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Trinken, trinken, trinken - für Arbeiter auf den Baustellen besonders wichtig.

Hitze auf dem Bau

Pausen im Schatten

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Auf dem Bau ist Sonnenschutz ein Thema - und wird doch nicht ernst genug genommen. Kontrolleure stoßen des Öfteren auf Unverständnis bei den Verantwortlichen und teils auch den Beschäftigten.

Auch wenn das Thermometer an diesem Nachmittag 34 Grad zeigt, muss auf der Baustelle am Güterplatz gearbeitet werden. Hitzefrei gibt es hier nicht. Doch auf dem riesigen Bauplatz selbst, der mit Ausnahme einiger schattenspendender Container in der prallen Sonne liegt, ist sowieso nicht viel los. Die meisten Arbeiter sind mit der Fassade des neu entstehenden Hochhauses beschäftigt; mit Helmen, T-Shirts und Warnwesten bekleidet, stehen sie hoch oben auf dem Gerüst im Schatten des Turms. Lediglich die wenigen Männer am Boden bekommen die volle Hitze ab.

Anders gestaltet sich die Lage auf der nicht minder großen Baustelle in der nahe gelegenen Adam-Riese-Straße: Hier ist der bekannte Oben-ohne-Look noch en vogue, einige Bauarbeiter setzen ihre sowieso schon sonnengegerbte Haut der gefährlichen UV-Strahlung aus. Immerhin tragen die meisten einen Helm, während sie zwischen den fünf Kränen der Baustelle ihrer schweißtreibenden Arbeit nachgehen.

Wie ist es um den Schutz der Menschen bestellt, die bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad unter freiem Himmel schuften müssen? Trotz mehrerer Anfragen über verschiedene Wege gelang es nicht, als Pressevertreter einem Baustellenbesuch mit einer Arbeitsschutzkontrolle beizuwohnen – oftmals scheiterte es am Widerstand am Bau beteiligter Unternehmen. Optimal kann die Lage also offenbar nicht sein.

„Es ist ganz viel Luft nach oben“, findet Johannes Schader, Branchensekretär Bauhauptgewerbe bei der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Rhein-Main. Arbeitsschutz werde oft verbal großgeschrieben, allerdings müsse deutlich mehr passieren. „Unser Problem ist eigentlich, dass es immer noch viele Arbeitgeber gibt, die keine Getränke zur Verfügung stellen.“ Das gelte besonders für kleinere Baustellen auf dem Land und am Stadtrand, wo weniger kontrolliert werde.

Neben der Bereitstellung von Trinkwasser gebe es weitere gesetzliche Vorgaben, so etwa das Ermöglichen von Pausen im Schatten. „Sonnencreme ist mittlerweile auch Pflicht“, sagt Schader. Und ergänzt, dass diese Maßnahmen in Deutschland auf das Bestreben seiner Gewerkschaft zurückzuführen seien.

Ob auf den Frankfurter Baustellen alles nach rechten Dingen zugeht, darüber wacht die Inspektion für Arbeitsschutz beim Bauen (Ifab), die dem Regierungspräsidium Darmstadt (RP) unterstellt ist. Das Arbeitsschutzgesetz schreibe eine Gefährdungsbeurteilung vor, bei welcher der Arbeitgeber „entsprechende Maßnahmen festlegen“ müsse, teilte das RP auf FR-Anfrage mit. Neben Getränken und Sonnencreme können das etwa längere Pausen, der Einbau von Klimaanlagen in Baumaschinen und die Reduzierung schwerer Arbeiten sein.

„Im Rahmen stichprobenartiger Kontrollern prüfen wir, welche Maßnahmen der Arbeitgeber zum Schutz seiner Beschäftigten festgelegt und umgesetzt hat“, erklärt Gottfried Frickel, Arbeitsschützer der Ifab. Erhebliche Mängel könnten sogar eine Einstellung der Arbeit zur Folge haben. Denn mit dem Risiko der hohen Temperaturen ist nicht zu spaßen: „Hitze mit Temperaturen ab 28 Grad im Schatten belastet besonders – vor allem bei schwerer körperlicher Arbeit – den Kreislauf und kann zu Hitzekrämpfen, Erschöpfung und im schlimmsten Fall zu einem Hitzeschlag führen.“

Auch die Nutzung von Sonnensegeln nennt das RP als Beispielmaßnahme – was nicht heißt, dass es eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt. „Wir wünschen uns das“, beteuert Gewerkschaftsmann Schader. Denn zum Beispiel bei Maurertätigkeiten, die lange an der selben Stelle ausgeführt würden, könne ein solcher Sonnenschutz viel bewirken. Die IG Bau fordert außerdem, dass eine Pause von fünf Minuten pro Stunde für die Bauarbeiter gesetzlich verankert wird.

Doch es liegt nicht nur an den Gesetzen und deren Umsetzung: Bezüglich des Sonnenschutzes müsse man auch die Arbeitnehmer überzeugen, so Schader. „Bei vielen Männern ist das noch nicht so angekommen.“

Ifab-Arbeitsschützer Frickel weiß Ähnliches zu berichten: „Unsere Kontrolleure stoßen leider des Öfteren auf Unverständnis bei den Verantwortlichen und teils auch den Beschäftigten selbst, wenn konkret nach geeigneten Hitzeschutzmaßnahmen gefragt wird.“

Es scheint also eines allgemeinen Umdenkens zu bedürfen, das nur langsam geschieht. Immerhin: Seit 2015 ist weißer Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Auch informieren die IG Bau, die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft und viele weitere über die Risiken und den Schutz vor UV-Strahlung.

Und vielleicht setzt sich ja auch bei den Arbeitern zunehmend die Vernunft durch: Auf der Baustelle am Güterplatz sieht man jedenfalls niemanden ohne stoffbedeckten Oberkörper. Auch wenn ein ärmelloses Shirt noch lange kein adäquater Sonnenschutz ist – es ist wenigstens ein Anfang.

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