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Platz für neues Hotel

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Von: Boris Schlepper

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Seit Dienstag knabbert sich ein Bagger durchs alte Empfangsgebäude des Frankfurter Ostbahnhofs.
Seit Dienstag knabbert sich ein Bagger durchs alte Empfangsgebäude des Frankfurter Ostbahnhofs. © christoph boeckheler*

Der Ostbahnhof am Danziger Platz wird in den kommenden Monaten abgerissen. Ein Mosaik der Frankfurter Künstlerin Lina von Schauroth konnte zuvor für den Neubau gesichert werden.

Stück für Stück verschwindet der alte Ostbahnhof. Seit Anfang der Woche wird das marode ehemalige Empfangsgebäude am Danziger Platz von Baggern zerkleinert. In voraussichtlich zwei bis drei Monaten sollen die Abbrucharbeiten abgeschlossen sein. Auf der Fläche will die Hotelkette Premier Inn Deutschland ein neues Hotel errichten. Wann die Bauarbeiten dafür beginnen ist aber noch offen.

Bereits im Dezember sei mit dem Abriss begonnen worden, zunächst im Inneren des Gebäudes, teilt Mathias Schotten von Premier Inn Deutschland auf Anfrage mit. Der Flachbau aus den 50er Jahren ist nicht der einzige, der für den geplanten Neubau Platz machen muss. Auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Grundstück stehen auch eine alte Wartungshalle sowie ein leerstehendes Verwaltungsgebäude unweit der Unterführung. Der Zugang zu den Gleisen werde während des Abbruchs dauerhaft sichergestellt, sagt Schotten. Derzeit werden Fahrgäste über ausgeschilderte Umwege zu den Bahnsteigen geleitet. Einen Zugang werde es auch im geplanten Neubau geben.

Wann die Bauarbeiten an dem neuen Hotel beginnen, in dessen Erdgeschoss auch Platz für Einzelhandel entstehen kann, sei offen, sagt Schotten. Derzeit werde mit der Stadt Frankfurt über verschiedene Varianten gesprochen, ein Bauantrag sei noch nicht gestellt. Er gehe davon aus, dass im kommenden halben Jahr mit einem Ergebnis gerechnet werden könne.

Hinzu komme, dass auf dem Danziger Platz in naher Zukunft die Arbeiten für die nordmainische S-Bahn begännen, so Schotten. Dafür fänden auch in den nächsten Jahren stetige Abstimmungen mit der Deutschen Bahn statt. Diese plant auf dem Areal eine 19 Meter tiefe, offene Baugrube, in der die neue Station für die S-Bahnen nach Hanau entstehen sollen.

Bereits vor den Abbrucharbeiten hat ein Restaurator ein Kunstwerk aus der ehemaligen Gaststätte des Ostbahnhofs ausgebaut, berichtet Konservatorin Janine Sempf vom Frankfurter Denkmalamt. Seit 2008 hat die Behörde das Mosaik, das der 1970 verstorbenen Frankfurter Künstlerin und Kunsthandwerkerin Lina von Schauroth zugeordnet wird, unter Denkmalschutz gestellt. Von Schauroth habe etwa die Chorfenster der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg geschaffen und sei bekannt für Mosaiken mit Tiermotiven. Zwischen August und Oktober sei das Werk, das fünf springende Pferde zeigt, von einer Fachfirma aus der Wand herausgesägt worden, sagt Sempf.

Das etwa drei mal fünf Meter große Wandbild sei in mehrere große Stücke zerlegt worden, „damit es nicht kaputt geht“, so die Konservatorin. Die Pferde, die aus Glasmosaiken bestünden, seien nicht auseinandergenommen worden. Derzeit sei das Kunstwerk in einem Lager in Dillenburg untergebracht. Sobald das neue Hotel steht, soll das Mosaik dort eingebaut werden, „wo genau, ist noch offen“, sagt Sempf. Gewünscht sei ein Ort, „wo es sichtbar ist, sodass die Leute es sich auch anschauen können“. Denkbar wären etwa die Lobby oder die Rezeption.

Nach Ansicht von Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Frankfurt, braucht Frankfurt indes keine weiteren Hotels. Durch die derzeitige Krisensituation und Corona seien viele Häuser nicht voll ausgelastet. Einige der kleineren, privat geführten Hotels seien bereits dem Verdrängungswettbewerb zum Opfer gefallen. Wichtig sei es deshalb, dass die Stadt den Tourismus finanziell stärker fördere, „dass man die Kapazität auch benötigt“. Möglich sei dies etwa, in dem mehr Kongresse nach Frankfurt geholt würden. Auch müsste das Bahnhofsviertel aufgewertet werden, wo viele Reisende ankommen.

Die Idee, am Danziger Platz ein Hotel zu errichten, ist nicht neu. 2005 hat die Bahn das Grundstück an einen Projektentwickler verkauft, der dort ein Hotel oder Service-Apartments plante. Der Hamburger Projektentwickler Evoreal, der Vorgänger der Hotelkette Premier Inn, wollte 2019 einen achtstöckigen Neubau errichten, in dem ein Hotel und ein Parkhaus unterkommen sollten.

Das Mosaik der Künstlerin Lina von Schauroth aus dem alten Bahnhofslokal soll künftig im neuen Hotel zu sehen sein.
Das Mosaik der Künstlerin Lina von Schauroth aus dem alten Bahnhofslokal soll künftig im neuen Hotel zu sehen sein. © privat

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