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Bei einem Konzert im Hochbunker an der Friedberger Anlage, dem Standort der ehemaligen Synagoge, singt Opernsänger und Kantor der Jüdischen Gemeinde, Yoni Rose.

Ostend

Ostend: Per App zur einstigen Synagoge

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Grüne und SPD im Ortsbeirat wollen Rundweg zu ehemaligen jüdischen Einrichtungen im Ostend. Die Jüdische Gemeinde, das Jüdische Museum und die Initiative 9. November begrüßen den Vorstoß, die Geschichte sichtbar zu machen.

Ein Rundweg soll künftig zu ehemaligen jüdischen Einrichtungen im Ostend führen. Dafür sprechen sich die Fraktionen von Grünen und SPD im Ortsbeirat 4 in einem gemeinsamen Antrag aus. Über die Vorlage berät das Gremium in seiner Sitzung am heutigen Dienstag.

Der Stadtteil war seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert ein stark jüdisch geprägtes Viertel. Neben der ehemaligen Synagoge an der Friedberger Anlage gab es dort eine Vielzahl von Sozialeinrichtungen, heißt es in der Begründung. „Die meisten wurden in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet.“ Der Rundweg soll mit Tafeln, Stelen und Medien – etwa einer App – ausgestattet werden. Vorhandene Institutionen, die Ausstellungen und Führungen zu dem Thema anbieten, wollen die Antragsteller in die Arbeit einbeziehen.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt möchte sich an dem Projekt beteiligen, sagt Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstandes – der auch die Idee zu dem Rundweg hatte. „Ich würde es begrüßen, wenn die jüdische Geschichte sichtbarer gemacht wird.“ Bei einem Gespräch über ein Gedenkstätte an der Klingerschule am Hermesweg im Nordend, wo bis Oktober 1943 eine kleine Synagoge gestanden hatte, habe er angeregt, einen Rundweg ins Leben zu rufen.

Über diesen könne „besser als mit einem passiven Mahnmal“ auf das einstige jüdische Viertel aufmerksam gemacht und darüber informiert werden, sagt Grünbaum. Im Ostend gebe es viel mehr, als dass man nur eine Stelle hervorhebt. Zudem könne durch das Angebot auch ein Lerneffekt entstehen. Grünbaum regt an, auf künftigen Stelen und Hinweistafeln QR-Codes anzubringen, über die Interessierte zu dem Rundweg geleitet werden.

Auch das Jüdische Museum begrüßt den Vorstoß des Ortsbeirats. „Erinnerung ist immer gut“, sagt Heike Drummer. Im Ostend sei von der jüdischen Geschichte leider vieles in Vergessenheit geraten. Die Kuratorin für Zeitgeschichte gibt zu bedenken, dass es bei einer künftigen Auszeichnung mit Infotafeln sehr viele geben müsse, „verteilt auf ein sehr großes Areal“. Alleine am Röderbergweg habe es mehrere jüdische Wohlfahrtseinrichtungen gegeben. Gegebenenfalls reiche ein Rundweg nicht aus. Bei der Konzeption von Stelen und Themenrundgängen müssten sich alle Beteiligten zusammentun, so Drummer. Außer dem Jüdischen Museum biete auch das Nachbarschaftszentrum Ostend Führungen an, die Initiative Stolpersteine habe dazu zwei Bücher mit jeweils zehn Rundgängen veröffentlicht.

Die Initiative 9. November, die ihren Sitz im Hochbunker an der Friedberger Anlage, dem ehemaligen Standort der Synagoge, hat, will sich ebenfalls einbringen. Der Verein setzte sich seit 31 Jahren dafür ein, das einstige jüdische Leben im Ostend sichtbar zu machen, sagt die stellvertretende Vorsitzende Elisabeth Leuschner-Gafga. Im Bunker sind vier Ausstellungen zu sehen, eine davon heißt „Ostend – Blick in ein jüdisches Viertel“.

Der Ortsbeirat 4trifft sich am heutigen Dienstag, 26. November, 19.30 Uhr, im Medienzentrum des Bethanien-Krankenhauses, Im Prüfling 23, Haus E.

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