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Hanke Wilsmann zeigt eine ihrer „Klappmaulerfiguren“.
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Hanke Wilsmann zeigt eine ihrer „Klappmaulerfiguren“.

Ostend

Hinter jeder Ateliertür eine andere Welt

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Eine Werkschau in den „Open Studios“ in der Schwedlerstraße im Ostend zeigt eine Installation mit 3000 Jahre alten Scherben aus dem Iran.

Musik und Stimmengewirr dringen aus dem Innenhof nur gedämpft herauf. Vom oberen Teil einer der beiden Wendeltreppen an der Außenmauer des Ateliers Frankfurt sind am Samstag in der Abenddämmerung einige erleuchtete Fenster zu sehen, hinter denen Künstlerinnen und Künstler bei den „Open Studios“ ihre Werke und Werkstätten zeigen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie sind in dem weitläufigen ehemaligen Lagerhaus an der Schwedlerstraße im Ostend nur etwa die Hälfte von 140 Ateliers geöffnet.

Über die 2G-Regel sowie drei Euro am Eingang erhält das Publikum Zutritt. Maske tragen trotzdem alle. Zu sehen gibt es hinter teils verwinkelten Mauern auf sechs Etagen immer noch eine ganze Menge, darunter Fotografie, Malerei, Skulpturen, Mode und Design.

Genau genommen sind mit einem bespielten Keller sowie Tiefkeller noch zwei weitere Stockwerke Teil der Werkschau. In einem hell erleuchteten und teils gekachelten Raum im Untergeschoss hat Künstlerin Kathi Kæppel ihre Skulpturen, Drucke und Zeichnungen ausgestellt.

Begleitet von düsteren Klängen aus kleinen Boxen führt der Weg noch eine Treppe tiefer hinab zu Jörg Ahrnts Installation „Eisenzeit“. Sie besteht aus Scherben, die der 65-jährige Künstler von einer seiner jährlichen Iranreisen mitgebracht hat, wie er berichtet. „Es sind 3000 Jahre alte Scherben, die Archäologen bei Ausgrabungen nicht mehr gebraucht haben und die ich, nach Absprache mit dem Denkmalschutzbeauftragten, mitgenommen habe“, erzählt Ahrnt, der mit einer Iranerin verheiratet ist. Er freue sich über die Resonanz des Publikums, mit Begegnung und Austausch, trotz Corona, bekräftigt er.

Währenddessen gluckert Wasser durch eines der zahlreichen Rohre an den weiß gestrichenen Wänden entlang. Der Keller stehe manchmal unter Wasser, biete sich aber als Ausstellungsfläche für die Scherben an, die ebenfalls unter der Erdoberfläche gelegen hätten, berichtet Ahrnt, der in einer oberen Etage seine Werkstatt hat. Er sei bereits Mieter des Ateliers Frankfurt gewesen, als es noch in der Hohenstaufenstraße untergebracht gewesen sei.

Ahrnts Mutter Inge zeigt als Gastkünstlerin im obersten Stock des Ateliers von Sabine Kuehnle ihre Stelen aus Keramik, die „Naturverbundenheit, Zartheit und Zerbrechlichkeit“ symbolisierten. Die 83-jährige Groß-Bieberauerin sagt: „Ich habe seit Jahren nicht mehr ausgestellt, aber es hat thematisch gut gepasst.“ Zwei Etagen tiefer sitzt Hanke Wilsmann hinter einer offenen Zimmertür auf einer alten Couch aus den 1960er oder 70er Jahren. Auch die Fenster sind weit geöffnet. Als ein Besucher zaghaft den Kopf hereinsteckt, sagt sie „Herzlich willkommen“ und führt ihn zu einem kleinen Flachbildschirm, auf dem die Werke von ihr und ihrem Künstlerpartner Jost von Harleßem während einer Theatervorstellung zu sehen sind.

Das Duo fertige aus Schaumstoff, Krepp, Kunstleder, Ton und Latex „Klappmaulfiguren“, die sie für Theaterinszenierungen und „Livefilmprojekte“ schüfen. Modelle dieser Köpfe hat Wilsmann auf einer Werkbank neben dem Bildschirm drapiert. „Es ist ein wahnsinnig schöner Moment, Laufpublikum hier reinzubekommen“, sagt die 34-Jährige, die in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft studiert hat. Außerdem sei die Öffnung der Studios an dem Wochenende eine gute Gelegenheit, Arbeiten, die in der Corona-Zeit entstanden seien, zu zeigen.

Mit zaghaften Schritten nähern sich Schaulustige an diesem Abend auch den anderen offenen Zimmertüren, hinter denen sich kontrastreiche Kunstwerke verbergen und ihre Macherinnen und Macher auf den kunstinteressierten Besuch warten.

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