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Der Künstler auf dem Paul-Arnsberg-Platz.

Ostend

Ein Kamel für den Arnsberg-Platz

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Künstler Manfred Stumpf plant Skulptur für Areal an Europäischer Zentralbank

Ein lebensgroßes Kamel und eine überdimensionierte Nähnadel könnten in Zukunft den Paul-Arnsberg-Platz schmücken. Der Künstler Manfred Stumpf möchte auf dem dreieckigen Areal gegenüber der Europäischen Zentralbank die Installation „Das Kamel im Nadelöhr“ aufstellen. Das Werk könnte im Rahmen der geplanten Umgestaltung installiert werden.

23 Meter hoch soll die Nadel aus Aluminium über die umliegenden Häuser hinausragen und so schon von weitem auf das Areal hinweisen. Davor wird das drei Meter große Kamel aus Bronze platziert. Nach dem Wunsch des Künstlers, der in Frankfurt etwa die Esel-Mosaiken der U-Bahn-Station Habsburgerallee gestaltet hat, soll das Werk so aufgebaut werden, dass möglichst viele Menschen auf ihrem Weg über den Platz zur S-Bahnstation Ostendstraße durch das Öhr laufen. „Dadurch würde der Platz belebt.“

Dieser habe eine Aufwertung nötig, sagt der Konzeptkünstler, der sich auch in der Paul-Arnsberg-Platz-Initiative engagiert, die die Fläche lebenswerter und grüner gestalten will. Doch sollte es nicht nur mehr Natur geben, „sondern auch mehr Kultur“. Schließlich sei das Areal durch seine Lage zwischen fünf zum Teil international genutzte Schulen mehr als nur ein einfacher Quartiersplatz. Die nahe EZB stehe für eine geldorientierte Welt. Passend für Stumpfs Skulptur.

Großplastik bezieht sich auf Bibelzitat

Die Großplastik bezieht sich auf das Bibelzitat „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“. Der Künstler will damit „die europäische Tradition der Selbstkritik als konstruktiven Mehrwert“ plastisch darstellen. Von daher sei sein Werk nicht nur religiös zu sehen. Die Selbstkritik sei ein praktischer Wert, „der einen anderen Blick auf Dinge erlaubt“.

Nadel und Kamel lassen viele Deutungen zu. So stehe das Tier etwa nicht nur für den Nahen Osten, sondern könne als Wüstentier Klimaschwankungen verkraften – passend für einen Platz, der sich im Sommer extrem aufheizt. Die Nadel sieht Stumpf auch als Keim, weshalb er sie organisch gestalten will.

Der Kunstprofessor an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung rechnet mit Kosten von 600 000 Euro. Ihm schwebt eine Mischfinanzierung vor. Der größte Teil komme über die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die katholische Kirche, da das Kunstwerk „eine wichtige Rolle“ beim Ökumenischen Kirchentag spielen soll, der 2021 in Frankfurt stattfindet. Geld sammelt er auch mit einer Art Aktie, auf der das Modell zu sehen ist – und die er für 1000 Euro verkauft.

Das Kulturamt unterstützt Stumpfs Idee, sagt Jana Kremin vom Kulturdezernat. Das Werk füge sich „hervorragend in die städtebauliche Umgebung ein“. Das Amt werde sich nicht finanziell beteiligen, könne aber bei der Planung und der Umsetzung helfen. Die Entscheidung liege jedoch beim Ortsbeirat 4. Dieser stellt sie zurück. In der jüngsten Sitzung hatten Stadtteilpolitiker gesagt, dass sich zunächst die Arnsberg-Platz-Initiative äußern solle.

Noch haben sich die Mitglieder nicht entschieden, sagt deren Sprecherin Gudrun Schmidt. „Wir wollen gerne ein Kunstwerk dort. Aber welches, ist noch offen.“ Wichtiger sei der Gruppe, dass der Platz mehr Grün erhält.

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