RÖMERBRIEFE

Paul und Paula in der Paulskirche

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    Georg Leppert
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Filmabend mit Popcorn, Sitzung der Stadtverordneten... wie könnte man das ehrwürdige Bauwerk noch nutzen? Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert: Na, hast du dir schon Karten besorgt für die Vorführung von „Beim Jodeln juckt die Lederhose“ in der Paulskirche?

Leppert: Wie billig! Und du? Betrittst die Paulskirche nur, wenn du deine weißen Samthandschuhe dabei hast, weil dort alles so unfassbar wichtig und kostbar ist, dass eigentlich gar kein normaler Bürger dort reingehen sollte, oder?

Göpfert: Schwätzer. Aber schreib ruhig weiter, dass das Stadtparlament dort tagen soll. Dann kannst du noch ’ne Wurstbude im Foyer fordern. Hast ja bekanntlich ziemlich oft Hunger.

Leppert: Was interessiert dich, wo das Stadtparlament tagt? Der Seniorenbeirat trifft sich ja weiter im Hufeland-Haus.

Schluss jetzt mit diesem Dialog. Ist eh schon viel zu lang. Und die Stimmung im Büro wird davon auch nicht besser. Also, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik: Ihre Römerbriefschreiber befinden sich in einer Beziehungskrise. In dieser Woche gab es nämlich ein sogenanntes Pro & Kontra in der Zeitung. Einer von uns hat geschrieben, dass sich die Paulskirche auch für Filmvorführungen und Sitzungen des Stadtparlaments eignet. Der andere hat dagegen argumentiert. Und nun motzen wir uns den ganzen Tag an, weil wir in dieser Frage echt nicht auf einen Nenner kommen.

Aber vielleicht sollten wir als eine Art Paartherapie gemeinsam ein paar unserer berüchtigten kommunalpolitischen Witze machen. Zum Beispiel: Was könnte Oberbürgermeister Peter Feldmann in der Paulskirche noch alles veranstalten? Hier unsere Vorschläge.

– Alle Frankfurterinnen und Frankfurter, die mit Vornamen Paul oder Paula oder aber Uwe Paulsen heißen, dürfen in der Paulskirche ihren Geburtstag feiern. Dazu spendiert die Stadt Frankfurt eine Flasche Paulaner.

– Feldmann lässt den Spielfilm „Ich wusste doch gar nichts“ in der Paulskirche zeigen. Der Film behandelt die AWO-Affäre, die Eheleute Feldmann werden gespielt von Bernd Reisig und Annette Ludwig. Beide zeigen sich nie ihre Gehaltsabrechnung, und jeden Morgen ärgert sich Peter Feldmann/Bernd Reisig über diesen merkwürdigen Ford, der ständig vor seiner Haustür steht. sodass er mit seinem eigenen Auto um die Ecke parken muss.

– Die Eintracht feiert künftig sämtliche Titel in der Paulskirche. Damit die Fans auch etwas davon haben, muss ein 40 Meter langer Balkon an die Paulskirche angebaut werden. Der Denkmalschutz protestiert, aber Feldmann argumentiert: „Es ist Zeit für neue Denkmäler – Adi Hütter, Kevin Trapp, die Ultras…“

– Weil er sich von CDU-Mann Nils Kößler („Die Paulskirche ist keine Multifunktionsarena“) provoziert fühlt, lässt Feldmann die Skyliners in der Paulskirche spielen. Die Katz Group schlägt vor, das Gebäude abreißen und am Flughafen samt S-Bahn-Station wieder aufbauen zu lassen. Die SPD findet den Vorschlag prima, da auf dem Paulsplatz dann die Europäische Schule gebaut werden könnte.

Sie fanden diese Ideen dämlich und Sie sind nicht Bäppi La Belle, der unsere Texte immer blöd findet? Dann entschuldigen wir uns. Aber wir haben uns jetzt wieder lieb.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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