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An der unteren Berger Straße in Frankfurt muss bald jeder, der dort parken will, Geld für den Parkschein berappen.

Parksituation

Freie Parkplätze werden in Frankfurt knapp

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Das Parken in Frankfurt soll teurer werden. Die FR beantwortet Fragen zum Thema.

Wie will die Stadt Frankfurt das Parken künftig regeln?
In Frankfurt sollen die freien Parkplätze zwischen Anlagen- und Alleenring bewirtschaftet werden. Das sagte Hans Preißl, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), der Frankfurter Rundschau. Die Änderung betreffe die Stadtteile Westend, Nordend, Ostend, aber auch das nördliche Sachsenhausen. Anwohner zahlten auch künftig nur für den Bewohnerparkausweis, der 50 Euro für zwei Jahre kostet. Einpendler und Besucher müssten hingegen einen Parkschein ziehen.

Welche Regeln gelten bislang?
Anwohner mit Parkausweis parken in den Bewohnerparkzonen auf der einen Straßenseite frei, auf der anderen Straßenseite sind freie Parkplätze für alle anderen Autofahrer vorhanden. Das soll sich ändern. Das Verkehrsdezernat strebt eine Entscheidung der Stadtverordneten bis zur Sommerpause an. In der Innenstadt sind bereits jetzt die rund 3300 Parkplätze im Straßenraum bewirtschaftet. Das Parken in städtischen Parkhäusern der Parkhausbetriebsgesellschaft kostet 2 bis 2,50 Euro pro Stunde. In den privaten Parkhäusern von Apcoa variieren die Preise pro Stunde von 60 Cent (Borsigallee 39) bis 3,90 Euro (Hotel Intercontinental).

Kostet Parken am Straßenrand künftig mehr?
Definitiv für Einpendler und Besucher. Sie würden nach derzeitigem Stand für 20 Minuten 1 Euro zahlen und 3 Euro für 1 Stunde, wie am Parkscheinautomat. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Stadt auch die Gebührensatzung ändert. Davon könnten Parkuhren und Parkhäuser betroffen sein. Zuletzt hatte die Stadt die Gebühren 2013 angehoben.

Muss die Stadt bald Hunderte neue Parkscheinautomaten für das Gebiet innerhalb des Alleenrings kaufen?
Das steht noch nicht fest. Wie Referent Hans Preißl sagte, prüfe das Rechtsamt derzeit, ob die Stadt das sogenannte Wiener Modell einführen könne. In der Hauptstadt von Österreich lassen sich Parkscheine im Zehnerpack an Kiosken, Tankstellen oder Supermärkten erwerben. Die Autofahrer entwerten die Parkscheine selbst, indem sie die Ankunftszeit eintragen. Technisch wäre es möglich, Parkscheine an Zigarettenautomaten oder den Fahrkartenautomaten der Verkehrsgesellschaft Frankfurt zu ziehen, sagte Preißl. Auch sollen die Stadtverordneten bald über die Einführung des Handyparkens entscheiden. Dabei lässt sich der Parkschein per Smartphone-App erwerben. Handyparken gibt es bereits in 70 deutschen Städten, in der Region zum Beispiel in Bad Homburg, Wiesbaden und Hanau.

Wann ändern sich die Parkregeln?
In Bornheim (sieben nebenstehenden Artikel) will die Stadt die neue Parkraumbewirtschaftung im Laufe des Jahres einführen. Im März sollen die Stadtverordneten über das Handyparken entscheiden - und in diesem Zusammenhang eventuell auch über höhere Parkgebühren. Für die Einführung der Parkraumbewirtschaftung innerhalb des Alleenrings hat das Verkehrsdezernat noch keinen Zeitraum genannt. Auch hat das Dezernat angekündigt, das Bewohnerparken in Absprache mit Ortsbeiräten, die dies wünschten, auszubauen. Einen zeitlichen Rahmen gibt es noch nicht.

Was hat die Debatte um Fahrverbote mit der Parkraumbewirtschaftung zu tun?
In seinem Urteil zum flächendeckenden Fahrverbot in Frankfurt hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden im September in erster Instanz entschieden, dass die Stadt zur Einhaltung der Stickoxidgrenzwerte auch den kostenlosen Parkraum teilweise oder ganz abschaffen soll. Wenn weniger freie Parkplätze angeboten würden, vermindere sich der Parksuchverkehr und damit die NOx-Belastung, hieß es zur Begründung. Gegen dieses Urteil ist das Land Hessen vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel in Revision gegangen. Anwaltliche Schreiben müssten bis zum 14. März eingereicht werden, sagte der Referent. Ein Urteil wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet.

Welchen verkehrspolitischen Ansatz verfolgt die Stadt?
Das Prinzip heißt Zuckerbrot und Peitsche. Der Fachausdruck lautet „push and pull“, also Drücken und Ziehen. Um den Nahverkehr ansprechender zu machen, seien die Fahrpreise teilweise vergünstigt worden, neue Wagen wurden angeschafft, das Angebot verbessert, Nachtfahrten von Straßenbahnen und U-Bahnen eingeführt - dies ist der „Pull“-Aspekt, der freundlicher daherkommt als der „Push“-Faktor, bei dem der motorisierte Individualverkehr gegenüber dem sogenannten Umweltverbund aus Nahverkehr, Radfahren und zu Fuß benachteiligt wird. Dazu zählt auch die Verteuerung und Verknappung von Parkraum.

Wie viele Autos gibt es in Frankfurt?
Rund 425 000 Fahrzeuge sind in der Stadt gemeldet. Hinzu kommen täglich etwa 270 000 Einpendler mit ihren Wagen.

Was nimmt die Stadt jährlich durch Parkraumbewirtschaftung ein?
Zuletzt kamen an den Parkscheinautomaten rund fünf Millionen Euro im Jahr zusammen. Etwa elf Millionen Euro nahm die Stadt durch das Verteilen von Knöllchen ein.

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