Daniela Wehrstein, Kinderbeauftragte für das Frankfurter Ostend, auf dem Schulhof der Uhlandschule.
+
Daniela Wehrstein, Kinderbeauftragte für das Frankfurter Ostend, auf dem Schulhof der Uhlandschule.

Ostend

„Ich will Kindern eine Stimme geben“

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
    schließen

Die neue Kinderbeauftragte für das Ostend, Daniela Wehrstein, kennt sich mit Generationenkonflikten aus. Sie plant etwa eine Kindersprechstunde, in der Heranwachsende ihre Wünsche äußern können.

Frau Wehrstein, seit Mitte Mai sind Sie die neue Kinderbeauftragte für das Ostend. Sie haben sich aber bereits vorher für die Kinder im Stadtteil engagiert?

Ja. Mich für Kinder einzusetzen, ist mir schon lange ein Anliegen. Seit meine Kinder in der Krippe waren, bin ich als Elternbeirätin aktiv. Dadurch bin ich auch mit den Strukturen vertraut.

Sie waren zudem Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der städtischen Kinderzentren in Frankfurt und haben für die Landesarbeitsgemeinschaft KitaEltern Hessen einen Leitfaden für Elternbeteiligung in hessischen Kitas geschrieben.

Ich finde es wichtig, etwas aktiv zu bewegen. Das gilt für mich im Job wie im Ehrenamt.

Als Elternbeiratsvorsitzende an der Uhlandschule haben Sie sich in den vergangenen Jahren in der Debatte um die Nutzung des Schulhofs eingesetzt. Die Grundschule teilt sich das Gelände mit einer Kita und der Abend-, Haupt- und Realschule?

Genau, der Pausenhof wird auch von vielen Menschen im Ostend als Durchgangspassage genutzt. Da ist es schwierig zu klären, wer gehört zur Schulgemeinde und wer nicht. Ich habe einen Runden Tisch ins Leben gerufen, um die unterschiedlichen Forderungen und Bedürfnisse zu klären und gemeinsam mit allen Beteiligten eine tragfähige Lösung zu entwickeln. Die Ergebnisse werden nun nach und nach umgesetzt.

Ihr Vorgänger Leopold Born hat mit Ihnen zusammengearbeitet. Er hat Sie nach seinem Ausscheiden dem Ortsbeirat 4 als Kinderbeauftragte vorgeschlagen.

Ja. Ich finde es wichtig, Familien und Kindern eine Stimme zu geben. Das möchte ich jetzt auch in meiner Aufgabe als Kinderbeauftragte umsetzen. Ich selbst bin in einer Großfamilie aufgewachsen – wie früher, drei Generationen in einem kleinen Dorf, alle nur wenige Schritte voneinander entfernt. Ich weiß um die Konflikte zwischen Eltern, Großeltern und Kindern. Und ich habe die Bereicherung erlebt, die die unterschiedlichen Generationen füreinander sein können.

Zur Person

Daniela Wehrstein (42 Jahre) ist seit Mitte Mai Kinderbeauftragte für das Ostend. Der Ortsbeirtat 4 hat sie im Oktober gewählt. Wehrstein ist im Großraum Stuttgart aufgewachsen und lebt seit 2010 in Frankfurt. Sie ist Mutter von einem Sohn und einer Tochter und arbeitet als selbstständige Referentin in der Erwachsenenbildung. bos

Kontakt per Telefon 0163 / 23 51 59, oder per Mail. Die Adresse lautet: ostend@kinderbeauftragte-frankfurt.de

Vor zehn Jahren sind Sie nach Frankfurt gezogen. Wie gut kennen Sie das Ostend jetzt?

Ich möchte das Ostend jetzt aus einer neuen Perspektive kennenlernen. Dafür muss ich noch manches dazu lernen. Wichtig ist es daher für mich, mit den Kindern vor Ort ins Gespräch zu kommen. Ich will wissen, wie sie ihren Stadtteil sehen, was ihnen fehlt und welche Ideen sie haben.

Sie planen eine Kindersprechstunde?

Für mich ist es entscheidend, hinzuhören. Oft spricht man über Kinder, bezieht sie aber nicht mit ein. Dabei ist Partizipation wichtig, damit sie ihre eigenen Ideen einbringen und bei der Umsetzung helfen können. Viele Projekte können Kinder selbst anstoßen.

Sie wohnen in der Nähe des Zoos. Das Ostend hat aber ganz unterschiedliche Quartiere, vom gewachsenen Wohnviertel über ein von Industrie geprägtes bis hin zum Neubaugebiet, wo sich kaum jemand kennt. Wie wollen Sie sich dem nähern?

Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit sollen sich alle Kinder einbringen können, egal aus welchem Elternhaus sie kommen. Es gibt Unterschiede und Spannungen, doch man kann Gruppen miteinander ins Gespräch bringen. Ich verstehe meine Aufgabe als Kinderbeauftragte auch als Multiplikatorin, damit möglichst viele Kinder das nutzen können, was es in Frankfurt gibt – denn das ist nicht wenig. Nur können noch nicht alle davon profitieren.

Im kommenden März findet die Kommunalwahl statt. Auch Ihr Amt steht dann wieder zur Wahl. Möchten Sie weitermachen?

Auf jeden Fall. Es braucht mindestens ein Jahr, um sich einzuarbeiten und etwas aufzubauen. Das geht nicht von jetzt auf gleich.

Interview: Boris Schlepper

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare