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Hilfebedürftige Menschen aus dem Ostend müssen künftig nicht mehr in das Sozialrathaus in der Eulengasse in Bornheim, sondern in die Enkheimer Voltenseestraße. 

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Frankfurt-Ost: Für die Sozialhilfe nach Enkheim

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Das Sozialrathaus ändert die Zuständigkeiten für das Ostend. Hilfebedürftige Menschen aus dem Stadtteil müssen künftig nicht mehr in die Eulengasse nach Bornheim, sondern in die Enkheimer Voltenseestraße - was Sozialbezirksvorsteherin Hannelore Mees als „Zumutung“ kritisiert.

Das Sozialrathaus Ost ändert seine Zuständigkeiten. Bürger aus dem Ostend müssen ab Mitte Februar nicht mehr an den Bornheimer Standort in der Eulengasse fahren, sondern in die Dependance in der Voltenseestraße in Enkheim. Betroffen davon sind rund 650 Personen, die Anspruch auf Sozialhilfe haben. Insgesamt umfasst das Einzugsgebiet der Einrichtung 4500 hilfebedürftige Menschen.

Hintergrund ist das Bundesteilhabegesetz, das für Menschen mit Behinderungen Verbesserungen vorsieht. Über dieses hat das Sozialrathaus Ost inzwischen etwa 300 neue Fälle vom Landeswohlfahrtsverband zu bearbeiten, für die es zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt bekommen hat, sagt der stellvertretende Leiter der Einrichtung, Andreas Koch. „Dafür ist eine Erweiterung und Umstrukturierung nötig gewesen.“ Der Bornheimer Standort sei bereits am Limit, dort hätten keine weiteren Mitarbeiter Platz gefunden. In Bergen Enkheim dagegen hätte direkt neben der Außenstelle ein zusätzliches Stockwerk in einem Nachbargebäude angemietet werden können. Beide Gebäude seien vom Eigentümer mit einer Brücke verbunden worden.

Darüber hinaus war die Dependance in Enkheim bislang relativ klein, so Koch. Nur 60 Mitarbeiter waren an der Voltenseestraße für alle Bereiche zuständig. Durch Vakanzen, Urlaub und Krankheit sei der Standort personell immer wieder an Grenzen gestoßen. Vor allem im Bereich Soziale Hilfen hätten häufiger Kollegen aus der Eulengasse einspringen müssen. Das soll sich ändern. In Bornheim und in Enkheim werden Teams aufgebaut, die sämtliche Beratungen eigenständig leisten können.

Das Sozialrathaus habe geprüft, wie die Zuständigkeiten „zumutbar“ verteilt werden können, sagt Koch, dass die Menschen in den betroffenen Stadtteile ihre Anlaufstelle „gleich gut oder gleich schlecht“ erreichen können.

Sozialrathaus Ost

Das Bornheimer Sozialrathausgibt es seit 1964; 2005 wurden die Rathäuser Obermain und Bornheim fusioniert. Zwei Jahre später ging der Standort in der Eulengasse nach Umbau in Betrieb, wo es derzeit 112 Arbeitsplätze gibt.

Bergen-Enkheimwurde dem Sozialrathaus Ost 2015 hinzugefügt. „Ziel war, das kleine Rathaus dort zu stärken“, sagt der stellvertretende Leiter Andreas Koch. Durch den Grenzänderungsvertrag ist eine Sozialstation im östlichsten Stadtteil festgeschrieben.

Insgesamtarbeiten im Sozialrathaus Ost derzeit 180 Mitarbeiter. Es ist das größte von stadtweit sieben Einrichtungen. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Bergen-Enkheim bis zur Alten Oper. Insgesamt leben dort etwa 170 000 Menschen. 

Unzumutbare Belastung

Schließlich sei die Wahl auf das Ostend gefallen, das durch die U-Bahnlinie 7 relativ gut an Enkheim angebunden sei. Im Gespräch war die Innenstadt, „doch für die wäre es ungleich weiter gewesen“. Auch von den Fallzahlen habe sich das Ostend angeboten. „Wir wollten so wenig wie möglich verschieben.“ Und Klienten aus Bergen oder Fechenheim-Süd seien fast so lange unterwegs.

Zudem müssten die Menschen nicht immer nach Enkheim. An beiden Standorten gebe es eine sogenannte Beratungsstelle Soziale Hilfen, so Koch. Dort könnten alle Klienten aus dem gesamten Einzugsbereich des Sozialrathauses Ost für kleinere Beratungsdienste ohne Termin vorsprechen. Auch Unterlagen können dort abgegeben werden, die, so nötig, an den jeweiligen Sachbearbeiter weitergeleitet werden. Und wer dennoch lieber in Bornheim beraten werden möchte, für den könnten notfalls auch Kollegen mit den Akten aus Enkheim kommen, „so flexibel sind wir“.

Sozialbezirksvorsteherin Hannelore Mees lehnt die Änderung dennoch ab. Dass Menschen, die etwa an der Hanauer Landstraße lebten, künftig bis nach Enkheim fahren müssten, sei „eine Zumutung. Die meisten sind älter und gebrechlich.“ Viele hätten zudem nur die Grundsicherung, sie könnten sich ein Bahn-Ticket nicht leisten, „da verfällt viel Geld“. Mees bezweifelt auch, dass die Mitarbeiter im Sozialrathaus Ost sich die Mühe machten, und samt Akten von Enkheim nach Bornheim fahren. „Das läuft allenfalls ein Viertel Jahr lang, um die Menschen zu beruhigen.“

Am 11. Februar sollen die notwendigen Umzüge der Mitarbeiter stattfinden, ein Informationsschreiben an die Klienten wird im Laufe des Februars versandt.

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