+
"Eisenbahn-Reiner" sitzt fast täglich an "seinem" Platz.

Umgang mit Obdachlosen

Ordnungsdezernent sorgt für ätzendes Bild

  • schließen

Stadtpolizisten nehmen lagernden Obdachlosen Geld ab, die Öffentlichkeit ist zu Recht empört. Das Vorgehen erinnert an Eisenbahn-Reiner. Ein Kommentar.

Irgendwie kommt einem die Gemengelage seltsam bekannt vor. Stadtpolizisten setzen eine städtische Verordnung durch. Das ist ihr Job. Linke, Grüne und vor allem große Teile der Öffentlichkeit sind darüber empört. Das ist erwartbar. Der städtische Ordnungsdezernent Markus Frank sieht dafür keinen Anlass, denn Regeln, so betont er, sind für alle da. Das ist zumindest nicht klug.

Nein, hier ist nicht die Rede von Eisenbahn-Reiner, jenem Bettler aus der Neuen Kräme, dem das Ordnungsamt im Sommer 2016 sein Spielzeug wegnahm und damit einen Shitstorm erster Güte heraufbeschwor. Diesmal geht es um Verwarngeld für Obdachlose, das die Stadtpolizei wegen „Lagerns in der Öffentlichkeit“ eintreibt. Wieder regen sich die Menschen zu Recht auf, und wieder gilt: Juristisch ist Markus Frank im Recht, wenn er sagt, die Stadtpolizei müsse Verordnungen durchsetzen, die das Parlament beschlossen hat. Tatsächlich aber gibt die Stadt Frankfurt durch dieses Vorgehen erneut ein ätzendes Bild ab. Polizisten nehmen Obdachlosen, die auf der Straße schlafen und trotz Aufforderung in keine Notunterkunft gehen, Geld aus ihren Pappbechern – willkommen in der fünftgrößten Stadt Deutschlands, in der Luxus-Wohntürme mit Hundewaschplätzen gebaut werden.

Wieder einmal gilt es, dieses Bild zu korrigieren. Politik und Verwaltung sind dabei gefragt. Bei Eisenbahn-Reiner, der sein Spielzeug zurückbekam, war das auch möglich. Auch wenn Markus Frank bis heute mit der Entscheidung hadert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare