Beim Homeschooling sind die Eltern ge- und manchmal überfordert.
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Beim Homeschooling sind die Eltern ge- und manchmal überfordert.

Corona-Virus

So organisieren Lehrer in Frankfurt das Lernen zu Hause

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Zwei Lehrer aus Frankfurt erzählen, wie sie Schule in Zeiten von Corona handhaben.

Das Lessing-Gymnasium im Frankfurter Westend hat bereits seit einigen Jahren ein E-Mail-Verteilersystem. Auch die Internetplattform Google Classroom wurde an der Schule schon benutzt. „Das erleichtert die Kommunikation in der jetzigen Zeit“, sagt Matthias Lenk, der stellvertretende Schulleiter. Über Google Classroom können Lehrer und Schüler in gemeinsamen „Rooms“ Aufgaben, Fragen und Lösungen austauschen. In der Zeit des Homeschoolings senden die Lehrer Arbeitsaufträge entweder über dieses Modul oder per E-Mail an ihre Schüler.

Lenk ist Klassenlehrer einer neunten Klasse, die er in Mathematik und Physik unterrichtet. „Wir machen nicht eins zu eins mit dem regulären Unterricht weiter. Es geht mehr um Festigung und Wiederholung“, sagt er. Die Rückmeldungen nach einer Woche seien insgesamt positiv gewesen. Den Eindruck, die Schüler hätten lieber Corona-Ferien, hat er nicht. „Wir haben insgesamt sehr fleißige Schüler, der Großteil ist wissensdurstig.“ Die zwei sechsten Klassen, die Lenk in Physik unterrichtet, haben eine Lochkamera gebastelt, nächste Woche beschäftigen sie sich mit Sonnen- und Mondfinsternis. Lenk unterrichtet auch einen Grundkurs in der Phase Q2 in Physik. „Dort kommen digitale Lehrbücher zum Einsatz“, erzählt er. Das Lessing-Gymnasium habe den Großteil der Lehrbücher für die Klassen fünf bis neun und teilweise auch für die Oberstufe in digitaler Form vorliegen. Vor den Schulschließungen hatten die Schüler zudem die Gelegenheit, ihr Material abzuholen.

Kindern fehlt Gemeinschaft

Ein Problem sieht Lenk darin, dass den Kindern die Gemeinschaft fehle. „Es gibt schon eine Sehnsucht nach Kontakt.“ Auch sei ihm bewusst, dass die Ausstattung in den Familien sehr unterschiedlich ist. „Gerade wenn mehrere Kinder im schulfähigen Alter in einem Haushalt leben und/oder die Eltern im Homeoffice arbeiten, mangelt es manchmal an Endgeräten“, sagt er. Deshalb würden den Schülern zwar Fristen gesetzt, bis wann sie Aufgaben abgeben müssen, diese gälten aber nur als Orientierung. „Natürlich ist die Wochenstruktur in der Schule einfacher. Sie ins Kinderzimmer zu übertragen, ist eine große Herausforderung.“ Daniel Riegger, der Deutsch, Geschichte und Darstellendes Spiel an der Wöhlerschule im Dornbusch unterrichtet, bedient sich „der guten alten E-Mail für Arbeitsaufträge“. Von Kollegen wisse er aber, dass sie auch Telefonkonferenzen, Microsoft Teams oder Apps wie Jitsi einsetzten. Hier gilt: Jeder Lehrer regelt das, auch abhängig von Fach, Thema und Klassenstufe, individuell.

Für seine Neuntklässler geht es in Deutsch mit der Pflichtlektüre „Unterm Rad“ von Hermann Hesse weiter. Dazu schickt Riegger ihnen Lese- und Schreibaufträge. „Manche arbeiten am PC, andere bearbeiten die Aufgaben handschriftlich, fotografieren die Seiten und senden sie mir.“

Er sage seinen Schülern, dass es ihre Verantwortung sei, die Aufgaben zu erledigen. „Ich bin aber flexibel: Wem es zu viel wird, der bekommt mehr Zeit. Ich will nichts mit Druck erreichen.“ Wenn der reguläre Unterricht weitergehe, müsse man das Homeschooling evaluieren und schauen, welche Aspekte man beibehalten könne, findet Riegger. Er hofft: „Diese Zeit kann auch eine Chance sein.“

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