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Selbstbemalte Schilder, Fahnen und das palästinensische Tuch, Kufiya bestimmten das Bild am Römerberg am Samstag.
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Selbstbemalte Schilder, Fahnen und das palästinensische Tuch, Kufiya bestimmten das Bild am Römerberg am Samstag.

Frankfurt

Palästina-Demo am Römerberg bleibt friedlich

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Rund 1000 Menschen protestieren gegen Israel. In den Reden wird sich gegen Antisemitismus gestellt, es mischt sich aber auch Populismus.

Dutzende palästinensische Fahnen wehten am Samstagnachmittag über dem Römerberg. Selbst gemalte Schilder wurden hochgehalten und viele Menschen trugen das traditionelle palästinensische Tuch, die Kufiya. Rund 1000 Menschen sind laut Polizei dem Aufruf des Vereins Palästinensische Gemeinde Hessen gefolgt. Sie haben unter den Mottos „Frieden und Gerechtigkeit in Palästina und Nahost“ sowie „Stopp der andauernden Nakba. Sofortiges Ende der israelischen Annexion und Aggression“ friedlich demonstriert.

Weder gab es antisemitische Parolen noch waren Fahnen oder Symbole der radikalislamischen Hamas und Hisbollah zu sehen. Vereinzelt gab es Allahu-Akbar-Rufe. Die Polizei, die mit rund 250 Kräften den Römerberg umringt und abgesperrt hatte, musste die Teilnehmer:innen einige Male auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinweisen. Unterbrochen wurde die Kundgebung nur zwei Mal vom Glockengeläut der Nikolaikirche anlässlich des Pfingstfestes.

„Wir begrüßen den Waffenstillstand und die Beendigung der Kampfhandlungen in der Region und hoffen auf die Einhaltung der Erklärungen der israelischen Regierung und der Hamas“, sagte Ünal Kaymakci von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH). Er führte als Moderator durch die Kundgebung und sagte, dass nur der Stopp der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung dauerhaften Frieden schaffen würde. „Israel existiert, aber es leugnet das Existenzrecht eines palästinensischen Staates.“ Kaymakci stellte sich auch gegen Antisemitismus: „Wir verurteilen entschieden Angriffe auf religiöse Zentren, auf Gotteshäuser der Juden und Hassparolen auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserem Land“, betonte er. Kritik an Israel dürfe nicht als Antisemitismus diskreditiert werden.

Mohammad Ghanem von der Palästinensischen Gemeinde Hessen beklagte, dass Ursache und Wirkung des Konflikts in Deutschland vertauscht würden. „Welche Grenzen hat der Staat Israel festgelegt? Es hat seine Grenzen nicht festgelegt. Es will seine Grenzen vom Fluss bis zum Meer“, sagte Ghanem. Eine Aussage, die zuletzt oft auf propalästinensischen Demos zu hören oder zu lesen war.

Ramazan Kuruyüz, der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH), wetterte: „Israel kennt keine Moral. Israel missachtet seit Jahrzehnten das internationale Völkerrecht. Israel kennt keine Menschenrechte. Israel hat keinen Respekt vor Zivilisten - vor allem vor Kindern und Frauen.“

Dafür bekam er großen Applaus der Umstehenden. Jeder wisse, dass Auslöser des Konflikts die israelische Siedlungspolitik und die Bestürmung der Al-Aksa-Moschee durch das israelische Militärs gewesen seien. Gleichzeitig rief Kuruyüz die Hamas und Israel dazu auf, „die Gewalt für immer zu beenden“. Denn auch die Raketen der Hamas aus Gaza verstießen gegen das Völkerrecht.

Populistisch wurde es, als Abraham Melzer auf die Bühne trat. Der Publizist, der sich als jüdischer Antizionist sieht und in Frankfurt nicht in Sälen der Stadt auftreten darf, griff Außenminister Heiko Maas und Bundeskanzlerin Angela Merkel an. „Merkel sagt: ,Es ist richtig, dass sich Israel zu Wehr setzt.‘ Na Frau Merkel, da kommt es wohl auf ein paar Kinderleichen mehr nicht an“, sagte Melzer süffisant.

Zu den Versammelten sagte er: „Uns vereint der Widerstand gegen die israelische Besatzung, die Apartheid und die nicht endende Nakba.“ Es sei gut, dass Bürgermeister Uwe Becker, der gleichzeitig Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen ist, demnächst aus seinem Amt „verjagt wird“.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete der Linken, Willy van Ooyen, forderte die Bundesregierung dazu auf, bei massiven Verletzungen von Völker- und Menschenrechten keine doppelten Standards anzuwenden. „Anstelle der Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs müssen endlich die Ursachen für Krieg und Gewalt aufgearbeitet werden und eine demokratische und sozial gerechte Perspektive für die Menschen in Israel, Palästina und der gesamten Region ermöglicht werden“, forderte van Ooyen.

Die christliche Palästinenserin Dina Said-Ghan sagte, dass die Kugeln des israelischen Militärs keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen machten. „Wir Palästinenser lassen uns nicht spalten“, bekräftigte sie.

Zuletzt berichtete die Aktivistin und Christin vom Leben ihrer Freundin Lina im Gazastreifen. Während der Bombardierung in den vergangenen Tagen sei sie nachts bei ihr geblieben, wenn die Verbindung gehalten habe. „Wir dürfen die Palästinenser nicht ihrem Schicksal überlassen“, forderte sie.

Bericht Seite F5

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