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Der Paradieshof in Alt-Sachsenhausen könnte eventuell doch noch die Schule beherbergen.

Paradieshof

European School of Design bleibt im Rennen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Liegenschaftsdezernent in Frankfurt, Jan Schneider (CDU), will nun doch der Designschule den Zuschlag geben, wenn die Koalition das so entscheidet. Strittig bleibt die Frage der Finanzierung.

Im jahrelangen Tauziehen um die Zukunft des brachliegenden Paradieshofs in Sachsenhausen gibt es eine überraschende Wende. Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) ist bereit, doch noch einmal mit der European School of Design (ESD) als künftigem Nutzer des Geländes das Gespräch zu suchen. „Ich brauche aber jetzt eine Entscheidung der Römer-Koalition, wohin es gehen soll“, sagte der CDU-Politiker der FR. Deshalb werde er das Thema auf die Tagesordnung der ersten Koalitionsrunde nach den Sommerferien am 18. August setzen.

Die beiden ESD-Direktoren Detlef Wildermuth und Ralph Tamm hatten im FR-Interview am 30. Juli dargelegt, wie sie über Jahre hinweg in den Verhandlungen um den Paradieshof von Schneider „blockiert“ worden seien. Die ESD, die zu den besten Designschulen Europas zählt, ist aber dennoch nach wie vor bereit, nach Sachsenhausen zu ziehen. Stadtrat Schneider sagte der FR: „Wenn es von der Koalition so gewünscht ist, dann bauen wir das Haus um.“ Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hatte in der FR angekündigt, aus einem Fördertopf seines Dezernats vier Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Dazu sagte Schneider: „Wir müssen in der Koalition klären, ob das so gewünscht ist.“

Bisher habe er „aus der SPD andere Signale bekommen“. Das bezieht sich auf die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, Ursula Busch, die argumentiert hatte, die vier Millionen des Planungsdezernats könnten nicht nur einem Nutzer, und noch dazu einem privaten, zur Verfügung gestellt werden. Planungsdezernent Josef betonte gegenüber der FR seinen Willen, den Umbau finanziell zu unterstützen. „Am Geld wird es jedenfalls nicht scheitern, das Geld ist da.“ Die Federführung für das Projekt liege aber bei Liegenschaftsdezernent Schneider. Josef bekräftigte eine Zusage gegenüber der ESD, die er schriftlich am 28. November 2016 gemacht hatte. Damals hatte er den ESD-Direktoren in einem Brief mitgeteilt, er werde ihr Projekt „mit dem Einsatz städtischer Fördermittel unterstützen“. Dieses Schreiben liegt der FR vor.

Nach wie vor Bedenken

CDU-Politiker Schneider machte nach wie vor Bedenken gegenüber einem Engagement der Stadt für die ESD geltend. Gerade in Zeiten besonderer finanzieller Belastung der Kommune durch die Corona-Pandemie müsse man sich die Frage stellen, ob es sinnvoll und zulässig sei, „Millionen Euro für eine private Bildungseinrichtung einzusetzen“. Außerdem habe die ESD bisher stets deutlich gemacht, sie könne die von der Stadt nach einem Umbau des Paradieshofes angekündigte Miete nicht bezahlen.

Allerdings hatten die ESD-Direktoren gegenüber der Stadt auch erklärt, dass die Schule sich selbst mit einem Millionenbetrag an der nötigen Umgestaltung der Gebäude in Sachsenhausen beteiligen werde. Vorbehaltlos unterstützt wird die Designschule von den Grünen im Römer. Sie bereiten gerade einen Antrag für die Koalition vor, in dem gefordert wird, die Gespräche mit der ESD wieder aufzunehmen. Es war der frühere Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) gewesen, der sich zuerst für die Design-Schule stark gemacht hatte.

Wie die ESD-Direktoren aus ihren Akten rekonstruieren konnten, hatte Cunitz am 26. Mai 2015 die Designschule in ihrem heutigen Domizil an der Hamburger Allee besucht. Er habe sich dort die Präsentation der ESD für den Bau einer neuen Schule am Paradieshof angeschaut und danach erklärt, dies sei das Beste, was er je zu diesem Thema gesehen habe. Der damalige Bürgermeister, so notierten es Thamm und Wildermuth 2015, habe dann angekündigt: „Wenn sie das verwirklichen, packt die Stadt noch einmal zwei Millionen Euro obendrauf.“

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