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Anfang des Jahres wurde das Gelände gerodet und ein Anbau abgerissen.

Ostend

Ostend: Drei Sprengungen pro Tag

Der Bunker in der Freiligrathstraße im Frankfurter Ostend  wird abgerissen. Anwohner befürchten Lärm und Dreck.

Seit Jahren steht der Bunker im Hinterhof der Freiligathstraße 11 leer. Anfang des Jahres wurde das Grundstück rund um den Betonkoloss gerodet. Jetzt soll bereits in der kommenden Woche mit dem Abriss begonnen werden. Am Dienstagabend stellte Abbruchunternehmer Robert Zeller sein Konzept Anwohnern auf dem Gelände des Bunkers vor.

Bis April will Zeller den Bau dem Erdboden gleichmachen. Dafür werde der Bunker zunächst von innen ausgehöhlt. Durch mehrere kleine Sprengungen sollen Decken und Böden zum Einsturz gebracht werden. Der entstehende Schutt soll in etwa 600 bis 700 Fahrten mit Lastwagen von der Baustelle abtransportiert werden.

Die Anwohner werden nicht unter dem aufwendigen Abriss leiden, verspricht Zeller. „Die Lärmbelastung ist nicht höher als bei jeder anderen Baustelle.“ Um das Gelände werde ein hohes Gerüst mit Schallschutzplatten gebaut. „Die ersten zwei Monate werden ohnehin relativ ruhig. Und auch die Sprengungen später sind kaum wahrnehmbar.“ Drei Sprengungen werden pro Tag über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen durchgeführt. Diese kündigen Arbeiter jeweils mit einem Hornsignal an.

Hochbunker
Auch der Glauburgbunker im Nordend soll abgerissen werden. Anwohner und eine Bürgerinitiative fordern, dass das massive Bauwerk erhalten bleibt und ein Stadtteiltreff entsteht.

Für den Abbruch im Nordend soll rund um den Bunker eine Mauer aus Containern aufgebaut werden. Die Bauaufsicht hatte nach Beschwerden aus der Bevölkerung Verbesserungen am Konzept zum Schutz der Anwohner und der nahen Schule gefordert. bos

Dennoch bleiben bei Nachbarn des Bunkers Zweifel. Ali Faruk bezweifelt, dass die Lärmbelästigung „kaum wahrnehmbar“ werden wird. Er hätte sich im Vorfeld eine klarere Kommunikation mit der Öffentlichkeit gewünscht. Eine weitere Anwohnerin ist ebenfalls unzufrieden. Vor allem die Sprengungen bereiten ihr Sorgen. „Hier in der Nachbarschaft stehen viele Altbauten. Durch Sprengungen verursachte Erschütterungen könnten die umliegenden Häuser beschädigen“, so die 65-Jährige.

Robert Zeller versucht, die Befürchtungen zu zerstreuen: „Es ist unmöglich, dass Häuser durch die Erschütterungen Schaden nehmen. Die Sprengungen werden überwacht und kontrolliert. Außerdem haben wir die umliegenden Häuser im Vorfeld inspizieren lassen, um einen späteren Abgleich zu ermöglichen.“ Das beruhigt die Anwohnerin kaum. Solche Schäden könnte man nie ausschließen, ein Risiko bestehe immer. „Die Titanic ist schließlich auch untergegangen.“

Eine Biologin aus der Nachbarschaft hat noch andere Sorgen. „Bis vor kurzem war der Bunker ein Lebensraum für viele Tiere. Igel, Singvögel und Fledermäuse lebten in und an dem überwucherten Gebäude.“ Vergangenen Winter wurde das Areal gerodet. Sie habe kein Verständnis, dass eine der wenigen grünen Oasen in der Nachbarschaft zerstört werde.

Nach Ende der Abrissarbeiten soll auf dem Bunkergelände vierstöckige Mietwohnungen entstehen, sagt Architekt Jürgen Scharnberger. Der Bau könnte schon im Sommer starten und würde etwa 15 Monate bis zur Fertigstellung benötigen. Während der fünf- bis sechswöchigen Rohbauphase würde die Lärmbelastung für die Anwohner nochmal deutlich steigen. Den Bauherrn nannte er nicht. Dieser bevorzuge es, anonym zu bleiben. Bei den privaten Grundstückseigentümer handelt es sich aber um zwei Brüder, die das Areal 1996 von der Bundesvermögensanstalt gekauft haben.

Von Janis Berling

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