Auch Theater wurde am Wochenende gespielt, alles zum Thema Treppen.

Ostend

Vom Keller bis zum Dachboden: „Step-Arts“ im Naxos-Atelier

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Der pädagogische Kunstverein „SpinnKultur“ hat sich mit der Treppe beschäftigt - und daraus ein buntes Programm am Wochenende gestaltet.

Die Treppe als Weg. Die Treppe als Barriere. Die Sieger-Treppe. Die Treppe als Sitzgelegenheit und das Treppenhaus als sozialer Ort. So banal es klingt, der pädagogische Kunstverein „SpinnKultur“ hat sich für sein jüngstes Projekt ein großes Thema gesucht: die Treppe. Am Wochenende wurde das Ergebnis aus mehrmonatigen Proben und Workshops unter dem Titel „Step-Arts“ im Naxos-Atelier im Ostend präsentiert.

„Ich bin fast 70“, erzählt Walter Schlüter. „Mein Lieblingsworkshop war Social Media. Ich hatte vorher nix mit diesen Plattformen zu tun.“ Jetzt hat er Facebook und Instagram für sich entdeckt. „Der Workshopleiter kam extra aus Köln. Er macht das beruflich und hatte viel Ahnung. Er hat die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kanäle toll erklärt.“ Ein ganzes Wochenende befassten sich die Teilnehmer damit und erstellten „Werbung“ für Treppen und Treppenhäuser.

Seit Januar wurden regelmäßig Wochenend-Workshops angeboten. Fotos davon waren im Treppenhaus der Naxoshalle ausgestellt: Digitale und selbst entwickelte analoge Fotos im Obergeschoss zeigten bekannte und weniger bekannte Frankfurter Treppen: Wendeltreppen, schmale Schleichwege, die Treppe im Apple-Store und das Treppenareal an der Hauptwache. Insgesamt 98 Personen haben an den Fortbildungen zu Performance und Bühnenbild, Theater sowie Tanz, Ton und Film teilgenommen.

„Wir verbinden Kunst und soziale Arbeit“, erklärt die Sozialarbeiterin India Nagler vom Verein „SpinnKultur“. Dass das Programm für wirklich alle offen ist, habe das Ergebnis entscheidend mitgeprägt. „Beim ersten Treffen haben wir uns über private Erfahrungen mit Treppen ausgetauscht. Da sind wir ganz schnell vom Treppenhaus zum Thema Wohnraum gekommen und haben auch gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass jeder ein eigenes Treppenhaus hat.“ Schnell sei eine politische Dimension dazu gekommen.

Finanziert wird der Verein vom Kulturamt Frankfurt. Um alle anzusprechen, werden Themen gewählt, zu denen jeder einen Bezug hat. „Beim letzten Projekt haben wir uns mit Toiletten beschäftigt“, sagt Nagel. Sie selbst interessiere vor allem die Kommunikation und die Regeln, die sich an solchen „Nicht-Orten“ einschleichen.

Das ist im Theaterstück „Stufe für Stufe“, bei dem sie gemeinsam mit ihrem Bruder Louis die Regie übernommen hat, zu spüren: Es geht um Leichen im Keller und Geschichten auf dem Dachboden. Um den Postboten und die aufgedrehte Immobilienmaklerin. Um aufdringliche Gespräche im Treppenhaus, während der andere doch nur schnell durchschleichen wollte. Und was geht eigentlich gerade in den Menschen vor, mit denen man 25 Etagen lang den Aufzug teilt?

„Ich habe zuletzt in der Schule Theater gespielt“, erzählt Benita Sensen im Anschluss. „Als ich den Aufruf im Internet gesehen habe, dachte ich: Ich probier’s mal wieder.“ Die Montagstreffen hätten so viel Spaß gemacht, dass sie beim nächsten Projekt sofort wieder dabei wäre.

Walter Schlüter hat nur mit aufgebaut. Während des Stücks macht er Videos und Fotos – für Social Media.

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