Gerd Kindleben will sein Amt aufgeben.

Frankfurt-Ostend

Vorsitzender des Frankfurter Turnvereins 1860 geht

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Der Vorsitzende des Frankfurter Turnvereins (FTV) 1860, Gerd Kindleben will nicht mehr kandidieren.

Anfangs war Gerd Kindleben sicher nicht immer gern gesehen beim Frankfurter Turnverein 1860. Denn in seiner Jugend ist der 70-Jährige keineswegs nur beim Kinderturnen an der Pfingstweidstraße zugegen gewesen. Seine Familie wohnte damals in der Königswarterstraße, auf der Rückseite des Sportzentrums. „Da sind wir oft in den Hof, dann schnell über die Mauer rüber, wenn keiner gekuckt hat“, erinnert er sich. Ein Hausmeister hatte das ehemalige Außengelände im Blick, auf dem die Leichtathleten trainierten und Kindleben und seine Freund gerne spielten: „Wenn der uns erwischt hat, gab’s ein Donnerwetter.“

Hätte der Hausmeister gewusst, dass der Junge Jahrzehnte später einmal das Ruder des Vereins übernimmt, hätte er ihn vielleicht gewähren lassen. Doch auch so ließ sich Kindleben nicht davon abhalten, dem Verein von Anfang der 50er Jahre bis heute treu zu bleiben – und das nicht nur als Mitglied.

Bereits vor seiner Zeit als Erster Vorsitzender war Kindleben etwa als Abteilungsleiter und Schatzmeister tätig. In der Jahreshauptversammlung am morgigen Donnerstag, 11. April, wird er seine Aufgabe im geschäftsführenden Vorstand abgeben. „Ich habe meine bürgerlichen Pflichten erfüllt. Ich darf aufhören“, sagt Kindleben, der von 1974 bis 1981 als Stadtverordneter für die FDP im Römer saß.

Mitglied beim FTV zu sein hat in seiner Familie Tradition. Sein Vater war von Anfang an dabei, sein Großvater Linienrichter in der Fußballabteilung. Gerd Kindleben selbst hielt es anfangs nicht lange aus. Die Turnlehrerin habe die Kinder nach Größe in Anfänger und Fortgeschrittene eingeteilt. Als „abgebrochener Riese“ sei er stets bei den Kleinen gelandet und habe sich gelangweilt. 1964 trat er dem Verein wieder bei – in die Tischtennisabteilung, wo er bis heute spielt.

2009 wurde Kindleben zum Vorsitzenden ernannt. Vorausgegangen war der Wahl eine Art Putsch, sagt der promovierte Nuklearphysiker. Viele Mitglieder und Ehrenamtliche hätten damals den Umgangsstil des Vorstands kritisiert. Vor Gericht erstritten sie, dass sie eine Versammlung einberufen durften. Bei der Wahl schließlich hätten sich ein Drittel aller Mitglieder eingefunden und einen kompletten neuen Vorstand ernannt – mit Kindleben an der Spitze. Einerseits sei das ein Vorteil gewesen. „Wir konnten einen echten Neustart machen.“ Anderseits habe fast keiner Erfahrungen mitgebracht. Zusätzlich habe das Team die 150-Jahr-Feier des FTV organisieren müssen, die wenige Monate später stattfand.

Trotz Anfangsschwierigkeiten konnte Kindleben in seiner Amtszeit mehrere Projekte ins Leben rufen, auf die er stolz ist. Etwa die Gründung der FTV 1860-Stiftung, in die er Teile seines Privatvermögens einzahlte, und die vor allem die Kinder- und Jugendarbeit des Vereins unterstützt. Ein Vorzeigeprojekt ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Ravensteinzentrums, über die der Verein künftig große Teile seines Stroms selbst erzeugen kann. Auch, dass er, um Energie zu sparen, die Heizung modernisieren und eine Wärmedämmung anbringen ließ.

Alles konnte Kindleben nicht verwirklichen. Auf einem DIN-A 4-Zettel hat er notiert, was es noch zu tun gibt. Die Schließanlage etwa soll modernisiert werden. Die Beleuchtung auf LED umgestellt werden. Auch den Umbau des Übungsraums der Fechter, der für eine offizielle Kampfbahn zu kurz ist, hat er nur angestoßen. Wenn Kindleben aus dem Vorstand ausscheidet, wird er das Projekt weiterbetreuen. Das hat er bereits mit seinem designierten Nachfolger besprochen: Bodo Pfaff-Greiffenhagen, der für die CDU im Ortsbeirat 4 sitzt, soll den Posten übernehmen.

Langeweile wird Gerd Kindleben ohne Posten beim FTV keine haben. Er wolle sich seinem Hobby, dem Reisen widmen. „Es gibt da noch ein paar weiße Stellen auf der Welt.“ Im Herbst etwa gehe es nach Neuseeland.

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