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Johannes Obst, Paul Grabisch, Vivian Endisch-Kocyba und Barbara Weichler (von links).

Café Müller im Ostend

Nur die Dusche fehlt

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Für viele junge Menschen ist das Café Müller im Ostend ein Ersatzwohnzimmer.

Auf der Scheibe des Café Müller steht in großer Schrift: „Nur die Dusche fehlt!“ Doch hinter den Fenstern verbirgt sich auch kein normales Café, sondern viel mehr ein offener kultureller Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren. Und für viele der Besucher ist die Einrichtung an der Zobelstraße, die derzeit ihren 30. Geburtstag feiert, eine Art Ersatzwohnzimmer.

Die Einrichtung des Frankfurter Trägervereins Junularo setzt auf das Miteinander, sagt Geschäftsführerin Barbara Weichler. „Unsere Leitlinien sind Freiwilligkeit, Partizipation, Selbstorganisation, Eigenverantwortung und Demokratie.“ In diesem Sinn hat das Café nicht nur wochentags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, wenn die drei Hauptamtlichen zugegen sind. Dann können die Jugendlichen – vor allem von den umliegenden Schulen – entspannen, in der Küche kochen, lernen, spielen oder sich beraten lassen.

In den Abendstunden und am Wochenende übernimmt dann eine Gruppe von ehrenamtlichen Mitgliedern die Kontrolle. „Cafésatz“ nennt sich das Gremium, in dem derzeit 20 junge Erwachsene vertreten sind. Die sogenannten Cafésatzler, die volljährig sein und ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen müssen, bestimmen eigenständig, wie der Raum genutzt wird und welche Veranstaltungen stattfinden, sagt Sozialarbeiter Johannes Obst. Dazu gehören offene Thekenabende genauso wie Workshops, Lesungen, politische Seminare und einmal auch ein Austausch mit Israel. Derzeit werde an einem Theaterstück gearbeitet.

Vivian Endisch-Kocyba ist Teil des Cafésatz-Gremiums. Für sie ist das Café wie ein Wohnzimmer. „Hier kann man sich frei entfalten und machen, was man möchte“, sagt die 26-Jährige, die der Einrichtung seit zehn Jahren treu geblieben ist. Zeitweilig habe sie an der Zobelstraße mehr Zeit verbracht als zu Hause. Selbst während ihres Studiums in Marburg sei sie regelmäßig ins Ostend gekommen. Dabei schätze sie auch, dass sie sich selbst einbringen und Verantwortung übernehmen könne. Auch für Paul Grabisch hat die Einrichtung eine besondere Bedeutung. Obwohl er derzeit die neue gymnasiale Oberstufe in Bockenheim besucht, komme er regelmäßig in seinen Freistunden ins Ostend. „Hier ist es gemütlich, ich kann Karten spielen, mich ausruhen und mit fremden Leuten reden.“

Die Gründung des Café Müller war ein Versuch, die Arbeit der Katholischen Studierenden Jugend in Frankfurt wiederzubeleben, berichtet Barbara Weichler. Jugendlichen in einem Stadtteil mit vielen weiterführenden Schulen sollte ein nicht-kommerzieller Raum zur Verfügung gestellt werden, den sie weitgehend selbst organisieren, „Schüler_innentreffpunkt“ lautete der Name. Anfänglich habe sich neben der Stadt auch das Bistum an der Finanzierung beteiligt. Dessen Part hat inzwischen ebenfalls die Kommune übernommen. Wie das Café zu seinem Namen gekommen ist, liege im Dunkeln, sagt Weichler. Eine „Legende“ besage, dass es dort früher ein gleichnamiges Café gegeben habe, in dem ein Verzehrzwang herrschte.

Das Café Müller feiert seinen Geburtstag an drei Tagen. Am Samstag, 9. März, 17 Uhr, gibt es einen Sektempfang. Am 30. März, 18 Uhr, lädt die Einrichtung an der Zobelstraße 9 zum Offenen Thekenabend. Für den 25. Mai, 16.30 Uhr, ist eine offene Bühne mit Redebeiträgen, Live Musik und Kleinkunst geplant. Wer etwas aufführen möchte kann sich bis zum 5. Mai unter 30jahrecafemueller@junularo-ffm.de anmelden.

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