Kultur

Paulskirche in Frankfurt: Zwischen Sanierung und Rekonstruktion

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Ein Symposium tagt zur Vergangenheit und Zukunft der Frankfurter Paulskirche.

Der Frankfurter Oberbürgermeister wurde am Montag vermisst. Da begann das zweitägige Symposium zur „Frankfurter Paulskirche. Ort der Demokratie“ im Institut für Stadtgeschichte, zu dem zahlreiche Redner geladen waren. Für den Magistrat musste Bernd Heidenreich (CDU), ehrenamtliches Mitglied der Stadtregierung, die Tagung eröffnen, in Abwesenheit des Stadtoberhaupts. Dafür erinnerte Heidenreich pflichtschuldig an den Bürgerdialog und das Demokratiezentrum, welche OB Peter Feldmann angestoßen habe.

Gekommen waren mehrheitlich Menschen gehobenen Alters. Das Symposium verstehe sich als Teil des Bürgerdialogs, sagte Heidenreich. Für das Demokratiezentrum stünden drei Standorte zur Diskussion: der Parkplatz an der Berliner Straße hinter der Paulskirche, ein umzubauender Teil des Römers und der Paulsplatz selbst. Dort halten sich unter den Platanen abseits der Neuen Kräme bislang eher selten viele Menschen auf. An dieser Stelle könnte ein Neubau entstehen.

Beispielhaft ist das Besucherzentrum am Heidelberger Schloss. Oder die Alte Börse könnte wiederaufgebaut werden, die ab 1840, bevor die Nationalversammlung in der Paulskirche tagte, auf dem Platz stand. 1944 brannte das Gebäude aus - wie auch die Paulskirche im Bombenregen ausbrannte. Sie wurde unter Leitung des Architekten Rudolf Schwarz nach dem Krieg als Erinnerungsmonument wiederaufgebaut. „Aus der Auferstehung aus Ruinen wurde ein Durchgang durch die Paulskirche, der bis heute als abstrakter, nichtsdestoweniger monumentaler Passionsweg angelegt ist“, schrieb Christian Thomas im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Die Debatte um die Paulskirche schwankt nun zwischen einer historischen Rekonstruktion des klassizistischen Bauwerks nach dem Entwurf von Johann Georg Christian Hess und einer Generalsanierung des Gebäudes, das 1948 wiedereröffnete. Wobei es im Hess-Bau mitunter so laut war, dass sich die Parlamentarier über den üblen „Widerhall“ beschwerten, sagte die Historikerin Lucia Seiß. Erst als eine, dann eine zweite Decke zum Schallschutz eingezogen wurden, sei es klanglich besser, aber auch düsterer geworden. Die Abgeordneten hätten mitunter gefroren und sich in ihre Mäntel gehüllt, so Alexander Jehn, Direktor der hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Dass eine Aufwertung der Paulskirche von oberster Stelle unterstützt wird, wurde im Beitrag von Frank-Walter Steinmeier in der „Zeit“ deutlich. „Das Hambacher Schloss ist uns jedes Jahr ganze 100 000 Euro wert, und für die Frankfurter Paulskirche, vielleicht Deutschlands bekanntester Ort demokratischen Ringens zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wenden wir aus Bundesmitteln bislang keinen Cent auf“, so der Bundespräsident. „Der Bund sollte sich dieser Aufgabe annehmen“. Nun muss die Stadt Frankfurt Anträge bestellen. Das Zeitfenster für Bundes-Mittel, die das Jahr 2020 betreffen, schließt sich im November. Ob die Paulskirche im Jahr 2023, zum 175. Jahrestag der Nationalversammlung, wohl in neuem Glanze erstrahlen wird?

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