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Gruppenbild vor der Dampflok: Die HEF-Vorsitzende Siegrid Zscherneck, ihr Stellvertreter Florian Faust, Lokführer Dominik Eckardt und Dominique Babuke (von links).Foto: Leonhard Hamerski
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Gruppenbild vor der Dampflok: Die HEF-Vorsitzende Siegrid Zscherneck, ihr Stellvertreter Florian Faust, Lokführer Dominik Eckardt und Dominique Babuke (von links).Foto: Leonhard Hamerski

Ostend

Spenden für die eiserne Lady

Der Verein Historische Eisenbahn fürchtet, dass er den TÜV für seine Dampflok nicht mehr zahlen kann. Sollte dies der Fall sein, können die Mitglieder ihre beliebten Sonderfahrten nicht mehr anbieten.

Die alte Dame hat trotz ihrer knapp 80 Lenze immer noch einen gesunden Appetit. Allerdings nicht auf Kalorien, sondern auf Kohle. Schließlich geht es um die Dampflokomotive 524867, Baujahr 1943. Der schwarzglänzende Koloss mit den roten Rädern – fast 23 Meter lang und gut 84 Tonnen schwer – ist das Prunkstück des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt (HEF). Aber eines, das den Mitgliedern auch Sorgen bereitet: Kommendes Jahr steht die Hauptuntersuchung für die Lok an, der sogenannte Eisenbahn-TÜV, der alle sechs bis acht Jahre fällig ist. Was jedes Mal Kosten in sechsstelliger Höhe verschlingt, sagt der Zweite HEF-Vorsitzender Florian Faust. Wie der Verein das finanzieren kann? Keine Ahnung, sagt Faust. Zumal der HEF schwer unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden hat. Eineinhalb Jahren durfte er so gut wie keine Sonderzugfahrten mehr anbieten, daher brachen etliche Einnahmen weg. Schon vor zwei Jahren musste der Verein eine zweite Dampflok abgeben, aus Kostengründen.

Sonderfahrten und Spendenaktion

Der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt bietet Sonderzugfahrten. Am 20. November geht es nach Kehl und Straßburg, am 27. und 28. November nach Michelstadt, am 5. Dezember nach Rüdesheim und am 31. Dezember auf Silvesterfahrt.

Touren auf der Hafenbahn zum Eisernen Steg stehen am 5. September, 30. Oktober sowie am 11. und 12. Dezember an. Die Züge können auch gechartet werden.

Infos, auch zur Spendenaktion für die Dampflok, im Internet unter www.historische-eisenbahn-frankfurt.de. bd

„Schlimmstenfalls“, befürchtet Faust, dürfe Lokomotive Nummer 524867 ab kommenden Jahr nicht mehr durch die Lande rollen. Um das zu verhindern, hat der HEF jetzt eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Denn eine Stilllegung würde nicht nur die 135 Vereinsmitglieder schmerzen, sondern wohl auch viele andere Menschen. Die Sonderzug-Touren mit dem Dampfross erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie führen etwa nach Straßburg, Rüdesheim und Michelstadt. Oder ins nordhessische Borken, wie kürzlich zum Saisonauftakt. Fahrten, für die viele Anträge und Genehmigungen notwendig sind. Schließlich ist man auf dem öffentlichen Eisenbahnnetz unterwegs. Weil die Bahn immer mehr Strecken digitalisiert, dürfte das in Zukunft noch schwieriger werden. Denn diese Routen bleiben der Dampflok verschlossen. „Wir müssen um Finanzen und gegen die Regulierung kämpfen“, seufzt Faust.

Am Tag vor einer Tour mit dem schwarzen Koloss haben HEF-Mitglieder auf dem Betriebsgelände im Ostend alle Hände voll zu tun. 24 Stunden vorher beginnen sie mit dem Anheizen, um auf eine Betriebstemperatur von mehr als 1000 Grad zu kommen. Zwar könnte man die Prozedur beschleunigen. Aber, so der Zweite Vorsitzende, der alte Stahl dehne sich dabei aus, was wiederum Risse verursache: „Je langsamer wir anheizen, desto schonender ist es für das Material.“

Zehn bis zwölf Tonnen russische Steinkohle verschlingt die Lok auf der Hin- und Rückfahrt nach Borken, immerhin 330 Eisenbahn-Kilometer. Nicht nur für die Heizer, die die Kohle in den Kessel schaufeln müssen, eine Strapaze, sondern auch für die Lokführer. Denn während der Fahrt herrschen im Führerstand meist Temperaturen um die 60 Grad. Dennoch kommt Lokführer Dominik Eckardt ins Schwärmen, wenn er von der schwarzglänzenden Maschine erzählt, die zunächst für das Dresdner Bahnbetriebwerk Komotau rollte und später durch Österreich: „Man hört und sieht die Kraft, die sich entfaltet. Man merkt, wenn sie sich anstrengen muss. Das ist fast wie ein lebendiges Wesen.“

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