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Paul Ehrlich mit seiner Frau Hedwig Pinkus um 1883.

Historisches Museum

Mediziner aus Leidenschaft

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Paul Ehrlich war zwar ein Mediziner aus Leidenschaft, aber keiner, der gerne am Krankenbett stand. Lieber arbeitete er im Labor. Eine Doppelausstellung im Historischen Museum erzählt Medizingeschichte.

Paul Ehrlich war zwar ein Mediziner aus Leidenschaft, aber keiner, der gerne am Krankenbett stand. Lieber arbeitete er im Labor. Und dort vollbrachte er Großes: Er entwickelte ein Mittel gegen Diphtherie mit, dann eines gegen Syphilis, für seine Beiträge zur Immunologie erhielt er den Nobelpreis für Medizin.

Das Historische Museum hat dem Forscher, der von 1899 bis 1915 in Frankfurt wirkte, eine Ausstellung gewidmet: „Arsen und Spitzenforschung“. Konzipiert wurde sie zusammen mit dem Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, wo sie von April bis September zu sehen war.
Es geht also um mehr als die Pionierfigur Ehrlich, auch um die „Anfänge einer neuen Medizin“, wie der Untertitel lautet. Ziel sei auch ein Porträt der Wissenschaft um 1900, sagt Projektleiter Thomas Schnalke vom Berliner Medizinhistorischen Museum.

Die Ausstellung ist thematisch gegliedert in drei Forschungsphasen in Ehrlichs Karriere: Sie beginnt mit dem Färben von Zellen, bei dem Paul Ehrlich die Gruppe der Mastzellen entdeckte. Dann geht es um die immunologische Forschung, bei der er Antikörper untersuchte. Für seine Seitenkettentheorie wurde er 1908 mit dem Nobelpreis geehrt – die Originalurkunde, die individuell künstlerisch gestaltet wurde und in den USA aufbewahrt wird, kann man im Historischen Museum in einer Vitrine sehen.

Schließlich geht es um die chemotherapeutische Phase, die damals noch nichts mit Krebsbekämpfung zu tun hatte, sondern allgemein eine medizinische Behandlung mit Chemie meinte. In dieser Zeit entwickelte Ehrlich das sogenannte heilende Arsen, das im Jahr 1910 unter dem Markennamen Salvarsan auf den Markt kam – das erste synthetische Antibiotikum und Mittel gegen die Geschlechtskrankheit Syphilis. So erfolgreich diese Medizin war, die von ihm angestrebte „Zauberkugel“, also eine Medizin ohne Nebenwirkungen, gelang ihm damit nicht. Abgesehen davon wurde Ehrlich vorgeworfen, dass Salvarsan zu teuer sei.

Trotzdem verhalf ihm das Mittel zu einiger Berühmtheit. Im Jahr 1914 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, an der er eine ordentliche Professur bekam – nicht selbstverständlich für einen Juden im Deutschen Kaiserreich. Auch diese gesellschaftliche Seite beleuchtet die Ausstellung.

Ergänzt wird die große Schau durch eine kleine im 13. Sammlerraum, in der „Medizingeschichte in Flaschen“ dargereicht wird. Darin präsentiert der Frankfurter Diabetologe Christoph Rosak einige Stücke aus seiner Sammlung von Medikamentenverpackungen – Schachteln, Dosen, Flaschen und Spritzen. Im Mittelpunkt steht die Entstehung der Pharmaunternehmen im Rhein-Main-Gebiet, vor allem der Hoechst AG.

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