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Unter der großen Kuppel werden demnächst Baugerüste stehen.
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Unter der großen Kuppel werden demnächst Baugerüste stehen.

Schließung Paulskirche in Frankfurt

Paulskirche muss saniert werden

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Paulskirche, Frankfurts Kulturdenkmal wird vorübergehend schließen, weil im Hinblick auf die nötige Sanierung umfassende Gutachten erstellt werden sollen.

Die Paulskirche, Frankfurts nationales Kulturdenkmal, steht vor einer schwierigen Sanierung. Das denkmalgeschützte Gebäude, nach Kriegszerstörung wiederaufgebaut und 1948 eröffnet, muss vorübergehend geschlossen werden. Das stürzt die Stadt in große Probleme. Denn die Paulskirche ist der Ort für wichtige, überregional bedeutende politische und kulturelle Festakte sowie Preisverleihungen. Sie bietet 1066 Sitzplätze. Ein adäquater Ersatz auch von der Atmosphäre her steht in Frankfurt nicht zur Verfügung.

Hinter den Kulissen im Römer ist von einer zweistelligen Millionensumme für die Sanierung die Rede. Das denkmalgeschützte Gebäude im Stadtzentrum gilt als Symbol der Demokratiebewegung in Deutschland. 1848 bis 1849 war die Kirche Sitz der ersten frei gewählten Nationalversammlung in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der damalige Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD) bundesweit zu Spenden für den Wiederaufbau aufgerufen. Sogar aus dem deutschen Osten gingen seinerzeit Geld und Sachspenden ein.

Der Wiederaufbau erfolgte betont schlicht und nicht prunkvoll. Man wollte sich von der Zeit des Nationalsozialismus und des Kaiserreichs auch baulich abgrenzen. Doch seit der Nachkriegszeit ist nicht viel erneuert worden. Die Fachleute der Kommune sprechen von einem „gehörigen Sanierungsstau“.

In den Jahren 1985 bis 1987 hatte es eine Sanierung gegeben, die der Paulskirche unter anderem neue Fenster beschert hatte. Seitdem gab es keine Arbeiten mehr. „Man hätte längst an das Problem herangehen müssen“, heißt es im Römer.

Eine Glocke stürzte ab

Das kritische Auge der städtischen Baufachleute ruht schon seit Jahren auf der Kirche. Zum einen geht es um die hochkomplexe Dachkonstruktion mit der großen Kuppel. Sie muss untersucht und die Statik muss gestärkt werden. Die weiteren kritischen Punkte betreffen derzeit auch andere prägende Bauten Frankfurts. Sowohl Brandschutz wie auch Belüftung der Paulskirche entsprechen schon lange nicht mehr den geltenden Vorschriften. Hier muss dringend etwas geschehen. Die Stadt schützt jede Veranstaltung in der Paulskirche derzeit mit eigens abgestellten Brandwachen.

Als „marode“ gilt auch die Tontechnik des Gebäudes. Als großes Warnzeichen verbuchten die Fachleute überdies, dass sich im hölzernen Glockenturm 1997 eine Glocke gelöst hatte und abgestürzt war. Am Pfingstsamstag, während des Großen Stadtgeläuts, war die Verankerung der 1,8 Tonnen schweren Christusglocke gebrochen. Sie stürzte auf darunter hängende Glocken und zerbarst in Teile, die im Vorraum der Kirche aufschlugen. Zum Glück geschah das in einer Zeit, in der sich keine Menschen in der Kirche aufhielten. Allerdings gab es damals im Gebäude die vielbesuchte Wehrmachtsausstellung über die Rolle des deutschen Militärs im Zweiten Weltkrieg. Die Glocke stürzte außerhalb der Öffnungszeiten der kritisch diskutierten Schau ab. Diese musste für mehrere Tage geschlossen werden.

Das städtische Hochbauamt will nun ein umfangreiches Gutachten vergeben, das die notwendigen Sanierungsabschnitte aufzeigen soll. Nach derzeitigem Stand der Überlegungen sollen die Sanierungsarbeiten nicht vor 2020 beginnen. Die spannende Frage wird sein, wie die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen mit dem Millionenprojekt umgeht. Es wird jetzt in den politischen Verteilungskampf geraten, der sich in der Frankfurter Kulturpolitik abzeichnet. Denn hier stehen etliche große Sanierungen bevor, von den Städtischen Bühnen über das Zoo-Gesellschaftshaus bis hin zum Museum für Moderne Kunst (MMK).

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