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Die Stifterin und Fabrikantin starb 1943 in Theresienstadt. 

Geschichte

Ostend: Gedenken an ehemalige Naxos-Chefin

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Das Kulturamt möchte im Theater Willy Praml an Marie Eleonore Pfungst erinnern. Der Ortsbeirat unterstützt das Projekt mit 5000 Euro.

Der Ortsbeirat 4 möchte mit einer Gedenktafel an der Naxoshalle an die Frauenrechtlerin und Unternehmerin Marie Eleonore Pfungst erinnern. Die Stadtteilpolitiker stellen dafür, einem Antrag der Grünen folgend, 5000 Euro aus ihrem Budget zu Verfügung. Dafür hat sich das Gremium in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich ausgesprochen.

Das Kulturamt hat bereits erste Überlegungen angestellt und den Ortsbeirat gebeten, das Vorhaben mit dem Betrag zu unterstützen – da die finanziellen Mittel des Amts begrenzt seien. Ausgehend von der gesellschaftshistorischen Bedeutung von Marie Eleonore Pfungst sei eine hochwertige Tafel aus Bronze vorgesehen, sagt der stellvertretende Amtsleiter Johannes Promnitz auf Anfrage der FR.

Pfungst war eine Frankfurter Pionierin: Firmenchefin der Naxos-Union, Gründerin des Verbands der Frankfurter Frauenvereine und Stifterin der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung, die sich bis heute für Verfolgte und Notleidende einsetzt. 1942 wurde sie im Alter von 80 Jahren ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, weil sie Jüdin war. Dort starb sie nur wenige Monate später.

Ein Konzept für die finale Gedenkart und das Medium gebe es bislang noch nicht, so Promnitz. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sei es aber wichtig, „einen neuen und zeitgemäßen Weg des Gedenkens zu finden“. So gebe es beispielsweise erste Ideen, im Foyer der Naxoshalle, das als öffentlicher Raum wahrgenommen werde, „eine informative und zugleich gedenkende ortsspezifische Situation zu schaffen“.

Damit könnte eine „wirkungsvollere und umfänglichere Erinnerung geschaffen werden, als im flüchtigen abendlichen Vorbeigehen“.

Das Theater Willy Praml, das die Naxoshalle an der Waldschmidtstraße nutzt, habe die Geschichte der Familie Pfungst bereits selbst in einer Inszenierung thematisiert. Vor diesem Hintergrund habe es auch seine Bereitschaft zur Installation eines solchen Gedenkortes im Theaterfoyer erklärt, sagt der stellvertretende Amtsleiter.

Auch soll ein QR-Code angebracht werden, der auf www.frankfurt1933-1945.de verlinkt ist und digital vertiefte Informationen zur wechselvollen Geschichte der Naxos-Union bereitstellt. Die erste Kostenkalkulation basiere „auf der langjährigen Erfahrung des Kulturamtes im Bereich der Erinnerungskultur“, erklärt Johannes Promnitz.

Der Ortsbeirat, der auch die Idee für die Gedenktafel hatte, möchte über die weitere Gestaltung informiert werden, heißt es in der Vorlage. Das Gremium hatte länger über den Antrag diskutiert. Mehrere Fraktionen kritisierten, dass der Ortsbeirat Geld zur Verfügung stellen solle, ohne genau zu wissen, wofür. 5000 Euro sei für eine Gedenktafel viel, sagte Darius Shafiei (SPD). „Wir würden gerne wissen, was daraus wird.“ Das an die 1862 geborene Marie Eleonore Pfungst erinnert werden soll, stellte keiner der Stadtteilpolitiker in Frage.

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