1. Startseite
  2. Frankfurt

Ortsbeirat lehnt Festplatz am Rebstock ab

Erstellt:

Von: Sebastian Theuner

Kommentare

Über den Umzug des Festplatzes auf das Rebstockgelände wird heftig gestritten. Renate Hoyer
Über den Umzug des Festplatzes auf das Rebstockgelände wird heftig gestritten. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Das Gremium ist über die Kommunikation des Magistrats verärgert: Anwohner:innen hätten von den Plänen zum künftigen Standort des Festplatzes erst aus der Presse erfahren.

Thomas Gutmann (Grüne) lag etwas auf dem Herzen. Für gewöhnlich fungiert der Vorsteher des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) in Gremiumsdebatten als besonnener Moderator. Bevor in der Sitzung am Montagabend aber über die mögliche Verlegung des Festplatzes vom Ratsweg an den Rebstock diskutiert wurde, schlug Gutmann selbst scharfe Töne an: Der Ortsbeirat müsse vorab informiert werden, wenn politische Entscheidungen die eigenen Stadtbezirke beträfen. „Wir sind nicht der ‚Ortsabnickrat‘!“

Gutmann ist verärgert darüber, dass der Ortsbeirat sowie Anwohner:innen von den Plänen zum künftigen Standort des Festplatzes erst aus der Presse erfahren haben. Der Magistrat prüft derzeit, ob Teile des Rebstockgeländes für die Dippemess sowie für Zirkusse oder Flohmärkte genutzt werden könnten. Das geht aus einem Schreiben des Magistrats vom Juni hervor. Der Festplatz am Ratsweg wird durch den Neubau des Familienbads Bornheim laut Magistrat zu klein. Zudem wird das Gelände für den Umzug der Europäischen Schule favorisiert.

Auf der Gremiumssitzung erhielt Gutmann viel Zuspruch. „Wir sind auch ein Anwohnergremium; über diese wurde hier hinweggegangen“, sagte Martin Völker (SPD). Für Birgit Weckler (CDU) wurde deutlich, „dass der Ortsbeirat nicht ernst genommen wird“. Und Gutmann sagte mit Verweis auf die 2000 Euro, die die Stadtteilgremien kürzlich zu ihrem 50-jährigen Bestehen von der Stadt erhalten hatten: „Behaltet euer Geld und nehmt uns ernst!“ Einem Bürger antwortete er, dass man selbst nicht wisse, welche Fläche am Rebstock konkret für den Festplatz angedacht sei.

Auch die inhaltlichen Positionen von Stadtteilvertreter:innen und Magistrat klaffen auseinander. Sie sehe weder eine sozialverträgliche noch eine ökologische Machbarkeit für die Verlegung des Festplatzes, sagte Katrin Haus (Grüne). Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) betonte, dass man seit Jahren dafür kämpfe, dass der Rebstock als Landschaftsschutzgebiet anerkannt werde. Und Knut Emmert (BFF) monierte „das alte Frankfurter Verschiebespiel“.

Axel Kaufmann (CDU) sagte, ein kategorisches Ablehnen des Vorhabens erinnere ihn an das „Not in my backyard“-Phänomen. Frankfurt brauche einen Veranstaltungsort. Den von Linken, Grünen und der SPD eingebrachten Antrag, der einen Festplatz am Rebstock verhindern will, unterstützte er dennoch. Eine Zustimmung für den Fall, dass der Festplatz an den Rebstock ziehe, wollte Nathaniel Ritter (FDP) „nicht völlig ausschließen“. Zuvor brauche es jedoch ein ausgearbeitetes Konzept. Auch müsse die Messe eingebunden werden.

Der zugehörige Antrag wurde gesplittet und jeweils in Teilen an die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat adressiert. Beide Versionen erhielten mehrheitlich die Zustimmung. Einstimmig verabschiedet wurden die Punkte zwei bis fünf im Rahmen der Anregung an den Magistrat. Diese zielen unter anderem auf eine umfangreiche Information über die laufenden Verhandlungen zur Verlegung des Festplatzes und eine klimapolitische Würdigung des Rebstockgeländes. Von Bürger:innen gab es für das Votum Applaus.

Auch interessant

Kommentare