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Die S-Bahn-Station Ostendstraße hat nun einen zweiten Namen - sie heißt nach dem 17-jährigen Hanauer, der hier einen Mann aus dem Gleisbett rettete und dabei selbst vom Zug erfasst und getötet wurde.

S-Bahn-Station Ostend

Ehre für verunglückten Lebensretter Alptug Sözen 

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Die S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt erinnert mit einem Beinamen an den tödlich verunglückten Lebensretter aus Hanau.

Die S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt trägt fortan den Beinamen Alptug-Sözen-Station. Vier Stationsschilder und eine Gedenktafel erinnern an den 17-jährigen Hanauer, der im vergangenen November starb, nachdem er einen gestürzten Mann aus dem Gleisbett gezogen und ihm so das Leben gerettet hatte, dabei aber tragischerweise selbst unter einen einfahrenden Zug geraten war.

„Mustafa Alptug Sözen bewies an dieser Stelle Heldenmut und Zivilcourage. Er ließ sein Leben beim Versuch, einen hilflosen Menschen von den Gleisen zu retten. Die S-Bahn-Station wird für immer mit seinem Namen verknüpft sein“, heißt es auf der Tafel unter dem Stationsnamen, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Mittwoch im Beisein der Familie und zahlreicher Freundinnen und Freunde des verunglückten Jugendlichen im Mittelgeschoss der Eingangshalle enthüllte. Weitere Schilder mit dem neuen Stationsnamen sollten in der Folge noch am Eingang an der Hanauer Landstraße sowie beidseitig des stadteinwärts führenden Gleises an der Stelle angebracht werden, an der Sözen von der Bahn erfasst wurde. 

Gedenkfeier an der Station

„Wir waren und sind nach wie vor fassungslos“, sagte Fatih Zingal, der als Freund der Familie in deren Namen sprach. Mustafa sei „ein hilfsbereiter, zurückhaltender und höflicher Familienmensch“ gewesen, der sich stets für andere eingesetzt habe. „Sein beherzter Einsatz verwunderte Menschen aus seinem Umfeld keineswegs“, sagte Zingal, der den Verstorbenen in den Worten von dessen Vater als „Engel mit großem Herzen“, bezeichnete. Explizit dankte er OB Feldmann als „Mensch mit großem Herzen“ und der Deutschen Bahn dafür, dass sie „bürokratische Hindernisse, die möglicherweise vorhanden waren, zugunsten von Menschlichkeit und Güte beiseitegeschoben“ und das Gedenken am Unglücksort möglich gemacht hätten.

Neben den Eltern und dem jüngeren Bruder von Mustafa Alptug Sözen waren auch dessen Großeltern aus der Türkei angereist, um der Gedenkfeier an der Station beizuwohnen. Zahlreiche, vor allem jugendliche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter legten weiße Rosen für ihren verstorbenen Freund nieder und bedachten die Enthüllung des Stationsschildes mit Applaus.

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„Er ist unser Held“

Imam Mustafa Macit Bozkurt hatte zuvor für den Verstorbenen gebetet. „Wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet“, zitierte er aus dem Koran. Mustafa Alptug Sözen „lehrte uns Menschlichkeit und Solidarität, und ich möchte es betonen: Er ist unser Held“, sagte Bozkurt, der den letzten Teilsatz noch zwei Mal mit Nachdruck wiederholte.

Auch der türkische Generalkonsul Burak Kararti, Oberbürgermeister Feldmann und der regionale Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn, Klaus Vornhusen, hatten ihre Bewunderung für den beherzten Einsatz des verstorbenen Lebensretters und der Familie Sözen ihr Beileid ausgedrückt. „Wir können nur versuchen, Anteil zu nehmen und versuchen, unseren Trost in Worte zu kleiden“, sagte Feldmann sichtlich bewegt an die Eltern Sözen gewandt. 

Sehr große Anteilnahme und Betroffenheit 

Der Tod des Jugendlichen hatte Ende vergangenen Jahres weit über Frankfurt und seine Heimatstadt Hanau hinaus für Betroffenheit gesorgt. Zehntausende forderten mit einer Internetpetition die Umbenennung der Station. Ein Anliegen, für das auch Feldmann sich persönlich starkgemacht hatte und dem der zuständige Ortsbeirat zugestimmt hatte.

Klaus Vornhusen betonte nach Worten der Anteilnahme, die Umbenennung der Station sei „aus Sicht der Bahn sehr, sehr ungewöhnlich und wird eine Ausnahme bleiben“, da Stationsnamen eigentlich eine nüchterne Funktion hätten. Der mutige Einsatz Sözens verdiene aber eine einmalige Gedenkform, die der Familie hoffentlich ein kleiner Trost sein könne, wenn die Trauer sie zu überwältigen drohe.

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