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Zoodirektor und Autor, Bernhard Grzimek übernahm den Tiergarten nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Archiv
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Zoodirektor und Autor, Bernhard Grzimek übernahm den Tiergarten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zoo Frankfurt

Frankfurt: Nazi-Vorwürfe gegen ehemaligen Zoo-Direktor Bernhard Grzimek

  • Boris Schlepper
    VonBoris Schlepper
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Die Gruppe Aktiv gegen Speziesismus bezeichnet den bekannten Tierschützer als Nazifunktionär und will eine die nach ihm benannte Straße in Frankfurt umbenennen.

Frankfurt am Main - Die Historie des Frankfurter Zoos und seines ehemaligen Direktors Bernhard Grzimek soll stärker aufgearbeitet werden. Dafür spricht sich die Gruppe „Aktiv gegen Speziesismus“ aus. In der Sitzung des Ortsbeirats 4 am Dienstag forderte sie, wegen der NS-Vergangenheit Grzimeks einen neuen Namen für die Bernhard-Grzimek-Allee zu suchen. Sie regt an, die Straße nach einem Opfer der Völkerschauen umzubenennen, die vor 100 Jahren im Zoo stattgefunden haben.

Es sei Zeit, die Geschichte aufzuarbeiten, sagt Carsten Pochert von der Tierbefreiungsgruppe, die vor allem im Rhein-Main-Gebiet aktiv ist. Ereignisse wie der Anschlag in Hanau hätten die Dringlichkeit der Aufarbeitung sichtbar gemacht. Alte, vermeintliche Helden müssten hinterfragt werden.

Frankfurt: Vorwurf gegen Bernhard Grzimek ist nicht neu

Neu ist der Vorwurf nicht. Grzimek gilt jedoch bei vielen nicht als Nazi. Dass er in der NSDAP war, wird als Mitläufertum gewertet. Er galt nach dem Krieg als „sauber“, weshalb er 1945 Zoo-Chef werden konnte.

„Aktiv gegen Speziesismus“ sieht das kritischer. Grzimek habe nach dem Krieg seine Position bei den Nazis ebenso wie seine langjährige Mitgliedschaft in der NSDAP geleugnet, sagt Pochert. Schon 1933 sei er Mitglied der SA geworden, zeigten Recherchen. Zudem seien Grzimeks Filme und Bücher von Klischees und postkolonial rassistischen Begrifflichkeiten durchzogen. Noch 1974 habe er in einem Buch seine menschenverachtende Einstellung kenntlich gemacht und sich etwa für Zwangssterilisation von Menschen ausgesprochen.

Frankfurter Zoo: Grzimek-Straße soll nach Opfer der Völkerschauen benannt werden

Die Gruppe regt an, die Allee nach einem Opfer der 27 Völkerschauen umzubenennen, die es zwischen 1878 und 1931 im Frankfurter Zoo gegeben hatte. In diesen seien etwa Indigene und Schwarze zur Schau gestellt worden, so Pochert, um die Bevölkerung zu unterhalten und zu belustigen. Bislang fehle eine angemessene Aufarbeitung, so die Gruppe.

Die Aufarbeitung der Völkerschauen im Frankfurter Zoo sei ein bedrückender Bestandteil der Stadtgeschichte und werde vom Zoo und der Stadt mit Priorität verfolgt, teilt das Kulturdezernat mit. Derzeit liefen Gespräche mit Kooperationspartnern. Die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit sei zentral für das heutige Selbstverständnis – ein entsprechender Text steht auf der Zoo-Homepage.

Das Kulturdezernat begrüße die Initiative zu einer Aufarbeitung der Biografie Grzimeks. Der ehemalige Direktor sei einer der prominentesten, der eine Revision städtischer Ehrungen nahelege. Das Kulturdezernat sei bereits aktiv geworden und habe eine Studie in Auftrag gegeben. Gleichzeitig formiere sich auf Initiative des Dezernats ein Gremium, „das die erinnerungskulturelle Expertise Frankfurts vereint und fundierte Einschätzungen zu Fragen wie dieser verspricht“. (Boris Schlepper)

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