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Auf dem Frankfurter Römerberg versammelten sich viele Friedensbewegte.

Kundgebung

Ostermärsche in Frankfurt werden bunter

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Dem jährlichen Aufruf der Gewerkschaften folgen auch wieder jüngere Menschen.

Rund 3000 Menschen haben am Ostermontag in Frankfurt für Frieden und gegen Aufrüstung demonstriert. Die Teilnehmer waren in einem Sternmarsch zum Römerberg unterwegs, wo es am Nachmittag eine Abschlusskundgebung mit mehreren Rednern gab.

Einer der Sternmärsche hatte sich am Mittag an der Bockenheimer Warte formiert. Dort versammelten sich knapp 500 Menschen. Michael Erhardt von der IG Metall als einer der Organisatoren freute sich über die Resonanz: „Die Friedensbewegung bekommt wieder mehr Dampf.“ Nachdem die Ostermarschierer in den vergangenen Jahren ein kleines Nachwuchsproblem hatten, beteiligten sich in diesem Jahr auch viele jüngere Menschen, so wie etwa Lukas vom Studierendenverband der Linkspartei. „Unsere Hauptmotivation ist die steigende Kriegsgefahr“, so der 25-Jährige. Für Universitäten und Schulen sei kein Geld da, für Aufrüstung schon. Dario vom Internationalistischen Bündnis hat seine Gitarre mitgebracht und stimmt die Protestierenden ein. Die Stimmung an der Bockenheimer Warte ist so nett, dass die Teilnehmer das Loslaufen Richtung Römer ein bisschen vergessen. Denn dort steht schon gut 20 Minuten später Michael Rudolph auf der Bühne. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds für Hessen und Thüringen beklagt die steigenden Ausgaben für Rüstung und das 80 Jahre nachdem sich der Überfall Deutschlands auf Polen jähre. Mit 20-minütiger Verspätung trödeln dann auch die Rödelheimer und Bockenheimer auf dem Römerberg ein.

Ulrich Wilken freut sich über die Resonanz, die größer sei als in den Vorjahren, aber so richtig zufrieden ist der Linken-Politiker nicht: „Dass was an Empörung da ist, setzt sich nicht im Bewegung um.“ Zudem hat Wilken den Eindruck, dass „diejenigen, die sonst der Regen abhält, heute die Sonne abhält“. Der Römerberg hat sich schon gegen 13.45 Uhr wieder merklich geleert. Die Protestierer wollen aus der Sonne oder in die Sonne. Dabei ist die Liste der Redner durchaus vielfältig. Die von der Abschiebung bedrohte Samilla Noori erinnert daran, dass es in Afghanistan seit 40 Jahren Krieg gebe. Rodja Durmaz, die auch bei der deutlich jüngeren Bewegung „Fridays for Future“ aktiv ist, beklagt, dass beim Aufrüsten das Geld immer locker sitze.

Moderiert wird die Abschlusskundgebung von Willi van Ooyen, einem Urgestein der Friedensbewegung in Frankfurt. Er gibt das Mikrofon zu guter Letzt an seinen alten Mitstreiter Francis Würtz weiter, der lange Jahre Abgeordneter im Europaparlament war. Würtz proklamiert „zehn Ziele für ein abgerüstetes und friedliches Europa“. Seine erste Forderung: Es brauche ein Europa ohne Nato, weil das Verteidigungsbündnis keinen Frieden, sondern nur Spannungen schaffe. Diese Forderung hat Würtz übrigens mit der zwei Generationen jüngeren Durmaz gemeinsam. Die Basis der Ostermarschierer wird wieder breiter, auch wenn der Römerberg schnell leerer wurde.

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