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Seit Anfang 2020 muss man in Teilen Bornheims fürs Parken zahlen. Jetzt folgen weitere Quartiere in der Stadt. Foto: Christoph Boeckheler
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Seit Anfang 2020 muss man in Teilen Bornheims fürs Parken zahlen. Jetzt folgen weitere Quartiere in der Stadt.

Parkgebühren

Parken in Frankfurt – „Die Befürchtungen haben sich bestätigt“

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Die Stadt weitet die Parkraumbewirtschaftung aus, wonach für jedes Auto ein Ticket oder ein Parkausweis nötig wird. Doch an dem Konzept gibt es viel Kritik.

Frankfurt – Die Zahl der Quartiere in Frankfurt wächst, in denen Autos an Wochentagen tagsüber nur noch mit einem Ticket oder einem Bewohnerparkausweis abgestellt werden dürfen. Bis November 2021 will die Stadt den Bezirk 22, der die Straßen zwischen Friedberger und Eckenheimer Landstraße sowie zwischen Glauburgstraße und Anlagenring umfasst, einrichten. Danach folgt der 24er, der sich im Osten bis zur Berger Straße anschließt. Bis 2025 soll es stadtweit 42 Zonen geben. Doch viele Menschen lehnen das Konzept ab.

Einer von ihnen ist Kfz-Meister Peter Otter, der in Bornheim lebt und arbeitet. Seine Werkstatt liegt in Zone 41, einer der vier, in denen die Stadt Anfang vergangenen Jahres die Parkraumbewirtschaftung, mit der vor allem Pendler:innen verdrängt werden sollen, begonnen hat. Im Februar 2020 hatte er im Bornheimer Ortsbeirat 4 seine Sorge geäußert, dass das Konzept sein Geschäft extrem beeinflussen werde. Seine Befürchtungen hätten sich bestätigt, sagt er jetzt. Die Parkregelung sei eine „enorme Belastung für die Gewerbetreibenden“.

Parken in Frankfurt - Kaum Vorteile durch neue Regelung

Seine Mitarbeiter wohnten nicht in Frankfurt, so Otter. Die lange Anfahrt mit dem ÖPNV sei ihnen zeitlich nicht zuzumuten, täglich ein Parkticket zu kaufen ebenso wenig. Also stellen sie ihre Autos auf dem kleinen Hof in der Enkheimer Straße ab, der eigentlich für die Fahrzeuge der Kundinnen und Kunden gedacht ist. Diese müsse er nun auffordern, ihre Wagen schneller abzuholen, sagt der Kfz-Meister, „was meist nicht geht, da die ja arbeiten müssen“. Viel Zeit gehe deshalb fürs Rangieren drauf. Auch für ihn als Anwohner brächte die Regelung kaum Vorteile. Denn nach wie vor gebe es zu wenig Parkplätze, „die waren nicht von Pendlern belegt“. In Frankfurt sollen jedoch auch die Parkgebühren für Anwohnerinnen und Anwohner steigen – und damit den realen Kosten angepasst werden.

Auch Kita-Leiterin Elke Schulmeyer hat in der Februar-Sitzung 2020 ihre Sorgen geäußert, die leider eingetroffen seien, wie sie jetzt sagt. Viele der 30 Mitarbeiter:innen der zwei Kindergärten und der Krabbelstube der evangelischen Kirchengemeinde Bornheim seien auf Autos angewiesen, da sie sich die Mieten in Frankfurt nicht leisten könnten.

Parkplätze hat die Gemeinde für diese aber nur drei. Einige seien zwar aufs Fahrrad umgestiegen, doch bei Regen und im Winter sei es schwierig. Die meisten versuchten es „irgendwie zu managen“. Zwei Kolleginnen hätten bereits gekündigt, sagt Schulmeyer. Bei Vorstellungsgesprächen lehnten viele ab. Wünschenswert wären Ausnahmeregelungen für Parkausweise.

Parksituation in Frankfurt - „Jede Stelle, die wir wegen eines Parkplatzes verlieren, ist eine Katastrophe“

Die fordert auch Jürgen Schäfer, Geschäftsführer des Bethanienkrankenhauses. Vor allem für das Personal, das auf das Auto angewiesen sei, weil es außerhalb Frankfurts lebt oder zu Zeiten arbeitet, in denen kaum Busse und Bahnen unterwegs sind. Am Bethanien seien das etwa 40 bis 50 Mitarbeiter:innen. Parktickets seien für viele zu teuer. Das Hospital am Prüfling hat bereits ein umfangreiches Mobilitätskonzept aufgelegt.

So baue die Aktiengesellschaft Agaplesion, zu der das Krankenhaus gehört, verstärkt Wohnhäuser für Angestellte, etwa am Standort Markuskrankenhaus. Zudem unterstütze das Bethanien ÖPNV-Tickets ebenso wie das Leasen von Fahrrädern, so der Geschäftsführer. Auch könnte sich das Personal stadtweit für eine halbe Stunde kostenlos eines der Call-a-Bike-Räder ausleihen.

Doch trotz aller Versuche hätten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gekündigt, bei Vorstellungsgesprächen habe es wegen der Stellplatzsituation Absagen gegeben, sagt Schäfer. Dabei sei der Kampf um Pflegekräfte hart. „Jede Stelle, die wir wegen eines Parkplatzes verlieren, ist eine Katastrophe.“ Patientinnen und Patienten können nach wie vor ihre Autos in der Quartiersgarage direkt vor dem Bethanien vergünstigt abstellen. Dem Personal bringe die Tiefgarage aber nichts.

Kampf um Parkplätze in Frankfurt: Auch kleinere Unternehmen sind betroffen

Eigene Parkplätze hat dafür das Katharinen-Krankenhaus an der Seckbacher Landstraße. Mussten Besucher:innen dort vor der Parkraumbewirtschaftung noch ein Euro pro Stunde zahlen, sind es jetzt doppelt so viel. Da auch an den Parkautomaten der Stadt zwei Euro fällig werden, waren die Stellflächen regelmäßig von Pendlern zugestellt, erinnert sich Geschäftsführerin Alexandra Weizel.

Das hat sich durch den höheren Preis geändert. Und da die Nachfrage durch Besucher und Besucherinnen in der Pandemie rückläufig sei, habe das Krankenhaus auch dem Personal vergünstigte Stellplätze anbieten können. Zusätzlich subventioniere das Katharinen Jahrestickets für Bus und Bahn. Das Angebot werde jedoch weniger als erwartet angenommen, sagt Weizel. Sie habe den Eindruck, bei vielen siege die Bequemlichkeit.

Bei Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) haben sich seit Januar 2020 viele Bornheimer und Bornheimerinnen gemeldet, die mit der Parkraumbewirtschaftung zu kämpfen haben. Vor allem kleinere Unternehmen hätten geklagt, dass ihre Mitarbeitenden von außerhalb fürs Parken zahlen müssten. Der Parkausweis, den Gewerbetreibende für ein Firmenfahrzeug beantragen können, reiche vielen nicht aus. Auch stehe er nicht allen zu.

Karin Guder (Grüne) zum Parken in Frankfurt - Viele haben Bedenken aus Unkenntnis

Klagen gab es zudem von Familien, sagt Steib, in denen etwa Großeltern gepflegt werden und die regelmäßig besucht werden müssen. Auch die Grenzen der Parkzonen hätten für Ärger gesorgt. Zwar habe die Stadt nachgebessert, Anlieger:nnen dürfen ihr Auto nun zum Teil auf beiden Straßenseiten abstellen, selbst wenn eine in einem anderen Bezirk liegt. Das gelte aber nicht bei Straßen, die einen trennenden Charakter haben, wie etwa die Seckbacher Landstraße. Klagen hat Steib auch von Bürger:innen der angrenzenden Quartiere gehört, in die viele Pendler:innen ausweichen.

Die ersten Beschwerden haben auch die Vorsteherin des Nordend Ortsbeirats 3, Karin Guder (Grüne), erreicht. Sie begrüßt, dass die Stadt die Parkraumbewirtschaftung ausweitet. Doch müssten die Quartiere schneller ausgewiesen werden, damit es zu keiner Verdrängung in Bezirke komme, wo die Regelung noch nicht in Kraft getreten ist. Zudem müsse die Bevölkerung besser informiert werden. Viele Bürger:innen haben laut Guder Bedenken aus Unkenntnis.

Wer keinen Bewohnerparkausweis beantragen kann, muss sich unter der Woche tagsüber ein Ticket am Automaten ziehen.

Parken in Frankfurt - Firmen bei der Finanzierung von Jobtickets unterstützen

Vor kurzem erst habe ein Nordendler bei ihr geklagt, dass keine Freunde und Bekannte mehr bei ihm schlafen könnten, da die Gebühren zu hoch seien, sagt die Ortsvorsteherin. Dabei müssen Tickets wochentags nur von 7 bis 19 Uhr gezogen werden, „nachts kostet das Parken nach wie vor nichts“. Sinnvoll wäre es laut Guder, wenn die Stadt Firmen bei der Finanzierung von Jobtickets unterstütze. Nötig seien auch Lösungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die keinen Anspruch auf einen Gewerbe-Parkausweis hätten.

Doch ob künftig etwa auch Pflegekräfte, Erzieher:innen und Mitarbeitende von Krankenhäusern Parkausweise beantragen können, sei noch offen, sagt Wolfgang Siefert, Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne), „das muss die neue Koalition klären“. Sicher sei hingegen, dass sämtliche Parkzonen bis 2025 eingerichtet werden sollen. Vorausgesetzt, es gibt genügend Parkscheinautomaten. Denn schon 2020 hatte der Hersteller Lieferprobleme. Und auch jetzt gibt es laut Siefert erneut einen Engpass. (Boris Schlepper)

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