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Die Installation der Design-Studierenden mit kommunizierenden Pflanzen.
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Die Installation der Design-Studierenden mit kommunizierenden Pflanzen.

Stadtnatur

Palmengarten Frankfurt: Im Gespräch mit Pflanzen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Eine erstaunliche Installation und 14 Sichtachsen gibt es in der grünen Oase zu sehen. Der Mensch kann mit dem Grün in Kontakt treten.

Nach vorn und zurück schaut der 150 Jahre alte Palmengarten mit zwei Projekten in seinem Jubiläumsjahr. Fangen wir mit der Zukunft an.

Auf der großen Spielwiese dröhnt und flimmert es. Dort steht etwas, von dem Palmengartendirektorin Katja Heubach sagt: „Das ist ein eigener Organismus.“ Daran ist der Garten im Prinzip nicht arm, doch was die Studierenden des Instituts für Materialdesign an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung geschaffen haben, unterscheidet sich vom Bekannten. Es ist ein Ort mit Membranen aus Textil, Weidenruten, Kräutern und Kletterpflanzen. „Die Pflanzen reagieren, wenn Menschen sich nähern“, sagt Sophie Bernauer, eine der Studierenden.

Und wie sie reagieren! Mit Synthesizertönen, die entstehen, weil Elektroden die Signale messen, die die Pflanzen senden, und in Klang umwandeln. „Wir wollen damit darstellen, wie Pflanzen vernetzt sind“, sagt Kira Bernauer, jawohl, derselbe Nachname. Oder wie der Dozent Markus Holzbach sagt: „Es ging darum, dass die Pflanzen auf sich aufmerksam machen mit einem Klang- und Lichtszenario.“ Das Licht ist tagsüber nicht so leicht zu erkennen, weil es sanftblau leuchtet an den weißen Textildächern. Im Dunkeln sei das besser zu sehen, sagt Lucas Glittenberg aus dem Team. Es sei daran gedacht, später im Jahr noch Veranstaltungen am Abend zu machen, ergänzt Noa Haller.

GRÜNES HERZ

Wir interagieren Pflanze und Mensch? Der Frage widmet sich das HfG-Projekt mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Namen „imd_plant transistor“ auf der Wiese vor dem Haus Leonhardsbrunn. Der Pavillon ist Teil einer Öffnung des Gartens hin zu weiteren Kunstprojekten.

Die Geschichte des Palmengartens greift die Sichtachsen-Ausstellung auf, die an 14 Orten auf dem Gelände zeigt, was dort früher zu sehen war – manchmal mit stark verändertem Anblick heute, manchmal noch ganz vertraut. Die 14 Orte sind auch in der neuen Palmengarten-App zu finden – genau wie weitere spannende Stellen, und auch auf der überarbeiteten Website www.palmengarten.de

Ein Buch zum Jubiläum hat Sabine Börchers geschrieben: „Der Palmengarten – Wo Frankfurts grünes Herz schlägt“. Der großformatige Band ist im Societäts-Verlag erschienen, enthält viele aktuelle Fotos und auch historische Aufnahmen.

Und die Pflanzen reagieren hörbar auf uns Menschen? Ja, sagen die jungen Leute, die sich stark mit Natur und Vergänglichkeit in ihrem Designstudium beschäftigen. Für den Betrachter und Zuhörer ist es ein bisschen, als spräche er mit den Pflanzen, und das berührt durchaus.

Wie sich Plätze neu inszenieren lassen, wenn die Sommer immer heißer und trockener werden, wollte Katja Heubach herausfinden, und dies ist eines der Ergebnisse. Schön, dass es jetzt wieder mehr Menschen erleben können. Der Zugang zum Palmengarten ist wieder komplett offen, am Sonntag seien schon 3000 Menschen da gewesen, sagt Heubach. „Corona hat uns gebeutelt, aber wir konnten in der Zeit des Stillstands auch viel machen mit unseren Kooperationspartnern.“

Dazu zählen 14 sogenannte Sichtachsen: rote Rahmen in der Gartenlandschaft, durch die hindurch der Blick fällt auf Verändertes und Vergangenes. Auf das Eingangsschauhaus etwa, das vor 100 Jahren noch um 90 Grad gedreht dastand, also praktisch in den Garten hineinragend. Der zentrale Bau ist unverändert, die Flügel rechts und links sind neu.

„Der Grundgedanke bei den Sichtachsen ist: en passant erkennbar machen, wie es hier früher aussah“, erläutert Kirsten Grote-Baer vom Palmengartenteam. Es gab Tennisplätze, ein Fußballfeld, eine Radrennbahn drum herum – wer hätte das gewusst? Heute schaut man durch den roten Rahmen auf eine Wiese, und dahinter steht das Tropicarium an der Stelle, an der einst der erste Rosengarten wuchs, „damals noch sehr romantisch“, sagt Grote-Baer, ehe die Architektur realistischer wurde.

Wer in den Palmengarten geht, könnte zurzeit weitere seltsame Geräusche vernehmen, darunter Wale im großen Weiher. Dazu in Kürze mehr.

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