+
Die Paulskirche. Foto: Rolf Oeser

Kultur

Paulskirche in Frankfurt: Feier auf der Baustelle

  • schließen

Die Sanierung der Paulskirche bis zum Jubiläum im Jahr 2023 ist fraglich. Das zeigt sich bei einem öffentlichen Fachgespräch.

Die Sanierung der Frankfurter Paulskirche bis zur Feier ihres 175-jährigen Bestehens am 18. Mai 2023, zu der auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet wird, erscheint mehr und mehr unwahrscheinlich. „Im Zweifel müssen wir auf der Baustelle feiern“, sagte der Frankfurter Baudezernent Jan Schneider (CDU). Er ist durch Verfügung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) von Mitte Dezember an beauftragt, mit einer Stabsstelle, die drei Mitarbeiter haben wird, die Sanierung der Paulskirche durchzuführen.

Das hessische Landesamt für Denkmalpflege hatte am Samstag zu einem öffentlichen Fachgespräch in die Evangelische Stadtakademie Frankfurt eingeladen, um über die Paulskirche zu diskutieren. Wie Schneider ausführte, wird die Stabsstelle, die im Amt für Bauen und Immobilien angesiedelt ist, bis zum „ersten Quartal 2020“ belastbare Fakten zusammentragen, welche Arbeiten an dem denkmalgeschützten Bauwerk nötig sind. Dann werde auch ein Zeitplan präsentiert. Unter anderem stamme die Haustechnik aus den 1980er Jahren. Moderne Anlagen seien allerdings so groß, dass sie nicht im Gebäude untergebracht werde könnten. „Wir werden wohl Nebenflächen schaffen müssen“, sagte er.

Markus Harzenetter, der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, erteilte einem Rückbau der Paulskirche auf den Stand von 1848 eine Absage. „Denkmalpflege findet nicht ‚in potentialis‘ statt, sie orientiert sich am historischen Bestand.“

Ob der Ort der ersten deutschen Nationalversammlung von 1848 rekonstruiert oder orientiert an der Architektur nach dem Wiederaufbau durch Architekt Rudolf Schwarz saniert werden soll, sei schon entschieden, sagte Schneider. Die Stadtverordneten hätten sich klar für den Erhalt der denkmalgeschützten Architektur der Nachkriegsmoderne ausgesprochen. Getrennt von der Sanierung der Paulskirche, für welche der Bund 19,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat, werde über ein Demokratiezentrum entschieden.

Die Bundesmittel sind vorgesehen, um Haustechnik und Brandschutz zu erneuern und den Baukörper auszubessern. Der Sandstein der Außenfassade und die Kupferblechbedeckung des Dachs weisen Schäden auf. Das Dach ist insgesamt stabil. Auch muss geklärt werden, ob die Paulskirche wieder bis zu 1000 Plätze haben wird, was wegen des Brandschutzes derzeit nicht möglich ist, und ob sie sich für eine größere Zahl von repräsentativen Veranstaltungen öffnet.

„Dem Edelstein Paulskirche fehlt noch die städtebauliche Fassung“, sagte die Architekturhistorikerin Regina Stephan, die an der Hochschule Mainz lehrt. Schneider ergänzte, bei einer vorangegangen Podiumsdiskussion habe sich ein Zuschauer unter Applaus für eine Umgestaltung des Paulsplatzes ausgesprochen, nach dem Motto: Der Paulsplatz sei nicht sakrosankt. Der Paulsplatz sei als Ort für ein Demokratiezentrum geeignet, fand auch Heinz Wionski, der die Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt für Denkmalpflege leitet.

Die Stadtverordneten haben offengelassen, ob das Demokratiezentrum im Gebäude Paulsplatz 9 – auf dem Parkplatz hinter der Paulskirche – oder an anderer Stelle errichtet werden soll.

Barbara Ettinger-Brinkmann, die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, warb für eine „Phase null“, in der über das Nutzungskonzept für die Paulskirche entschieden werden soll, bevor mit der Sanierung begonnen wird. Dass der „bauliche Prozess“ bis 2023 abgeschlossen sein wird, zweifelte sie an, ebenso wie der frühere Planungsdezernent Hans-Erhard Haverkampf (SPD), der als Zuschauer die Erneuerung in den 1980er Jahren – unter anderem die Polsterung der Stühle und den Einbau der Fenster – verteidigte.

Markus Harzenetter hatte die Erneuerung in den 1980ern zuvor als im Stil eines „bürgerlichen Wohnzimmers“ bezeichnet, unterstützt von Hochschulprofessorin Regina Stephan. Sie rügte die in den 1980ern gewählten „Türgriffe, Lampen, Fenster“, aber auch die „grauenhafte Orgel“.

Angela Dorn (Grüne), die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, warb indes dafür, bei der Sanierung der Paulskirche „den Mut und die Zuversicht von 1848“ ins Heute zu holen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare