Römerbriefe

Die Paulskirche und ich

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    Georg Leppert
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Nicht nur Jutta Ditfurth schreibt und schreibt. Auch andere Akteure im Römer bereiten Bücher vor.  Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:  Was bringst du eigentlich in diesem Jahr zur Buchmesse als neues Werk heraus?

Göpfert:  Also, ich, ääh …

Leppert:  Das ist ja ein ganz schön schwaches Bild.

Göpfert:  Dafür kündigen sich aber doch von unseren Politikern im Römer ein paar starke Veröffentlichungen an.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Auf den ersten Blick scheint es ganz erstaunlich, dass insbesondere die Akteure der Römer-Koalition überhaupt noch Zeit finden, größere Texte zu Papier zu bringen. Wo sie doch sehr damit beschäftigt sind, sich immer neu zu einigen und den Geist von Bad Nauheim in sich fahren zu lassen.

Aber es gibt natürlich im Römer ein großes Vorbild für alle Schreibenden. Das ist Jutta Ditfurth, die zuerst 1981 ins Stadtparlament gewählt wurde, damals noch für die Grünen. Und die jetzt schon seit geraumer Zeit die Gruppe ÖkoLinx in der Stadtverordnetenversammlung vertritt.

Die Soziologin und politische Aktivistin veröffentlicht zuverlässig jedes Jahr ein neues Buch. Ihr jüngstes Werk unter dem Titel „Haltung und Widerstand“ beschäftigt sich mit den Tugenden, die heute notwendig sind, um dem neuen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erfolgreich entgegenzutreten.

Das hat einige im Römer nicht ruhen lassen und sie sitzen gegenwärtig auch am Computer. Oberbürgermeister Peter Feldmann zum Beispiel ist dabei, endlich einmal alle seine verstreuten Gedanken zur Paulskirche zu sammeln und in eine Form zu bringen. Bisher sind es ja eher lose Gedankengänge, die mit den Erinnerungen an die Revolte von 1968 beginnen und den Häuserkampf im Westend und die Revolutionäre von 1848 und ihre Niederlage streifen und den Weinbau an der Bergstraße und vieles mehr.

Wichtig bei so einem politischen Sachbuch ist ja, siehe Jutta Ditfurth, ein packender Titel. Bei Feldmann kreisen die Entwürfe noch um „Die Paulskirche und ich“ oder alternativ „Ich und die Paulskirche.“

Jan Schneider, der CDU-Kreisvorsitzende und Baudezernent, der ja bereits als Herausforderer von Feldmann bei der nächsten OB-Wahl gehandelt wird, kennt die Pläne seines Rivalen. Und er weiß, dass er dem Buch des Sozialdemokraten einen Hammer entgegensetzen muss.

Das muss knallen und darf nicht langweilig daherkommen wie etwa „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – meine Jahre in der CDU.“ Nein, dafür ist ja auch der Inhalt viel zu brisant. Schneider will seine geheimen Aufzeichnungen aus den Sitzungen in diesem Luxushotel in Bad Nauheim veröffentlichen, in das die Römer-Koalition immer wieder flüchtet. Der erste Arbeitstitel ist schon mal ein Anfang: „Nächte von Nauheim“. Aber das kann noch besser werden.

Gewohnt kämpferisch gibt sich dagegen Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Sie hadert ja schon eine ganze Weile mit sich, der Umwelt und dem, was die Menschen der Umwelt antun. Ihr politisches Tagebuch, das sie gerade in Buchform bringt, heißt „Warum ich immer noch bei den Grünen bin – ein Missverständnis“. Wir sehen: Der Bücherfrühling 2020 wird vielversprechend.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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