Künstlerin Edeltraud Thobe mit ihren „Briefkasten-Gestalten“. Foto: Christoph Boeckheler
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Künstlerin Edeltraud Thobe mit ihren „Briefkasten-Gestalten“. 

Ostend

Ausstellung im Ostend: Wo der Postmann stutzig wird

Edeltraud Thobe zeigt im Nachbarschaftszentrum Fotos von besonderen Briefkästen. Die Eigentümer haben sie liebevoll gestaltet, als Feuerwehrauto, Biene oder Haus mit Reetdach.

An den Wänden im Nachbarschaftszentrum Ostend sind ab heute Fotografien von Edeltraud Thobe zu sehen. Auf den ersten Blick hängen dort Häuser, Roboter, Feuerwehrautos oder Weinfässer. Erst beim zweiten Hinsehen ist zu erkennen, dass Edeltraud Thobe leidenschaftlich gerne Briefkästen fotografiert.

Mit ihrer analogen Kamera hat sie in den vergangenen etwa zwölf Jahren – seit sie Rentnerin ist – dutzende besonders gestaltete Briefkästen fotografiert. 20 davon stellt sie an der Waldschmidtstraße 39 aus.

Thobe wolle kein Geld mit den Bildern verdienen, sagt sie, Fotografieren sei für sie ein privates Hobby. Ihr fallen die bunt und außergewöhnlich gestalteten Briefkästen auf ihren vielen Reisen auf. Die Rentnerin arbeitete für Fluggesellschaften und zog daher nach Frankfurt. Auf ihren Reisen ins Ausland hatte Thobe stets ihre Kamera und 20 bis 30 Filme mitgenommen. „Ich wollte die verschiedenen Kulturen festhalten“, sagt sie.

Auch heute noch, als Rentnerin, bereist sie viele Städte in der Bundesrepublik. Ihr fallen oft bunt angemalte Garagen auf, die sie fotografiert. Ihr Blick gilt daher jedem Haus einer Straße. So hat sie die kreativ gestalteten Briefkästen entdeckt.

„Ich habe hunderte von Garagen fotografiert und jedes Motiv hat eine Geschichte. Die Leute haben einen Bezug zu dem Bild auf der Garage oder dem Briefkasten“, sagt Thobe. Wenn sie für ein Foto am Gartenzaun stehen bleibt, eine Garage oder einen Briefkasten fotografiert, kommt sie ins Gespräch mit den Bewohnern des Hauses. Dadurch erfährt sie die Geschichte hinter den Motiven.

Und sie erfährt auch, wer den Briefkasten gestaltete. „Das sind meistens Männer, die so etwas basteln“, sagt Thobe. „Der Fantasie ist keine Grenze gesetzt.“ Man könne Briefkästen frei gestalten.

Einmal ist es vorgekommen, dass Anlieger die Polizei verständigt hätten. In einer Straße, in der oft eingebrochen wurde, habe sie Garagen und Briefkästen fotografiert. Das muss den Anliegern Sorge bereitet haben. Der Streife erklärt sie, dass sie lediglich einen kreativ gestalteten Briefkasten fotografiert. Dafür zeigten alle Verständnis.

An der analogen Fotografie schätze sie, dass jedes Bild genau überlegt sei. Obwohl sie inzwischen auf die digitale Fotografie umgestiegen ist, überlegt sie sich den Bildausschnitt immernoch genau. Ihr imponiert vor allem ein Briefkasten aus Norddeutschland. Den haben die Bewohner so gebaut wie ihr Haus aussieht. Der Postbehälter hat ein Reetdach, dieselbe Anzahl Fenster wie das Fachwerkhaus und sogar am Briefkasten hängt ein Modellbriefkasten.

Neben das entsprechende Foto an der Wand der Cafeteria hat sie ein Foto des Hauses gehängt, zum Vergleich. Die Bildauswahl haben Mitarbeiter des Nachbarschaftszentrum getroffen. Sowohl Senioren als auch junge Familien zählen zu den Besuchern der Einrichtung. Entsprechend sollen alle Gruppen Motive entdecken, die ihnen zusagen.

Für die Kinder hängen Feuerwehrautos, Postautos oder eine Biene. Senioren können sich auf einen Briefkasten freuen, der aussieht, wie Schulranzen aus der Zeit der eigenen Kindheit. Auch ein Foto eines Kasten in Hausform, mit begrüntem Dach ist zu sehen.

Briefkasten-Gestalten, Fotos von Edeltraut Thobe, Vernissage am 14. Februar, 18.30 Uhr, Cafeteria (3. OG) im Nachbarschaftszentrum Ostend, Waldschmidtstraße 39. Eintritt frei. Die Schau läuft drei Monate.

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