+
Eine Straßenbahn fährt über den Willy-Brandt-Platz.

Paketzustellung in Frankfurt

Paketlieferung per Straßenbahn

  • schließen

Pakete kommen in Frankfurt nun auch mit der Straßenbahn. Sie bringt die Lieferungen in Depots. Von dort werden sie mit Fahrradkurieren weiter transportiert.

An Stangen, an denen sich sonst Fahrgäste festhalten, werden heute große Holzboxen festgezurrt. Darin befinden sich Pakete, die Kunden online bestellt haben. Befördert werden die Kisten nun mit der Straßenbahn, bis sie von einem Lastenelektrofahrrad abgeholt und ausgeliefert werden. Waren so klimafreundlich zu transportieren, ist ein Projekt, dass die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) am Montag vorgestellt hat. Gemeinsam mit dem House of Logistics and Mobility (HOLM), der IHK und der University of Applied Sciences haben sie das Konzept für die sogenannte Logistiktram entwickelt. Fahrgäste dürfen nicht in die Waggons.

Die Idee kommt von Klaus Grund und Herbert Riemann, vor Augen hatten sie die DHL-Depots für Selbstabholer. „Die wollten wir mobil machen“, sagt Riemann. Das Mobile Mikrodepot, das sie entwickelt haben, beinhaltet mehrere herausziehbare Logistikboxen. Dieses wird temporär an einigen Stellen entlang der Straßenbahntrassen abgestellt und nach wenigen Stunden wieder mitgenommen. In der Zwischenzeit werden die Boxen mit einem Trailer herausgeholt. Dieser lässt sich hoch und runterfahren. Der Trailer mit drei Rädern ist gleichzeitig der Anhänger, der an das Fahrrad gekoppelt wird. Kuriere liefern die Pakete dann an die Haustür.

Seit einem Jahr beschäftigen sich Riemann und Grund intensiv mit dem Projekt. Sie erhielten hierfür rund 30 000 Euro des Energiereferats im Rahmen des Ideenwettbewerbs Klimaschutz. Wenn man nur die Hälfte der hunderten Lieferwagen ersetzen könnte, die jeden Tag durch Frankfurt fahren, wäre das eine tolle Lösung, sagt Riemann. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) begrüßt ebenso die Idee, Lasten von den Autos wegzubekommen. Gerade im Hinblick darauf, dass eine Verkehrswende nötig sei und Co2 reduziert werden müsse. Auch könnte das Projekt helfen, dass die Lieferwagen nicht immer auf den Fahrradwegen parkten.

Ziel: Straßen und Umwelt entlasten

Dass Straßenbahnen Güter befördern, ist nicht ganz neu. Das habe es in den 60er Jahren schon einmal gegeben, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Aber durch die Zunahme der Onlinebestellungen nach Hause habe das Thema Logistik in den vergangenen Jahren noch einmal an Bedeutung gewonnen. Ziel des Vorhabens sei es Frankfurts Straßen und die Umwelt zu entlasten.

Den Straßenraum möglichst effizient zu nutzen und das mit der ältesten und besten Form, der Straßenbahn, unterstützt auch Ansgar Roese von der Wirtschaftsförderung. Mit dem Projekt „lässt sich eine nahezu emissionsfreie Citylogistik realisieren“.

Als Versanddienstleister ist Hermes Teil des Pilotprojekts. Ein größerer Probebetrieb soll im Herbst beginnen. In dieser Phase sollen die Bahnen in verkehrsärmeren Zeiten die Pakete als Sonderfahrten befördern. Umbauen muss die VGF die Bahnen nicht. Derzeit können drei der großen Boxen transportiert werden. Ob es möglich ist, auch mehr Kisten einzuladen werde man in den nächsten Wochen schauen, so die VGF.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare