Das historische Fabrikgebäude ist heute Raum für Theater-, Kino- und andere Kulturveranstaltungen.  
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Das historische Fabrikgebäude ist heute Raum für Theater-, Kino- und andere Kulturveranstaltungen.  

Kultur

Frankfurt: Naxoshalle scheint gerettet

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Stadt Frankfurt stellt 500.000 Euro für den Umbau der Naxoshalle im Ostend zur Verfügung. Architekt D. W. Dreysse hat den Auftrag, die Mängel im Gebäude zu beseitigen.

Die Naxoshalle im Frankfurter Ostend, 1906 als Fabrikationsstätte für Schleifmittel errichtet, ist für die freie Kulturszene ein wichtiger Fixpunkt. Nicht nur das Naxos-Theater mit Prinzipal Willy Praml nutzt das frühere Industriegebäude als Spielstätte. Im kleinen „Studio-Naxos“ gastieren viele junge Schauspielensembles, es gibt Konzerte und das Naxos-Kino zeigt ausgewählte Dokumentarfilme. Das Jahr 2020 soll für dieses kulturelle Zentrum im Besitz der Stadt wichtige Fortschritte bringen. Die Stadt stellt 500.000 Euro zur Verfügung, um alle notwendigen Umbauten vorzunehmen, die Brandschützer und Bauaufsicht verlangt hatten.

Der Betrieb für das Kulturzentrum wird also auf Dauer gesichert. Im November 2018 schien die Perspektive für den Industriebau, der seit 1992 unter Denkmalschutz steht, alles andere als gut. Nach einer Brandschau hatten die Fachleute der Berufsfeuerwehr und der städtischen Bauaufsichtsbehörde Alarm geschlagen. Sie entdeckten zahlreiche Einbauten, für die Theaterdirektor Praml keine Genehmigung bei der Stadt eingeholt hatte. Das galt etwa für die zweite kleine Bühne im Gebäude, das „Studio-Naxos“, mit einem Zuschauerraum für etwa 60 Menschen. Auch eine Zwischendecke im Foyer war unerlaubt eingezogen worden, um im Winter die hohe Halle besser beheizen zu können. Außerdem kritisierten die Brandschützer zahlreiche Brandlasten im Gebäude – verbotene Einlagerungen von Materialien, die hätten Feuer fangen können.

Damals, Ende 2018, war die Schließung des Theaters und des Kulturzentrums insgesamt möglich. Das ist jetzt alles vom Tisch. Der Architekt D. W. Dreysse, der mit der Halle seit Jahrzehnten vertraut ist und im Auftrag der Stadt den Umbau plant, sagt im Gespräch mit der FR: „Die Stimmung ist gut.“ Sowohl Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der als Pate für das Naxos-Theater auftritt, wie auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU) hätten sich engagiert.

Seit einem Jahr verfügt Theaterdirektor Willy Praml über einen offiziellen Mietvertrag mit der Stadt. 3000 Euro muss er im Monat an die Kommune zahlen. Ursprünglich weit höhere Forderungen des städtischen Amts für Bauen und Immobilien (ABI) wurden zurückgezogen.

Ständig untervermieten

Dennoch muss Praml kontinuierliche Untermieteinnahmen erzielen, um seine Hauptmiete bezahlen zu können. Deshalb sind die 2020 vorgesehenen Umbauten für ihn dringlich. „Wir beheben alle Mängel, die Feuerwehr und Bauaufsicht kritisiert hatten“, sagt Architekt Dreysse. Durch Brandschutzvorkehrungen soll jetzt die zweite kleine Bühne, das Studio-Naxos, legalisiert werden. Entrauchungsklappen entlüften künftig die Halle nach oben. Über dem Foyer wird in Zukunft eine flexible Plane, wahrscheinlich aus Glasfasern, gespannt. Sie ermöglicht es, im Winter die Wärme zu halten und gleichzeitig bei einem Brand das Foyer zu entrauchen.

Für die zahlreichen, überall in der Halle verstreuten Theaterutensilien werden im Obergeschoss auf der Galerie feste, abgeschlossene Lagerräume geschaffen.

Ein zweiter wichtiger Schritt steht noch aus. Das Kulturzentrum braucht einen Schallschutz gegenüber den Wohnhäusern in der Umgebung. An sämtlichen Fenstern der historischen Halle müssten deshalb die Gläser ausgetauscht werden, so Architekt Dreysse. Einige stammten noch aus der Bauzeit 1907, die anderen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. 1944 war das Produktionsgebäude bei Bombenangriffen schwer beschädigt worden.

Die Kosten für diesen zweiten großen Bauabschnitt beziffert Dreysse auf mindestens zwei Millionen Euro. „Dabei bleiben die historischen Metallrahmen der Fenster erhalten und nur die Gläser werden durch dickere ersetzt.“ Das Geld für den Schallschutz hat die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen im städtischen Haushalt freilich noch nicht bereitgestellt.

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