Noch fehlen in der neuen Parkzone Ticketautomaten. Am Dienstag wurden die ersten an der Seckbacher Landstraße montiert.  
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Noch fehlen in der neuen Parkzone Ticketautomaten. Am Dienstag wurden die ersten an der Seckbacher Landstraße montiert. 

Neuerung

Parken in Bornheim wird teurer

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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In Bornheim wird das Parken für Nichtanwohner deutlich teurer. Auch wenn es noch bei der Umsetzung hapert: Die Bornheimer begrüßen die neue Regelung.

Eigentlich wollte Sultan Ates ihr Auto in den kommenden Tagen in der Straße An den Röthen stehen lassen. Sie plant, mit ihrer Mutter länger zu verreisen. Dass sie dann voraussichtlich einen saftigen Strafzettel bekommen hätte, war der Eschersheimerin nicht klar. Denn erst seit zehn Tagen muss vor dem Haus ihrer Mutter wochentags fürs Parken gezahlt werden. Und Ates hat von der neuen Parkzone nichts mitbekommen.

Die Straße gehört zum ersten Abschnitt der für Bornheim geplanten Bewirtschaftung des Parkraums. In der Zone 40, zwischen Dortelweiler, Weidenbornstraße und Seckbacher Landstraße, müssen Autofahrer seit dem 13. Januar ein Ticket ziehen oder einen Bewohnerparkausweis haben. Im Laufe des Jahres sollen die restlichen drei Quartiere zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgstraße/-allee und A661 folgen.

Noch verteilen die Stadtpolizisten keine Knöllchen in dem Gebiet. Dafür stecken sie blaue Zettel hinter die Scheibenwischer der parkenden Autos. Darauf wird allgemein hingewiesen, dass der Wagen in einem Bereich stehe, in dem neuerdings Bewohnerparken gelte und Anwohner mit Erstwohnsitz einen Ausweis beantragen könnten. Wo das Quartier endet, steht dort nicht, was eine Frau, die vor der FES an der Comeniusstraße parkt, irritiert. Sie wohnt einige Hundert Meter entfernt in der Neebstraße, außerhalb des 40er-Bereichs. „Was gilt denn jetzt wo?“

Schilder, die auf die neue Regelung hinweisen, gibt es in der neuen Parkzone nur wenige. Vor allem in dem Quartier rund um die Straße An den Röthen stehen sie nur an den Zufahrtsstraßen. „Das ist viel zu wenig“, kritisiert Anwohner Franz Sterlike. Vor seiner Wohnung in der Preungesheimer Straße etwa ist kein einziger Hinweis auf die neue Regelung zu finden „und Parkscheinautomaten gibt es hier auch keine“, moniert der Bornheimer, der seinen Wagen in einer Garage abstellt. Wer ein Ticket ziehen wolle, müsse weit laufen, „dafür muss man aber erst mal wissen, wo die Maschinen stehen“.

Parkraumbewirtschaftungskonzept. Grafik: FR

Sein Nachbar, der namentlich nicht genannt werden möchte, bezeichnet das als „größten Schwachsinn, den es gibt“. Nur an der Einfahrt zum Quartier Schilder zu montieren, sei Unsinn, „das merkt sich doch keiner“. Ähnlich schlecht werde es dort bereits mit dem Tempolimit gehandhabt. Die Tempo-30-Schilder stünden nur am Rand, „und später hält sich keiner daran“.

Insgesamt 17 Automaten will die Stadt in der Zone 40 montieren. Bislang gebe es erst zehn, sagt Elke Hofmann vom Straßenverkehrsamt. „Der Hersteller hatte Lieferschwierigkeiten.“ Er habe aber zugesichert, die restlichen noch im Januar liefern zu wollen. Sie sollen nicht so dicht gestellt werden wie in der Innenstadt. Aber so, dass sie problemlos zu erreichen sind.

An der Seckbacher Landstraße montiert Tobias Ermentraut am Dienstagmorgen mit einem Kollegen Ticketautomaten. Bislang stand dort kein einziger. Ständig sei er darauf angesprochen worden, sagt er, „wo man denn sein Ticket ziehen kann“. Doch nicht alle hätten zahlen wollen. Immer wieder sei er als „Verbrecher“ beschimpft worden, sagt Ermentraut und lacht, „und dass die Stadt mit den Tickets nur die Leute abzocken wolle“.

Dabei begrüßen die meisten Anwohner das neue System. Sie habe ihre Mutter in den vergangenen Monaten kaum besucht, da es so schwierig gewesen sei, einen Parkplatz zu finden, sagt Sultan Ates. „Das wird jetzt hoffentlich besser.“ Ständig parkten vor seinem Haus an der Seckbacher Landstraße Autos mit Kennzeichen der Umlandgemeinden, hat Manfred Kerscher beobachtet. „Manche stehen hier drei Wochen lang.“ Er vermutet, dass viele die nahen Krankenhäuser besuchten. „Oder sie parken hier und fahren mit der U-Bahn zum Flughafen weiter.“ Dass sein eigener Besuch, der mit dem Auto anreise, jetzt zahlen müsse, hält Kerscher für unproblematisch. Abends und am Wochenende sei das Parken schließlich nach wie vor frei. Und die 50 Euro, die für seinen Bewohnerparkausweis fällig geworden sind, hält der Bornheimer für fair.

293 Bewohnerparkausweise

Insgesamt habe die Stadt seit Dezember 293 Bewohnerparkausweise für die Zone 40 ausgestellt, teilt das Ordnungsamt mit. 21 Anträge befanden sich noch in der Bearbeitung. Im gesamten Bereich hat das Straßenverkehrsamt 1800 Haushalte über die Neuregelung informiert. Theoretisch können also weitaus mehr Bürger einen Ausweis beantragen.

Doch nur in den wenigsten Autos sind am Dienstagmorgen Bewohnerparkausweise zu finden. Fahrzeuge aus ganz Deutschland, Bulgarien und Belgien stehen in der Wohnsiedlung. Parktickets hat kaum einer. In der Weidenbornstraße etwa stehen auf der nördlichen Seite, die noch zur Zone 40 gehört, 30 Wagen. Doch obwohl dort zwei Automaten mit dem Satz „Bitte bezahlen“ um Kleingeld betteln, haben nur ein Offenbacher und ein Frankfurter einen Schein gezogen.

Für das Bethanienkrankenhaus sei das neue Parksystem deutlich zu spüren, sagt der Geschäftsführer Jürgen Schäfer. Zwar liegt die Klinik außerhalb der 40er-Zone. Doch sei seit der Einführung die Tiefgarage vor dem Bethanien „hoffnungslos zugeparkt“. Dort koste die Stunde nur einen Euro, „das ist billiger als auf der Straße zu parken“, sagt Schäfer. Um seine Mitarbeiter zu entlasten, zahle das Krankenhaus Monatskarten für den ÖPNV „oder einen Mobilitätszuschuss von 44 Euro“. Denn nicht jeder könne mit Bus und Bahn anreisen. Vor allem die frühen Schichten seien auf Pkw angewiesen.

Betriebe in Bornheim kritisieren die neue Parkregelung:

„Das können uns dieses Jahr das Genick brechen“, sagt eine Betroffene. Betriebe fordern nun eine Ausnahmeregelung. 

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