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Mädchen und Jungen der Uhlandschule haben im Schulgarten im Ostpark zwei Felder angelegt und Gemüse gesät und gepflanzt. Jetzt muss gemulcht werden.

Ostend

Kartoffeln zum Reinbeißen

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Uhlandschüler pflanzen und säen im reaktivierten Schulgarten im Ostpark. Langfristig könnte das Projekt auch in anderen Stadtteilen angesiedelt werden.

Shailyn freut sich am meisten auf die Kartoffeln. Die hat sie gemeinsam mit ihrer Klassenkameradin Adelina ins Beet gesetzt. „Wenn die fertig sind, würde ich am liebsten eine nehmen und reinbeißen“, sagt die Neunjährige, die die 3c an der Uhlandschule besucht. Dass man die Knollen besser nicht roh essen sollte, weiß sie. Auch, dass sie erst im Herbst geerntet werden können. Die beiden kennen sich aus mit Möhren, Kohlrabi und Co, da ihre Großeltern Gärten haben.

Doch so geht es nicht allen Kindern in Frankfurt. Die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hat deshalb am Montag zur offiziellen Eröffnung des sogenannten Schulgartens im Ostpark eingeladen. Dort hat der Arbeitskreis Ernährungsbildung des Frankfurter Ernährungsrats mit Hilfe des Grünflächenamts den ehemaligen Hauptschulgarten reaktiviert (die FR berichtete).

„Manche Schulen haben keine Flächen, um einen Garten anzulegen“, sagt Stadträtin Heilig. Die sollen im Schulgarten aktiv werden können, damit Kinder lernen, woher unsere Nahrung kommt.“ Wer eigenständig Obst und Gemüse anbaut, weiß es mehr zu schätzen, so die Überlegung. Deswegen werde nicht nur angebaut, sondern die Ernte auch anschließend zubereitet. Wichtig sei es, bei den Kindern anzufangen, damit diese ihr Wissen als Multiplikatoren an Erwachsene weitergeben.

In Deutschland gibt es zwölf Ernährungsräte, die für den Konsum guter Lebensmittel eintreten – vor allem aus regionaler und saisonaler Produktion. Die Frankfurter Gruppe wurde 2017 gegründet. Schirmherrin ist Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). 

Gegärtnert wird im Schulgarten im Ostpark nach dem Konzept des Vereins Gemüse Ackerdemie, der praktischen Gemüseanbau an Schulen bringt.

Kontakt: ernaehrungsrat-frankfurt.de

Bislang sind in dem Garten nur zwei dritte Klassen der Uhlandschule zugange. Doch spätestens nach den Sommerferien sollen weitere folgen, sagt Bärbel Praetorius vom Ernährungsrat. Platz gibt es auf dem Gelände ausreichend. Mehrere Grundschulen in der Umgebung hätten bereits Interesse bekundet. Finanziert wird das Projekt über das Land Hessen, die Stadt und die Umweltstiftung der Fraport. 34 000 Euro stünden dem Verein dadurch zur Verfügung. Bezahlt werden darüber vor allem eine Gärtnerin und eine Naturpädagogin, die die Lehrer unterstützen. Langfristig werde jedoch mehr Geld benötigt, so Praetorius.

Robert Lange, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Stadtverordnetenfraktion, regte an, das Schulgarten-Konzept auch in anderen Stadtteilen in Frankfurt anzusiedeln. Sinnvoll sei es, dieses einheitlich über die Stadtverordnetenversammlung zu finanzieren, damit es nicht jeder Ortsbeirat einzeln angehen müsse. Außer städtischen Flächen sind nach Ansicht der Umweltdezernentin Heilig auch Kleingärten und Ackerflächen denkbar, auf denen die Grundschüler pflanzen und gießen können.

In der Uhlandschule ist das Projekt im Unterricht verortet, „zwischen Werken und Sachkunde“, sagt Lehrerin Barbara Caspari von der 3c. Die Kinder haben die Beete hergerichtet, in Ackerstunden wird gejätet und gemulcht. „Manchmal haben auch zwei, drei Mütter mitgeholfen“. An anderen Tagen wieder wird gepflanzt und gesät. Die Liste ist lang, was die Mädchen unter die Erde gebracht haben: vom Kürbis bis Weißkohl. Einige Pflanzen hätten die Kinder nicht gekannt, sagt Caspari. „Mangold und Fenchel etwa waren den meisten fremd.“ Häufig hätten die Kinder auch unmittelbar nach der Aussaat gefragt, wann denn die Ernte anstehe.

Nicht so Adelina und Shailyn. Sie mögen es sehr, im Garten zu arbeiten. Enttäuscht sind sie nur, dass sie ihre Ernte nicht alleine genießen können: „Als wir letztens kamen, war alles abgefressen“, erzählt Adelina. Zunächst hatten sie Vögel im Verdacht und hängten Plastikfetzen auf, um sie zu verscheuchen. Doch dann fanden sie neue Indizien: „Das waren Hasenknödel, die den Mangold gefressen haben!“

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