1. Startseite
  2. Frankfurt

Panne bei Studienplatzvergabe an der Goethe-Uni zieht bundesweit Kreise

Erstellt:

Von: George Grodensky

Kommentare

Sehnsuchtsort Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler
Sehnsuchtsort Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler © christoph boeckheler*

Die Studienplatzvergabe an der Goethe-Uni in Frankfurt zieht weiter Kreise. Für die wieder ausgeladenen Bewerberinnen und Bewerber ist das Nachrückverfahren eine Chance.

Frankfurt – Erneut hat Enrico Schleiff, Präsident der Frankfurter Goethe-Universität um Verzeihung gebeten. Es sei der Hochschule bewusst, dass die drastische Überbuchung bei der Medizin und Zahnmedizin „bittere Konsequenzen für die persönliche Lebensplanung“ der Bewerberinnen und Bewerber habe. 282 Studierenden hatte die Uni nach der Zusage wieder absagen müssen.

Nun gelte es, sich „mit aller Kraft und Kreativität weiter um Lösungen“ zu bemühen, sagt Schleiff. „Fieberhaft“ arbeite man daran, so Schleiff, eine „rechtssichere Lösung“ zu finden, um so vielen Betroffenen wie möglich die Aufnahme in das gewünschte Studium doch noch zu ermöglichen. Nicht nur die Hochschule ist derzeit mit dieser Aufgabe befasst. Auch die Konferenz der Kultusministerien ist bei der Lösungsfindung eingebunden, die Stiftung für Hochschulzulassung und die 21 medizinführenden Universitäten in Deutschland.

Goethe-Uni in Frankfurt: Abgewiesene Student:innen prüfen juristische Schritte

Lösungen möchte die Hochschule noch diese Woche finden. Kein Wunder, der Druck ist recht hoch. Die 282 erst zugelassenen und dann wieder abgewiesenen angehenden Studierenden haben sich schnell vernetzt und ihr weiteres Vorgehen geplant. Die Familien haben sich bereits juristisch beraten lassen, manche haben auch schon offiziell Einwände bei der Hochschule oder der Stiftung für Hochschulzulassung hinterlegt.

Die SPD im Landtag in Wiesbaden hat ebenfalls scharfe Kritik an der Vergabepanne formuliert und Wissenschaftsministerin Angela Dorn zum Handeln aufgefordert. Auch die Landesärztekammer und der Verband Marburger Bund haben die Ministerin in offenen Briefen eindringlich um Abhilfe gebeten. „Vor dem Hintergrund des zunehmend dramatischen Ärztemangels muss hier schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden“, schreibt etwa Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen.

Goethe-Uni in Frankfurt: Ausweichplätze in ganz Deutschland?

Er hält es „in dieser Ausnahmesituation“ für „möglich, bei den 36 staatlichen medizinischen Universitäten in Deutschland ausreichende Ausweichplätze zu generieren.“ Im Wintersemester 2013/14 habe es eine ähnliche Panne gegeben, erinnert sich Pinkowski. Da habe es ebenfalls zu viele Zusagen gegeben, die aber untergekommen seien. „Was damals möglich war, muss auch heute möglich sein.“

Die Landesärztekammer fordere ohnehin seit Jahren schon, zusätzliche Studienplätze zu schaffen. Das könne ein Teil der Lösung sein, wünscht sich Pinkowski.

Das Bewerbungsportal der Seite Hochschulstart.de, die von der Stiftung für Hochschulzulassung betrieben wird, bleibt vorerst bis Dienstag, Mitternacht, geschlossen. Die Stiftung hat das Verfahren für etwa 17 800 Bewerberinnen und Bewerber auf Nachrückplätze zunächst ausgesetzt. Man arbeite mit Hochdruck daran, Möglichkeiten zu finden, dass berechtigte Studienwünsche erfüllt würden, sagt Holger Burckhart, Vorsitzender des Stiftungsrats.

Goethe-Uni in Frankfurt: „Niemand lässt uns im Regen stehen“

„Das Vergabeverfahren der Länder und die technischen Abläufe für das Bewerbungsverfahren sind jedoch stark formalisiert und sehr komplex, und es ist zu berücksichtigen, dass alle am Nachrückverfahren Teilnehmenden ein Recht auf ein faires Verfahren haben.“ Ob wirklich alle 282 Betroffenen einen Studienplatz bekämen, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar, sagt Burckhardt noch.

Frankfurts Unipräsident Schleiff bedankt sich derweil für die Solidarität unter den Hochschulen. „Trotz des von uns zu verantwortenden Fehlers haben wir große Solidarität und Unterstützung sowie konkrete Hilfestellung erfahren. Niemand lässt uns im Regen stehen.“ Eine Teillösung zeichne sich für die Zahnmedizin bereits ab. „Wir prüfen derzeit noch mit der Stiftung für Hochschulzulassung, welche Rücknahmebescheide in der Zahnmedizin rechtssicher aufgehoben werden können.“ Heißt: Die 31 zu viel zugelassenen Studierenden der Zahnmedizin könnten womöglich noch in Frankfurt unterkommen. (George Grodensky)

Auch interessant

Kommentare