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Anfang Mai fing Karin Müller im Ordnungsamt an.

Porträt

Ordnungsamt Frankfurt: Dienstanfang in Krisenzeiten

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Karin Müller ist die erste Frau an der Spitze des Frankfurter Ordnungsamtes. In den kommenden Wochen will sie viele Abläufe auf den Prüfstand stellen.

Die Regale sind noch leer, die Wände kahl. Besonders heimelig wirkt das Büro von Karin Müller in diesen Tagen nicht. Doch die neue Leiterin des Frankfurter Ordnungsamts hatte in den vergangenen Tagen eben Wichtigeres zu tun, als Bilder aufzuhängen.

Anfang Mai, also mitten in der Corona-Pandemie, hat Müller ihren Job angetreten. Vieles, was sie eigentlich geplant hatte, musste entfallen. Von den Abteilungsleitern hätte sie sich durchs Haus führen lassen und mittlerweile wohl den allermeisten der rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Hand geschüttelt. Händeschütteln – das klingt mittlerweile nach grauer Vorzeit. Wenn Karin Müller im Haus unterwegs ist, trägt sie Mundschutz, und viele Beschäftigten arbeiten im Homeoffice. So sieht ein Dienstantritt eben aus im Mai 2020.

Oft benutzt Müller den Ausdruck „letzten Endes“. Sprachlich kann man die Formulierung hinterfragen, doch was Müller sagen will, wird klar: Nach Abwägung aller Umstände, die beim Ordnungsamt noch wichtiger ist als bei anderen Behörden, kommt sie „letzten Endes“ zum Ergebnis. So stellt sie etwa fest, dass sich die Frankfurterinnen und Frankfurter recht diszipliniert an die Vorschriften hielten, die zum Schutz vor dem Coronavirus erlassen wurden.

Wer sich vorwiegend auf Twitter oder Facebook informiert, mag das verwunderlich finden. Dort haben seit Wochen Bilder von Menschenansammlungen Hochkonjunktur – meistens versehen mit dem Hinweis, dass die Infektionszahlen in zwei Wochen in unfassbare Höhen klettern würden und der nächste Lockdown unmittelbar bevorstehe. Doch Müller relativiert. Ja, an manchen Tagen sei etwa in den Parks viel los. Doch entscheidend sei nicht die Gesamtzahl der Besucherinnen und Besucher, sondern die Beachtung des Abstandsgebots. Und deshalb müsse man beim Bild von einer gut gefüllten Wiese eben genauer hinschauen. Jedenfalls führe die Stadtpolizei des Ordnungsamts weiterhin Kontrollen durch – auch mit Mitarbeitern in Zivil – und die Zahl der Bußgeldverfahren halte sich in Grenzen.

Stellenanzeige  in Zeitung gelesen

Eigentlich müsste jetzt gleich Boris Rhein in den Raum kommen. Zumindest wäre man nicht verwundert, wenn der CDU-Politiker plötzlich in der Tür stünde. Zu eng war Karin Müllers berufliche Laufbahn in den vergangenen knapp 15 Jahren verknüpft mit dem politischen Schicksal von Rhein. 2006, der smarte Christdemokrat war gerade Sicherheitsdezernent in Frankfurt geworden, fing die Diplom-Verwaltungswirtin in seinem Büro an. Dann folgte sie ihm nach Wiesbaden, wo Rhein erst Staatssekretär im Innenministerium, dann Minister wurde. Hätte Rhein 2012 die OB-Wahl gewonnen, wäre Müller mit einiger Sicherheit seine Büroleiterin im Römer geworden. Doch die Niederlage gegen Peter Feldmann bedeutete einen Knick in Rheins Karriere. Der CDU-Mann wurde Wissenschaftsminister – Müller folgte ihm.

Erst als der Politiker nach der Landtagswahl 2018 Präsident des Parlaments wurde, trennten sich die Wege von Müller und Rhein. Müller blieb im Ministerium – betraut mit Aufgaben, die die ehrgeizige und von Mitarbeitern als resolut beschriebene Frau kaum ausgefüllt haben dürften.

Umso besser, dass Müller eines Tages in der Zeitung die Stellenanzeige der Stadt Frankfurt las. Gesucht wurde eine Nachfolgerin/ein Nachfolger für Jörg Bannach, der nach zehn Jahren als Amtsleiter unlängst in Pension ging. Die Ausschreibung passe hervorragend auf sie, fand Müller, sie bewarb sich und wurde genommen. Ob es denn vor ihrer Bewerbung keine Gespräche mit Politikern gegeben habe, etwa mit Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU)? „Nein, ich habe mich auf die Anzeige beworben“, sagt Müller. Und nun ist die 58-Jährige, die gerne in die Oper geht (derzeit kaum möglich) und gerne reist (ebenso), die erste Frau an der Spitze des Frankfurter Ordnungsamts.

Auf den Prüfstand stellen

Einiges will Karin Müller in den kommenden Wochen und Monaten auf den Prüfstand stellen. Nicht, weil sie das Gefühl habe, dass es schlecht laufe im Ordnungsamt. Im Gegenteil. Sie kenne die Behörde noch, als sie im alten, an George Orwells Wahrheitsministerium erinnernden Gebäude an der Mainzer Landstraße untergebracht gewesen sei. Seitdem habe sich das Amt entwickelt, es sei transparenter geworden, was gut sei, weil nämlich: „Öffentlichkeitsarbeit ist das A und O.“

Trotzdem müsse man etablierte Abläufe immer wieder hinterfragen, findet Karin Müller. Ziel sei es, mehr Service zu bieten, etwa durch die elektronische Terminvergabe. Gerade für die Ausländerbehörde sei das wichtig. Dort hatte es immer wieder lange Schlangen gegeben, teils auch schon mitten in der Nacht. Die Situation verbesserte sich zuletzt, ein neues Verfahren bei den Terminen könne aber weiterhelfen.

Und sonst? Das Bahnhofsviertel und die Zeil dürften Schwerpunkte der Arbeit der Stadtpolizei bleiben, glaubt Müller. In der Drogenpolitik hält sie viel vom Programm Ossip, bei dem die Stadt, die Polizei und die Hilfseinrichtungen eng zusammenarbeiten. Und auf der Zeil werde es beim „Spagat“ bleiben. Natürlich habe sie Verständnis für Beschwerden von Einzelhändlern. Aber ein Frankfurt ohne Straßenmusiker, Bettler und Obdachlose werde es nicht geben.

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