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Die metallenen Zaunpfähle in dieser Woche. Inzwischen ist der Zaun fertig, die Hecke folgt dann kommenden Mittwoch.

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Kampf gegen die Nilgans in Frankfurt

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    Boris Schlepper
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Im Ostpark geht die Vergrämung des Federviehs in die nächste Runde. Das Motto heißt: Sicht behindern statt schießen.

Eine Hecke ist eine Hecke. Sie kann aber auch ein Zaun sein. Vorübergehend. Vor allem, wenn sie eine Gänsehecke ist. Derzeit zu begutachten im Ostpark.

Dort gibt es, jedenfalls für den Geschmack vieler Parkfreunde und Freizeitsportler, zu viele Gänse, was zuvorderst in ihrem Kot auf den Liege- und Fußballwiesen zum Ausdruck kommt. Man hätte davon gern deutlich weniger, aber ohne Waffengewalt. Nach langen Debatten ersannen Umweltdezernat und Vogelschutzwarte daher einen sogenannten Gänsezaun, dessen Testphase im vorigen Jahr nach Auffassung der Fachleute so erfolgversprechend verlief, dass nun eine Gänsehecke das Provisorium ersetzen soll.

Was man im Park sieht, ist freilich doch wieder ein Gänsezaun. Auch noch aus Metall. Warum dieses? Weil die Hecke einen Kern braucht, um den sie herumwachsen kann, heißt es seitens der Planer im Grünflächenamt.

Also bauten die Arbeiter in den vergangenen knapp zwei Wochen einen Zaun, 400 Meter lang, 60 Zentimeter hoch. Drumherum soll Salix rosmarinifolia ranken, die Rosmarin-Weide, knapp einen Meter hoch, nach dem Schnitt ebenfalls 60 Zentimeter, dreieinhalb Stück auf den laufenden Zaunmeter. Die Pflanzenlieferung wird für Mittwoch erwartet, am kommenden Freitag soll alles fest verwurzelt in der Erden stehen.

Fertig? Aber nein. Zum Schutz der Hecke braucht es noch einen Fraß-Schutzzaun aus Kaninchendraht, der weitgehend parallel zur Pflanzung angebracht wird. Das Ganze kostet knapp 48 000 Euro, davon etwa 19 000 für den Zaun, 14 000 für die Pflanzung, 6100 für den Fraßschutz, 5000 für die jährliche Pflege und nicht zu vergessen: 3700 für die obligatorische Kampfmittelsondierung.

Und dann können die Gänse nicht mehr über den Zaun? Doch, aber sie wollen nicht – so der Plan. Es handelt sich bekanntlich um einen Sichtschutzzaun, beziehungsweise eine Sichtschutzhecke, wenn sie fertig ist. Sie soll den Gänsen die Sicht auf den Weiher nehmen, ihren Zufluchtsort, und mithin auch die Lust, sich auf der Wiese herumzutreiben. Ob Zaun respektive Hecke das tatsächlich tun, konnte der Testlauf mit Bauzaun im vorigen Sommer nicht restlos klären, dafür war er zu extrem – es könnte auch das verbrannte Gras daran schuld gewesen sein, dass laut Studie der Vogelschutzwarte in der Tat deutlich weniger Gänse auf der Wiese waren.

Unterstützung für den sanften Weg erhält die Stadt vom Naturschutzbund (Nabu). In einem Kommentar zur Debatte um die zugewanderte Nilgans erklärt er: „Neueste Studien, zum Beispiel aus Hessen, sprechen eher dafür, dass sich Nilgänse ohne nachweisbare negative Effekte auf andere Arten in neuen Gebieten ansiedeln.“ Eine Verringerung des Bestandes sei weder notwendig noch zu rechtfertigen, „eine Bejagung mit dem Ziel einer Bestandsreduktion ist abzulehnen“.

Ohnehin sei ein gezielter Abschuss von Nilgänsen „nicht zielführend, da freiwerdende Plätze sehr schnell von nachrückenden Nilgänsen besetzt werden“, so der Nabu weiter. Stattdessen hätten sich nicht-letale Maßnahmen als effektiv erwiesen, wie aus den Frankfurter Erkenntnissen hervorgehe. Ob das zutrifft – der Sommer wird’s zeigen. Falls er nicht wieder alles Gras verbrennt. Notfalls könnte man ja für die Gänse den Rasen sprengen.

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