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Die wiederaufgebaute Paulskirche in der Frankfurter Innenstadt, vom Römer aus gesehen.

Denkmal

Frankfurter Paulskirche soll aufgewertet werden

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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann startet einen Bürgerdialog zur Zukunft der Paulskirche.

Gerade erst ist Peter Feldmann aus Berlin zurückgekommen, von einem Gespräch mit dem Bundespräsidenten. Der Frankfurter Oberbürgermeister hat Frank-Walter Steinmeier vorgetragen, wie er sich die Zukunft der Paulskirche vorstellt. Der OB will das „nationale Denkmal der Demokratie“ bis zum Jahre 2023 nicht nur sanieren lassen, sondern erheblich aufwerten. Ein neues „Demokratiezentrum“ soll bis zu diesem 175. Geburtstag des Gebäudes entstehen – entweder im Inneren oder aber in unmittelbarer Nähe. „Es wäre die große Chance, die Paulskirche endlich wieder von der lokalen auf die nationale Bühne zu bringen“, sagt der Sozialdemokrat im Gespräch mit der FR. In der Frankfurter Kommunalpolitik zeichnet sich breite Zustimmung für dieses Vorhaben ab: Sowohl CDU wie Grüne signalisieren, dass sie politisch mitziehen.

„In Zeiten eines wieder erstarkenden Rechtspopulismus“ will Feldmann mit dem „Demokratiezentrum“ ein Zeichen des Widerstands setzen. Es soll nicht einfach nur die Geschichte des ersten frei gewählten deutschen Parlaments von 1848 in der Paulskirche erzählt werden. Der OB will von Frankfurt aus „eine bundesweite Debatte über demokratische Werte und Prinzipien“ beginnen, mit Veranstaltungen und Diskussionen. „Wir müssen diese Werte und Prinzipien wieder bestimmter verteidigen – ihre Feinde werden zahlreicher und wortmächtiger.“

Feldmann setzt nicht nur auf eine ideelle Unterstützung des Bundespräsidenten für diese Pläne. Er hofft, dass der Bund sie auch finanziell fördert. „Mich würde es freuen, wenn wir die Bundesebene gewinnen könnten, sich daran zu beteiligen.“ Deshalb ging aus dem Römer im Herbst 2018 nicht nur ein Brief an Steinmeier, sondern auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nach dem Gespräch mit Steinmeier zeigt sich der Oberbürgermeister optimistisch: „Wir sind da auf einem guten Weg.“

Der Politiker drückt jedenfalls aufs Tempo. Noch vor den Sommerferien, die Anfang Juli beginnen, will Feldmann in der Paulskirche die Auftaktveranstaltung für einen „Bürgerdialog“ organisieren. „Wir laden alle gesellschaftlichen Gruppen ein, sich zu beteiligen – von der Lokal- bis zur Bundespolitik, von der Wissenschaft über die Zivilgesellschaft, von Verbänden bis hin zu Schülervertretungen.“ Es soll darüber diskutiert werden, wie die Paulskirche umgestaltet wird und wie ein Demokratiezentrum beschaffen sein könnte.

Bereits im kommenden Jahr, so der ehrgeizige Zeitplan des OB, sollte „ein Ergebnis vorliegen, was mit der Paulskirche passiert“. Dann möchte Feldmann „die Kosten seriös beziffern“. Und das ist das Zauberwort. Niemand weiß bisher so ganz genau, in welchem baulichen Zustand die denkmalgeschützte Paulskirche ist. Erste Untersuchungen, so sagt Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) im Gespräch mit der FR, hätten ergeben, „dass das Dach weniger stark beschädigt ist als befürchtet“. Für ausstehende Expertisen sei gerade das erforderliche Geld bewilligt worden.

Auch CDU befürwortet „Dokumentationszentrum“

Viel wichtiger aber: Schneider, der auch CDU-Kreisvorsitzender ist, stellt sich ausdrücklich hinter das Projekt eines neuen „Dokumentationszentrums“ Paulskirche. „Mit gutem Willen aller ließe sich das zum 175-Jahre-Jubiläum im Jahre 2023 hinbekommen“, so der Politiker. Er schlägt vor, das Zentrum im Erdgeschoss des Gebäudes Paulsplatz 9 unterzubringen. Dort wo früher die Stadtkämmerei arbeitete, stünden heute Räume leer. „Wir müssen jetzt genau planen, wie viel Fläche wir brauchen.“

Bei der notwendigen Sanierung der Paulskirche will der Bau- und Liegenschaftsdezernent sich auf die unbedingt notwendigen Arbeiten beschränken. Dabei geht es vor allem darum, den Brandschutz des großen Kuppelbaus auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Auch bei Belüftung und Tontechnik gibt es erhebliche Probleme. Eine wichtige Frage ist, wie es um die Statik der Kuppel aus dem Jahre 1948 bestellt ist. Schneider appelliert an die Kommunalpolitiker, „gemeinsam in die Hände zu spucken“. Auch der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, Thomas Dürbeck, stellt sich hinter die Idee des Dokumentationszentrums – allerdings unter einem Gesichtspunkt. „Ich sehe darin eine wunderbare Möglichkeit, insbesondere die Geschichte der Paulskirche darzustellen.“

Auch die Grünen im Römer stehen prinzipiell zu einem solchen Zentrum. Allerdings, so der kulturpolitische Sprecher Sebastian Popp, „hätten wir gerne ein Konzept dafür, damit wir wissen, worüber wir reden.“ Die Politik müsse aus dem Beispiel des Stadthauses am Dom lernen. Dort sei zunächst das Gebäude errichtet worden, bevor man sich dann Gedanken darüber gemacht habe, wofür man es brauche.

Popp begrüßte die Haltung des OB, dass der Bund sich bei diesem Projekt engagieren müsse. Aus Sicht der Grünen sei es erforderlich, dass die Gutachten zum baulichen Zustand der Paulskirche bald vorgelegt würden.

Feldmann selbst verdeutlicht, dass er auch aus der Paulskirche selbst mehr machen möchte als nur einen Ort für „Veranstaltungen wie Preisverleihungen“. Das Gebäude müsse für „viele gesellschaftliche Gruppen“ geöffnet werden, so der OB. Einen Termin bei der Bundeskanzlerin hat der Sozialdemokrat noch nicht bekommen. Aber er bleibt da ganz zuversichtlich.

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