Frankfurt - Westend

Palmengarten im Ordnungsamt

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Vor genau zehn Jahren bezog das Ordnungsamt das neue Domizil an der Kleyerstraße. Nun gab es ein Fest für 680 MitarbeiterInnen. 

Hasso Haas ist zurück. Der frühere Leiter des Ordnungsamts, mittlerweile 75 Jahre alt, steht in seinem alten Büro in dem Gebäude an der Kleyerstraße. Wobei man nun nicht sagen kann, dass Haas die Rückkehr mit besonders viel Wehmut erfüllen würde, da er Jahrzehnte in diesem Zimmer zugebracht hätte. In Wahrheit arbeitete er genau eine Woche in dem Raum. Danach ging er in Pension.

Aber Haas hat einiges zu erzählen über das Amt. Er hatte nämlich maßgeblichen Anteil an der Planung. Vor genau zehn Jahren zog die Behörde von ihrem Sitz an der Mainzer Landstraße, für den die Teilnehmer des Pressegesprächs am Freitag immer neue despektierliche Beschreibungen („Hasenstall“) finden, in die Kleyerstraße. Gefeiert wurde das mit einem Fest für die 680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu dem der amtierende Behördenleiter Jörg Bannach sowie Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) auch Haas und den früheren Stadtrat Boris Rhein (CDU) eingeladen hatten.

Es gibt eine Menge Anekdoten zu erzählen an diesem Tag. Manche handeln von den Tücken in den ersten Wochen nach der Eröffnung des Gebäudes. In der Ausländerbehörde, die zum Ordnungsamt gehört, hatten die Verantwortlichen die Wartebereiche nach Frankfurter Sehenswürdigkeiten benannt: Skyline, Palmengarten, Eiserner Steg... Den Kunden wurde dann gesagt: „Warten Sie bitte im Bereich Palmengarten.“ Vereinzelt, so erinnert sich Haas, habe es dann Anrufe gegeben: „Ich warte jetzt seit Stunden im Palmengarten, wann komme ich denn dran?“ Die Klienten hatten die Aufforderung des Personals allzu wörtlich genommen.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern habe sich mit dem Umzug schlagartig verbessert, erzählt Haas. Die Zeit der räumlichen Enge und der Arbeit in dunklen Räumen sei vorbei gewesen. Drei Viertel der Beschäftigten, die heute im Ordnungsamt arbeiten, sei vor zehn Jahren schon dort gewesen. Das zeige die Zufriedenheit der Belegschaft.

Verspielte Architektur 

Boris Rhein, mittlerweile Präsident des Landtags, räumt ein, dass er mit den Plänen zunächst wenig anfangen konnte. Ein Ordnungsamt müsse aussehen wie ein Ordnungsamt, habe er als „junger Dezernent“ gedacht, sagt der 47-Jährige. Dann habe ihn die Architektin überzeugt, dass eine Behörde nicht zwangsläufig in einem Betonquader nach dem Vorbild des Polizeipräsidiums untergebracht sein muss. Das Ordnungsamt ist ein runder Bau, mit Kurven in der Fassade, es wirkt „verspielt“, wie Bannach sagt. Er selbst wollte sich das Haus vor seinem ersten Arbeitstag schon mal ansehen – und fuhr zunächst vorbei. Eine Behörde in einem Gebäude mit großer Glasfront, das konnte sich der einstige Staatsanwalt nicht vorstellen. Doch genau diese Offenheit sei dem Amt wichtig, sagt Bannach. Deshalb passe die Architektur zur Behörde.

Kommendes Jahr wird der Amtsleiter in Pension gehen. Gemeinsam mit Haas will er in zehn Jahren zurückkehren und den 20. Geburtstag des Hauses feiern.

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