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Ordentlich viel Rummel

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Von: Alina Hanss

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Einmal durchwirbeln lassen auf dem Kettenkarussell.
Einmal durchwirbeln lassen auf dem Kettenkarussell. © ROLF OESER

Tausende kommen am Pfingstwochenende zum Wäldchestag in den Stadtwald. Die Atmosphäre ist familiärer geworden.

Der Blick geht nach oben, gerade startet das Loopingkarussell „No Limit“ seine Motoren. Noch einmal Schwung holen, dann setzt die Riesenschaukel zum Überschlag an. Vorbei an den Baumwipfeln schießt die Gondel in die Höhe. Wenige Hundert Meter darüber ist ein Flieger im Landeanflug zu sehen. „Nur original in 42 Metern!“, bewirbt die verzerrte Stimme im Kassenhäuschen das Fahrgeschäft. Das scheint überhaupt nicht nötig zu sein, denn die Schlange an Schaulustigen und zukünftigen Fahrgästen ist bereits lang genug, um den ganzen Abend für Adrenalin zu sorgen. Zwischen beliebten Popsongs aus den 2000ern und Sirenengeräuschen schreien die jungen Leute in ihren Sitzen. Und endlich ist wieder Rummel auf dem Wäldchestag.

Zwei Jahre lang war am Pfingstwochenende Ruhe im Frankfurter Stadtwald. Die Pandemie hatte 2020 und 2021 den Losbuden, Schießständen und Attraktionen einen Strich durch die Rechnung gemacht. In diesem Jahr erlebt das viertägige Volksfest eine Renaissance. Gut gefüllte Bierbänke und Apfelweingläser, dichtes Gedränge und zugeparkte Straßen rund um das Oberforsthaus machen deutlich, dass es wieder bergauf geht. Corona spielt keine Rolle mehr. Die Stimmung ist ausgelassen, viele Familien sind da. Stolz präsentieren die Kleinsten ihre Zuckerwatte am Stiel, bevor es zum Dosenschießen geht. Zwei Verliebte auf dem Kettenkarussell versuchen verzweifelt, die Fahrt über Händchen zu halten. Sie lassen sich los, finden sich wieder.

Die jüngeren dürfen sich für das Dosenwerfen auch auf den Tresen setzen.
Die jüngeren dürfen sich für das Dosenwerfen auch auf den Tresen setzen. © Rolf Oeser

VOLKSFEST

Am heutigen Dienstag ist der letzte Tag des viertägigen Volksfestes im Frankfurter Stadtwald. Noch bis 24 Uhr gibt es Zuckerwatte, Bratwurst, Apfelwein und gute Laune. Auf sechs Bühnen findet Programm und Livemusik statt, bei einigen ist sogar eine Reservierung möglich. Mehr Informationen unter www.frankfurt-tourismus.de

Die Anreise sollte am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen. Da die Parkplatzmöglichkeiten vor Ort und im angrenzenden Stadtteil Niederrad begrenzt sind, bieten sich Bus und Bahn an. Zur Station „Am Oberforsthaus“ fahren die Straßenbahnlinien 21 und 20 sowie die Buslinien 61 und 61 V. Fahrräder werden zwischen „Am Oberforsthaus“ und „Schützenhaus“ für zwei Euro aufbewahrt. (aha)

Direkt am Waldeingang empfängt Alexander Hildebrandt mit seinem Schwarzwaldhaus Am Kamin die Besucherinnen und Besucher. Es gibt Livemusik im Biergarten und nebenan einen Süßigkeitenstand, der alles verkauft, was nach Kindheit riecht. „Was früher der Dienstag war, ist heute der Sonntag“, sagt Hildebrandt. Damals schlossen am Dienstag nach Pfingsten die Geschäfte in der Frankfurter Innenstadt, damit die Angestellten für den Rummel frei hatten. Nur wenige könnten dieser Tradition jetzt noch nachkommen, sagt Hildebrandt. „Auch Handwerksbetriebe, die früher mit der gesamten Belegschaft zum Wäldchestag gekommen sind, müssen heute aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihre Umsätze im Auge behalten.“

Die besonders Wagemutigen begeben sich auf den Breakdancer.
Die besonders Wagemutigen begeben sich auf den Breakdancer. © Rolf Oeser

Die Umsätze an diesem Wochenende beschäftigen auch Daniela Roie. Die Inhaberin des Apfelweinstands mit dem aufgeblasenen Bembel auf dem Dach blickt zufrieden auf die ersten Tage des Volksfests. „Die Leute freuen sich, dass es wieder losgeht. Da hat niemand Berührungsängste wegen Corona.“ Seit über 50 Jahren verkauft der Familienbetrieb bereits auf dem Wäldchestag, immer mit der Zeit gehend. Es gibt „Hessen Spritz“ und „Hessen Hugo“ und bei den Besucher:innen kommen die experimentellen Kombinationen mit dem Apfelwein an. „Wir hatten große Sorgen, dass uns jetzt die Inflation mit den steigenden Preisen zum Verhängnis werden könnte. Auch für uns ist schließlich alles teurer geworden. Aber die Menschen geben viel Trinkgeld.“ Zudem habe sich das Publikum geändert, sagt Daniela Roie. „Wir können beobachten, dass viel mehr Familien den Weg hierher finden. Es ist deutlich ruhiger als noch vor Corona.“ Das erleichtere auch das Arbeiten hinter dem Tresen.

Vor dem Apfelweinstand stehen Sascha und David. Die beiden Frankfurter kennen den Wäldchestag seit ihrer Kindheit. Jetzt trinken die beiden Freunde ihren Apfelweincocktail und schwelgen in Erinnerungen. „Als Kind bin ich mit meinem Opa hierhergekommen. Für mich gab es dann ein, zwei Runden auf dem Karussell und eine Bratwurst auf die Hand, während Opa mit einem Apfelwein am Stand gewartet hat“, erzählt Sascha. Damals fand der Wäldchestag nur am Dienstag nach Pfingsten statt. „Natürlich hat sich das Fest gewandelt“, wirft David ein. „Heute gibt es viel mehr Stände, alles ist internationaler und größer geworden. Genauso wie unsere Stadt.“

Was bedeutet der Wäldchestag für Frankfurt? Eine kleine Umfrage zeigt, dass die Antwort auf der Hand liegt – Tradition. Das Volksfest verändert sich und die Pandemie hat bei den Schausteller:innen Spuren hinterlassen. Doch Daniela Roie vom Apfelweinstand ist überzeugt: „Der Wäldchestag gehört zu Frankfurt wie die Eintracht.“

Daran kann auch die Wettervorhersage nichts ändern, die für diesen Abend eigentlich Unwetter und Regenfälle vorhergesagt hatte. Nach ein paar Regentropfen klart es doch noch auf und die Abendsonne zeigt sich durch die Blätter im Stadtwald. Der Wäldchestag ist zurück.

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