gruppen versuchten, sich als politische Größe auf den Straßen zu etablieren. Für 2015 gilt: der Versuch ist gescheitert.

Seit dem Spätsommer 2014 treiben „Pegidas“ ihr Unwesen in der Republik. „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ wollen sie sein, und was wie ein Witz von Monty Python klingt, ist durchaus ernst gemeint. In ihrer Hochburg Dresden folgen sie dem vorbestraften Kleinkriminellen Lutz Bachmann, sein weibliches Pendant stellt Tatjana Festerling, einst in der AfD aktiv, doch selbst für jene als zu weit Rechtsaußen befunden. 

Was die im Osten können, dürfte auch in Frankfurt am Main gelingen, wird sich schließlich eine Gruppe Politaktivisten um den damaligen AfD-Politiker Hans-Peter  Brill gedacht haben. So traf sich am 5. Januar in einer Sachsenhäuser Bar ein gemischtes Grüppchen von rechtsliberal bis NPD-rechtsradikal – „Fragida“ wollten sie heißen und retten, was in der multikulturellen Mainmetropole noch zu retten ist. 

Ihr Vorhaben blieb nicht unbemerkt – mehrere hundert linke Gegendemonstranten zeigten der Gruppe um Brill, was sie zukünftig auf Frankfurts Straßen zu erwarten hätte. Brill legte schnell sein Vorhaben auf Eis: Zum einen, weil ihm der massive Gegenwind den Spaß verdorben haben dürfte, zum anderen konnte er den rechtsradikalen NPD-Mann im Nachhinein nicht umlackieren.

Brill war weg. Es kam Heidi Mund, fundamentale Christin und Ehefrau des im Frankfurter Stadtparlament sitzenden „Freien Wählers“ Mathias Mund. Als Rednerin war sie bereits in Köln aufgefallen, wo sie auf einer „Hogesa“-Demonstration vor ein paar tausend Hooligans die legendären Sätze sprach: „Wir sind keine Nazis. Die Nazis sind doch alle schon längst gestorben.“

„Pegida Rhein Main“

Unter „Pegida Rhein Main“ meldete Heidi Mund für den 26. Januar ihren ersten „Spaziergang“ mit 250 bis 500 Teilnehmern an. Demgegenüber hatte ein breites Bündnis von Parteien bis hin zu linken Antifa-Gruppen Proteste organisiert. Auf dem Römer versammelten sich um die 18.000 „Pegida“-Gegner, an der Hauptwache weitere 2.000. Ein massives Polizeiaufgebot ermöglichte schließlich zirka 80 Abendlandrettern ihre Versammlung vor der Katharinenkirche: 20.000 gegen 80 – deutlicher kann sich eine Niederlange nicht darstellen, doch die „mutige Deutsche“, wie sie von ihren Anhängern zärtlich genannt wird, hatte Blut geleckt und angekündigt, wiederzukommen.

Es sollte keine leere Drohung bleiben. Jeden Montag kamen nun zwischen 60 und 80 Menschen und trugen ein bizarres Schauspiel vor, das immer  von starker Polizeipräsenz und Gegenprotesten begleitet wurde. Am Ende donnerte die Protagonistin stets die deutsche Nationalhymne in den Frankfurter Nachthimmel, hin und wieder schaute ein Kamerad von der NPD vorbei.  

Ewig wäre es so weiter gegangen, hätte nicht die Bundes-„Pegida“ dem Stelldichein ein abruptes Ende gesetzt: Am 15. März gab sie auf Facebook bekannt, bis auf Weiteres nicht mehr in Frankfurt auflaufen zu wollen – zu gefährlich seien die Treffen für die Teilnehmer, verlautete es offiziell. Mit Heidi Mund wurde das nie abgesprochen und so hält sich das Gerücht, Lutz Bachmann habe sich der radikalen Christin, die es nie auf Dresdens „Pegida“-Bühne schaffte, entledigen wollen.

„Freie Bürger vs. Pegida“

Heidi reagierte und stampfte fix die „Freien Bürger für Deutschland“ aus dem Boden – gleiche Zeit, wechselnder Ort und das Ganze mit dezimierter Anhängerschaft. Die hatte sich auf etwa 40 Personen eingependelt, mal auf dem Roßmarkt, dann auf dem Römer. In der Szene bekannte Redner wie die Rechtsaußen Michael Mannheimer und Michael Stürzenberger wurden nach Frankfurt gekarrt, konnten die Teilnehmerzahlen aber auch nicht in die Höhe treiben.

Dann der Paukenschlag: Am 20. April wollte es „Pegida“ zeitgleich zu den „Freien Bürgern“ erneut versuchen. Bachmann komme persönlich, hieß es, und die PARTEI lud frohlockend zum Contest „Deutschland sucht den Super-Nazi“. Heidi Mund sagte ihren Aufmarsch an Hitlers Geburtstag schnell ab, „Pegida“ verschob ebenfalls, um sich einen Tag später mit 25 Anhängern – darunter NPD-Prominenz, aber kein Lutz Bachmann – zum letzte Mal in Frankfurt die Beine in den Bauch zu stehen. 

Heidi Mund blieb noch standfest: Mit „… in Frankfurt hat der Linksradikalismus seine Wurzeln, in Frankfurt wird er sein Ende finden …" hielt sie sich bei Laune, obwohl es mit den „Freien Bürgern“ rapide bergab ging. Keine 20 Leute ließen sich mehr mobilisieren, finanziell pfiffen sie auf dem letzten Loch. Am 11. Mai hielten sie auf dem Römer weiße Pappschilder in die Höhe, der Lautsprecherwagen war zu kostspielig geworden und eine Spendenkampagne auf Facebook ins Leere gelaufen.

Widerstand Ost West

Schließlich blieb Heidi Mund zuhause: Man wolle zukünftig die politischen Aktivitäten auf Videokundgebungen beschränken, ließ die „mutige Deutsche“ nicht ohne Bitterkeit auf Facebook verlauten. Der 17. Juni erscheint rückblickend wie eine surreale Randnotiz, als Mund und eine Handvoll Anhänger erfolglos versuchten, einen Kranz auf dem Paulsplatz niederzulegen. Die Polizei hatte nur einen Marsch um den Justitiabrunnen gestattet, weshalb Mund kurzzeitig vollends die Fassung verlor.

Zeit zum Luft holen blieb der Stadt trotzdem nicht. Ester Seitz, als Rednerin bei den „Freien Bürgern“ bereits aufgefallen, mobilisierte mit dem neu gegründeten Verein „Widerstand Ost West“ für den 20. Juni bundesweit nach Frankfurt: „Wir lassen uns unser Land nicht länger von einer,…, linksversifft gehirngewaschenen Schlägermeute zerstören! Wir tun alles, um euch die geilste, größte, spektakulärste Demonstration zu bieten, die Deutschland je gesehen hat! Mit Großleinwand, mit,..,  Musik- und Videobeiträgen.“ Spektakulär an der schließlich präsentierten Pannengala waren in erster Linie die Hooligans der Berserker Pforzheim, die das Gros der 180 Demo-Teilnehmer stellten und das Niveau der Veranstaltung mit „AuUAuU“-Rufen treffend charakterisierten. Die Presse sprach von einem Flop, Seitz hingegen feierte den Aufmarsch als Erfolg.

Ein ruhiger Sommer in Frankfurt

Danach kehrte endlich Ruhe ein: Die Menschen gehen montags wieder ins Kino, Kinder spielen Fangen an der Hauptwache, Familien essen auf dem Römer gemütlich ihr Eis und um den Roßmarkt lässt es sich einen großer Bogen machen.

Heidi Mund ist mittlerweile intermedial äußerst aktiv und auf youtube so etwas wie ein Geheimtipp für Liebhaber des Absurd-Kuriosen, während Ester Seitz versucht sich in Karlsruhe oder im Osten als Führungsfigur in der rechten Szene zu etablieren. 

Im Oktober wagte sich „Pegida“ am „Tag der Deutschen Einheit“ in Schwarz-Rot-Gold gewickelt an die Alte Oper. Zu fünft hatten sie versucht, die Revolution von rechts zu starten, aber für die Aktion nur fassungsloses Kopfschütteln geerntet. Vermutlich haben sich die Protagonisten nach Sachsen abgesetzt.

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