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Tanzlehrerin Dagmar von Garnier (in Rot) zeigt wie’s geht. M. Schick

Ostend

Ostend: Den „Schwarzerdner“ tanzen lernen

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Bei einem Workshop im „Dr. Hoch’s Konservatorium“ bringt die Leiterin des Ensembles Slawia den Teilnehmern deutsche Reigen bei.

In „Dr. Hoch’s Konservatorium“ ist am Sonntag zur Mittagszeit nicht viel los. Nur hinter einer Tür im vierten Stock der Musikhochschule ist rhythmisches Klatschen zu hören. Dazu läuft Drehorgel-Musik vom Band. In dem Raum der Volkshochschule mit großzügigem Ausblick auf die Sonnemannstraße, übt eine zwölfköpfige Gruppe verschiedene Tanzschritte ein.

Zu dem „Workshop Deutsche Tänze“ hat Dagmar von Garnier eingeladen. Die Leiterin des „Internationalen Folklore-Ensembles Slawia“ unterrichte seit mehr als einem halben Jahrhundert Tänze aus der ganzen Welt, berichtet sie. „Ich kenne tausende Tänze“, sagt die 78-Jährige. Auf ein Blatt Papier, das sie ans Fenster geklebt hat, schreibt von Garnier nach und nach die Reigen auf, die die Gruppe einstudiert: „Bernhard Walzer“, „Rundes Dutzend“, „Großer Atlantik“, „Sonderburger Doppelquadrille“ und „Schwarzerdner“ sind dort zu lesen.

Zum letztgenannten Stück stehen die Teilnehmer im Kreis zusammen, halten sich an den Händen, schreiten gleichzeitig zur Ringmitte und wieder zurück. Dazu gibt von Garnier Anweisungen: „Reingehen, rausgehen, weitergeben“. Beim dritten Kommando teilt sich die Gruppe in einzelne Paare auf, die sich zunächst zu Quartetten und wieder zu einem großen Kreis zusammen schließen. Erst wird ohne Musik geübt. Danach schaltet von Garnier einen weißen Ghettoblaster ein, aus dem Geigen erklingen. Daraufhin setzen sich die Tänzer in Bewegung.

„Bei deutschen Tänzen ist das Problem, dass fast immer zu Paaren getanzt wird“, sagt von Garnier. Und da müsse immer einer führen. Anders sei das in Griechenland oder Bulgarien: „Da tanzt jeder was anderes und bringt seine persönliche Ausdrucksweise mit ein“. Auch bei dem Gruppentanz-Workshop gibt es Führende, die ein grünes Band um den Hals tragen. Dabei spiele aber kaum ein Rolle, ob sie tanzen könnten oder nicht, so von Garnier.

Die meisten der Teilnehmer an diesem Tag sind tanzerfahren und kennen von Garnier bereits aus anderen Kursen. So wie Doris Benner aus Oberursel. Sie sagt, im Kreis zu tanzen, habe eine „integrierende Wirkung“. Die 68-Jährige hat als Heilpädagogin mit behinderten Menschen gearbeitet und dabei auch Tänze angeboten. Als „einfach genial“ bezeichnet sie die Möglichkeit, „Menschen, die sonst viel im Abseits stehen“ durch Tanzen in der Gruppe zu integrieren. Daneben stehe auch die Sprache als Ausdrucksmittel weniger im Vordergrund.

Ihr Mann Thomas Rust, einer der beiden einzigen männlichen Teilnehmer, sagt: „Weg vom Kopflastigen kann man beim Tanzen gleichzeitig geistige Beweglichkeit üben“. Das Paar tanze auch Standard zu zweit. Am Tanz in der Gruppe schätze er das „gemeinschaftliche Erleben“, sagt der 64-Jährige. Adelheid Zimmermann aus Bornheim findet es „praktisch, keinen Partner mitbringen zu müssen“, da „die meisten Männer nicht gerne tanzen“. Und die 37-jährige Profi-Flötistin, Johanna-Leonore Dahlhoff, die erstmals bei einem solchen Kurs dabei ist, sagt: „Für mich ist es super zu lernen, wie man sich zur Musik bewegt“.

Beim Einüben der Tanzschritte wird häufig gelacht, wenn eine Figur, etwa das Durchreichen eines Partners unter den Armen, des anderen nicht funktioniert. Und zum Abschluss eines Stückes, stehen wieder alle im Kreis, halten sich an den Händen und verbeugen sich – im Grunde jeder vor jedem.

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