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Deutsche Bahn verdrängt Bienenparadies: Gärtner in Frankfurt müssen alten Platz räumen

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Von: Sabine Schramek

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Mitglieder von Bienen Baum Gut planen den Umzug des Neuen Frankfurter Gartens. Rainer Rüffer
Mitglieder von Bienen Baum Gut planen den Umzug des Neuen Frankfurter Gartens. Rainer Rüffer © Rainer Rüffer

Die Deutsche Bahn kommt und Bienen und Blumen müssen weichen. Der Gemeinschaftsgarten des Vereins Bienen-Baum-Gut in Frankfurt zieht schweren Herzens um.

Frankfurt – Neun Jahre lang gab es mitten auf dem Danziger Platz in Frankfurt Urban Gardening. Weil die Bahn hier baut, muss das Bienen- und Gartenparadies weichen. Das neue Zuhause wird etwa 500 Meter entfernt auf kleinerer Fläche in der Ostendstraße entstehen.

Schneeglöckchen, Narzisse, Krokusse, Obstbäume und Rosmarin blühen im Neuen Frankfurter Garten um die Wette. Dennoch ist die Stimmung leicht gereizt. Mitglieder des Vereins „Bienen-Baum-Gut“ betrachten nachdenklich die Holzbeete, Betonbeete, Container, Werkzeug, Bienenbeuten, Stühle, Tische und Bänke. 2018 haben sie den seit 2013 bestehenden Frankfurter Garten übernommen, der seither „Neuer Frankfurter Garten“ heißt.

Noch steht Deutschlands erster „Bienenbaum Wipfelpfad“ fest zwischen zwei mächtigen Bäumen. Es brummt und summt in der Sonne. „Was kommt mit, was kommt weg, was verkaufen wir, was verschenken wir?“, lauten die quälenden Fragen an die gut 20 Männer und Frauen, die wehmütig jedes Pflänzchen betrachten.

Werkstatt, Büro und Pflanzenbeete ziehen um: Die Deutsche Bahn will das Grundstück bebauen

Cher und Corina Haurova, die Vorsitzenden des Vereins, haben am Sonntag (06.03.2022) dazu eingeladen, gemeinsam zu überlegen, was von dem Idyll Platz am neuen Standort findet und was nicht. Der Rundgang fällt ihnen sichtlich schwer. Sechs 2,5-Tonnen-Container dienen hier als Werkstatt, Café, Büro und mehr. Tonnenschwere Hochbeete aus Holz und Beton stehen noch unter großen Platanen auf dem Danziger Platz.

Die Deutsche Bahn hat Anspruch auf das Grundstück angemeldet, um die Nordmainische S-Bahn nach Hanau zu bauen. Die Stadt hat dem Verein als Ersatz ein Grundstück in der Ostendstraße 8 zugesagt, auf dem kein Baum steht, weil dort die kürzlich abgerissene Umschlagswerk-Trafostation stand. Bagger und ein tiefes Loch zeugen davon. Das Grundstück ist deutlich kleiner als das jetzige. „Die Bienen dürfen länger bleiben, als der Rest“, so Cher Haurova. „Im Winter kann man sie nicht umsiedeln, weil sie es nicht überleben würden.“

Gärtner müssen mit weniger leben: Auf dem neuen Grundstück in Frankfurt ist weniger Platz

Die große Jurte, die mitten auf dem Platz stand, ist bereits verkauft. Ein Teil der Container wird keinen Platz mehr finden auf dem neuen Gelände, in dem es weiterhin eine vielfältige Urban-Gardening- Gemeinschaft geben wird, Schulungen, den Baumwipfelpfad und Veranstaltungen. „Noch ist das andere Grundstück nicht fertig“, sagen die Besucher. Sie schätzen, dass der Umzug bis auf die Bienenstöcke „irgendwann im April“ sein wird. „Die Fische im Teich holen wir vorher raus, damit ihnen nichts passiert. Dann setzen wir sie wieder rein“, schlägt eine Frau vor.

Alle nicken. „Die Rosen kommen auch mit. Und die Kräuter. Bäume könnten auch ausgegraben werden“, lauten die Vorschläge, die zwischen Verzweiflung, Freude und Hoffnung schwanken. „Und die Sonnenschirme. Wir haben ja keinen Schatten auf dem neuen Platz“, wird gefordert. Schnell wird festgestellt, was weggeworfen, was verschenkt werden soll. Einiges soll verkauft werden. Manche nehmen Blumentöpfe mit nach Hause, um dort Samen für den neuen Garten zu ziehen.

Preisgekrönter Verein in Frankfurt schöpft Hoffnung auf Neues

Neben Wehmut weht auch Optimismus mit. „Dort können wir auch direkt im Boden pflanzen, weil die Fläche nicht wie hier versiegelt ist. Das ist dann eine schöne Mischung aus Bodenbepflanzung und Hochbeeten“, so Cher Haudrova. 2018 wurde der Verein mit dem Bürgerpreis der Stadt Frankfurt und 2019 mit dem Preis für Biologische Vielfalt der UN-Dekade ausgezeichnet. Der Bienenbaum-Wipfelpfad gilt als eines der größten Projekte Hessens zum Schutz der Honigbienen. „Das wird es auch am neuen Standort geben.“

Der Verein sucht noch Freiwillige, die beim Umzug auf das neue Gelände helfen und Leute, die Spaß daran haben, zu gärtnern. Infos gibt es unter online. Wer helfen möchte, kann sich per Mail an info@bienen-baum-gut.de erkundigen. (Sabine Schramek)

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