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Die Schau im Osthafenforum nimmt besonders die Väter in den Fokus. Christoph Boeckheler

Ostend

Ausstellung in Frankfurt: Von Muslimen und Männern

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Eine Ausstellung im Osthafenforum will Vorurteile gegenüber muslimischen Männer abbauen. Sie ist bis zum 5. Mai zu sehen.

Als erstes sticht im Raum das große Foto eines Mannes mit seinem Kind auf dem Arm ins Auge. Links davon hängt ein kleineres Bild auf dem ein, so die Erklärung, homosexueller Mann vor einer roten Tapete zu sehen ist. Auf einem weiteren Bild umarmen sich zwei ältere Herren und lachen. Was denken die Besucher wohl beim Betrachten der Fotos – ob ihnen zuerst der Gedanke an muslimische Männer kommt? Oder passen die Darstellung nicht zum Bild im Kopf? Genau das will die Ausstellung „Ein muslimischer Mann – kein muslimischer Mann!?“ aufzeigen.

Die einzelnen Stationen der Schau im Osthafenforum (Medico-Haus) in der Lindleystraße 15 nehmen die Wahrnehmung von muslimischen Männern und im besonderen von Vätern in den Fokus. „Die Ausstellung soll sensibilisieren“, sagt Carmen Colinas vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Die Wanderausstellung wurde von der Verbands-Regionalstelle in Leipzig konzipiert und wird nun erstmals auch in Frankfurt gezeigt.

Colinas erklärt, dass die Ausstellung dem Besucher Bilder zeigen will, die die alten, oftmals falschen, im Kopf ersetzen können. Es gehe um Klischees und die Gründe dahinter. Aber auch Racial Profiling durch Polizisten oder Ausgrenzung werden thematisiert. „Es gibt eine bestimmte Wahrnehmung, was wir als muslimisch interpretieren“, sagt Colinas. Viele Menschen glaubten zu wissen, dass jemand mit einem bestimmten Aussehen muslimisch sei. „Aber nicht jeder Mensch aus Syrien oder aus der Türkei ist auch Muslim.“ Der Glaube werde mit ethnischen Merkmalen gleichgesetzt.

Ausstellung in Frankfurt: Antimuslimischer Rassismus nimmt zu

Somit werde mit der Ausstellung auch antimuslimischer Rassismus in den Blick genommen. Dieser habe in den vergangenen Jahren zugenommen und zu weitverbreiteten Vorurteilen geführt, denen jetzt etwas entgegengesetzt werden soll.

An einer Station sind Schubladen an der Wand aufgehangen. Sie zeigen durch Prozentzahlen, wie die Wirklichkeit in Deutschland aussieht. Beispielsweise, dass lediglich fünf Prozent der Bevölkerung Muslime sind.

Weiterhin bietet die Schau eine Hörstation sowie eine Videostation, an denen es sich die Besucher auf einer Bank oder vor dem Fernseher sogar in einem Wohnzimmersessel bequem machen können. An der ersten Station gibt es ein Interview mit einem Vater über seine Tochter und seine Erfahrungen in Deutschland zu hören. An der visuellen Station wird ein Kurzfilm über das verbreitete Bild des muslimischen Mannes als potenzieller Terrorist gespielt.

An der Magnetwand können die Besucher selbst aktiv werden. Der dort gezeigte Mann darf mit verschiedenen Kleidungsstücken, Frisuren und Bärten gestaltet werden. So kann ein individuelles Bild eines muslimischen Mannes geschaffen werden.

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 5. Mai zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr. Ein Mitarbeiter des Verbandes ist vor Ort, um Fragen zu beantworten. Am Wochenende werden Gruppenführungen angeboten, die per E-Mail an anmeldung@verband-binationaler.de buchbar sind.

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