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Paulskirche erlebbar machen

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Von: Florian Leclerc

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Die Paulskirche von der Berliner Straße aus gesehen. Foto: Rolf Oeser
Die Paulskirche von der Berliner Straße aus gesehen. © Rolf Oeser

Die Konzeptstudie zum Demokratiezentrum „Haus der Demokratie“ empfiehlt eine breite Bürger:innenbeteiligung.

Um die Demokratie könnte es besser bestellt sein. Weltweit sank die Zahl der Demokratien - von 55 Prozent der Staaten im Jahr 2010 auf 49 Prozent im Jahr 2019 -, während die Zahl der Staaten, die eine Autokratisierung durchlaufen, stieg; in Europa am stärksten in Ungarn und Polen. Auch in Deutschland leidet die Demokratie. So sind laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (2019) aktuell 37 Prozent der Befragten zufrieden mit der Demokratie, während 45 Prozent mit teils/teils antworten und 18 Prozent unzufrieden sind.

Diese Ausgangslage skizzierte die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, die das Frankfurter Institut für Friedens- und Konfliktforschung leitet, in der Konzeptstudie „Demokratiezentrum ‚Haus der Demokratie’“. Die Studie wurde am Freitagabend in der Paulskirche vorgestellt. Sie empfiehlt eine breite Bürger:innenbeteiligung.

Die Paulskirche und das geplante Demokratiezentrum müssten erlebbar gemacht werden, statt nur auf die Vermittlung von Demokratiegeschichte zu setzen. Menschen, die bislang in der Gesellschaft unterrepräsentiert seien, wie Frauen, Migrant:innen, LGBTIQ*-Gruppen, gelte es einzubinden, außerdem die lokale Demokratieszene. Das Demokratiezentrum müsse mehrsprachig sein und außerdem digitale Angebote über Zeitzonen hinweg machen.

Inhaltlich soll sich eine Dauerausstellung mit Demokratiebewegungen seit dem 19. Jahrhundert, mit der deutschen Verfassungsgeschichte und der Paulskirche auseinandersetzen. Darüber hinaus sind Wechselausstellungen zu aktuellen und historischen Themen vorgesehen. In Workshops soll Demokratie erlebbar werden. Der Debattenort Paulskirche soll durch das Demokratiezentrum gestärkt werden. Die Ideen von Bürgerinnen und Bürgern sollen schon jetzt in die inhaltliche Ausrichtung des Hauses der Demokratie einfließen.

Einen Umsetzungsvorschlag, wie aus der Paulskirche und dem Haus der Demokratie ein nationaler Erinnerungsort werden kann, erarbeitet derzeit eine Expertenkommission mit zwölf Mitgliedern unter Leitung von Volker Kauder (CDU). Bis Ende 2022 soll der Vorschlag fertig sein.

Im Mai 2023 ist ein Fest zum 175. Jahrestag des ersten Paulskirchenparlaments geplant. Danach soll die Sanierung der Paulskirche beginnen und die Planung für das Haus der Demokratie konkret werden. 2024 feiert die Bundesrepublik Deutschland ihren 75. Geburtstag. „Die Paulskirche soll ein lebendiger Demokratieort von nationaler und internationaler Bedeutung werden“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Begrüßung in der Paulskirche. Er warb dafür, niedrigschwellige Angebote zu machen und die Mitsprache zu stärken - etwa durch ein Jugendparlament, eine Kinderkonferenz oder einen Streitbus, der in die Stadtteile fährt.

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) sagte, die Debattenkultur werde gestärkt, indem zivilgesellschaftliche Initiativen eingebunden würden.

Die Studie steht unter hsfk.de/demokratiezentrum zum Download bereit. Wer schon jetzt mitdiskutieren möchte, kann das per E-Mail an paulskirche@ stadt-frankfurt.de tun.

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