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Bei S&K ist die Party vorbei

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Von: Stefan Behr

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Ungebetener Besuch in einer Frankfurter Nobelvilla: Die Polizei geht mit einer Großrazzia gegen mutmaßlichen Anlagebetrug bei der Firma S&K vor.
Ungebetener Besuch in einer Frankfurter Nobelvilla: Die Polizei geht mit einer Großrazzia gegen mutmaßlichen Anlagebetrug bei der Firma S&K vor. © dpa/Roland Holschneider

Mit einer Großrazzia geht die Frankfurter Staatsanwaltschaft bundesweit gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger vor. Sechs Verdächtige werden festgenommen. Unter Verdacht: die Frankfurter Firma S&K.

Mit einer Großrazzia geht die Frankfurter Staatsanwaltschaft bundesweit gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger vor. Sechs Verdächtige werden festgenommen. Unter Verdacht: die Frankfurter Firma S&K.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist mit einer bundesweiten Razzia gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger vorgegangen. Den Männern hinter der Unternehmensgruppe S&K mit Hauptsitz in Frankfurt wird vorgeworfen Anleger um eine Summe im dreistelligen Millionenbereich betrogen zu haben. Sie sollen den Geldgebern, die durch die Finanzkrise verunsichert und auf der Suche nach ebenso sicheren wie gewinnbringenden Anlagen gewesen seien, vermeintlich sichere Fonds aufgeschwatzt haben.

In Wahrheit funktionierten diese Fonds offenbar nach dem bekannten Schneeball-System: Alte Anleger wurden, wenn sie Glück hatten, mit dem Geld neuer Anleger ausgezahlt. Ein hoher Teil des Geldes aber ging nach Ansicht der Ermittler für den „extrem aufwendigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten“ drauf.

130 Hausdurchsuchungen

Damit dürfte es jetzt erst einmal vorbei sein. Sechs Männer im Alter von 31 bis 70 Jahren wurden bei der gestrigen Razzia festgenommen. 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte setzten bundesweit 130 Durchsuchungsbeschlüsse um, vor allem in Hessen, Hamburg und Bayern. Insgesamt wird gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt.

Unter den durchsuchten Objekten befindet sich nicht nur der Firmenhauptsitz in der Frankfurter Kennedyallee, sondern auch die Gerbermühle – ein bekanntes Frankfurter Ausflugslokal am Mainufer und wohl eines der Kronjuwelen in dem durchaus stattlichen S&K-Immobilienbesitz. Von den sechs mutmaßlichen Haupttätern schnappten sich die Fahnder zwei in Frankfurt, zwei in Hamburg und einen in Offenbach. Einen holten sie gar direkt aus seinem Auto – er stand in einem Stau nahe Aschaffenburg.

Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, erwartet „Tausende von Geschädigten“ im gesamten Bundesgebiet. Aus diesem Grund gehen die Ermittler neue Wege: Von heute an hat die Frankfurter Polizei in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ein Kontakttelefon für betrogene Anleger, deren Bevollmächtigte, Angehörige und Hinweisgeber eingerichtet. Dadurch sollen „Anfragen kanalisiert“ werden. Für Betroffene besteht ebenfalls die Möglichkeit, online Anzeige zu erstatten.

Großspuriges Auftreten

Im Internet kann man auch immer noch beobachten, wie großspurig die Macher dort auftraten. Bilder von S&K-Partys vermitteln mit leicht bekleideten Damen und hochgezüchteten Sportwagen eher den Eindruck einer zünftigen Rotlicht-Sause. Auf seiner eigenen Homepage prahlt das Unternehmen mit dem Kauf einer „Villa mit gigantischem Anwesen in 1-A- Lage auf Mallorca“.

Selbst vor Goethe, der seinerzeit Stammgast in der Gerbermühle gewesen sein soll, schreckten sie nicht zurück. Drei Dinge gebe es an einem Gebäude zu beachten, zitieren sie dort den Dichterfürst: „dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei“. Dass es marktgängig sei, fügten die Firmeninhaber auf eigene Faust hinzu.

Für die Betrügereien sollen sich die Beschuldigten ein schwer durchschaubares Firmengeflecht aufgebaut haben: Neben der Frankfurter Unternehmensgruppe steht auch noch eine weitere aus Hamburg im Visier der Ermittler.

Betroffene erreichen das Kontakttelefon der Staatsanwaltschaft unter 069/75557555.

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