Nico Wehnemann.
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Nico Wehnemann.

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„Innenstadt muss autofrei werden“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Der Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Fraktion) kritisiert das Ende der Mainkai-Sperrung und setzt sich für die autofreie Innenstadt ein.

Der Mainkai in Frankfurt wird am 1. September nach dann 13 Monaten wieder für Autos freigegeben. In der Römer-Koalition lehnen CDU und Grüne eine dauerhafte Sperrung der nördlichen Mainuferstraße ab, nur die SPD ist noch dafür. Der Oppositionspolitiker Nico Wehnemann (Die Partei) sagt, was er davon hält.

Herr Wehnemann, wie sollte es am Mainkai weitergehen?

Wenn es nach mir ginge, sollte der Mainkai gesperrt bleiben und begrünt werden. Es sollte Gastronomie und Flunkyball-Felder geben. So ähnlich wie am Schaumainkai in Sachsenhausen.

Wäre das der erste Schritt zur autofreien Innenstadt?

Ja, und man müsste auch Sachsenhausen einbeziehen. Berliner Straße, Bahnhofsviertel, alles was sich im Anlagenring befindet, sollte irgendwann autofrei sein. Damit müssen wir jetzt beginnen.

Wieso?

In zehn bis zwanzig Jahren muss die Innenstadt autofrei sein, aus Klimagründen und aus Gründen der Vernunft. Wenn Frankfurt nicht den Schritt nach vorne geht, läuft die Stadt anderen Städten hinterher.

Was glauben Sie, wird nun am Mainkai passieren?

Ich erwarte, dass die SPD umfällt. Teile der SPD haben schon damit begonnen. Das machen die immer so, ob auf Bundes- oder kommunaler Ebene, das wundert mich nicht. Nur Oliver Strank versucht noch, etwas Öffentlichkeit zu erhaschen. Er ist der Einzige in der SPD, der das Projekt noch verteidigt. Die Grünen sind schon umgefallen, weil sie der CDU näher sind als dem Umweltgedanken.

Was spricht gegen die Fahrspurreduzierung auf der Berliner Straße, wie von den Grünen gefordert?

Die Grünen wollen sich mit einer Radspur auf dem Mainkai, wie es die CDU vorschlägt, abspeisen lassen, und auf der Berliner Straße eine Fahrspur reduzieren und die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer dahin lassen. Nun ja. Die Autos sind dann immer noch in der Stadt. Es wird weiter für dicken Verkehr sorgen. Es wird weiter zu Staus kommen. Fußgängerinnen und Fußgänger leben weiter gefährlich, was Fahrzeugverkehr und Schadstoffbelastung angeht. Was die Regierungskoalition für die moderne Europastadt Frankfurt vorschlägt, ist eigentlich unerträglich.

Sie schlagen ein verkehrsberuhigtes Bahnhofsviertel vor. Warum?

Wir wollen die Münchener Straße und die Kaiserstraße komplett autofrei gestalten. Dafür gäbe es Fahrradstraßen. Das würde dafür sorgen, dass die Straßenbahn vernünftig durch die Münchener Straße kommt, wo ständig Autos in zweiter Reihe parken. Die Kaiserstraße würde zu einer Flaniermeile vom Hauptbahnhof bis in die Innenstadt. Das würde der Gastronomie ordentlich Umsatz bescheren. Die beiden Straßen könnte man baulich umgestalten, vielleicht begrünen. Diese beiden Straßen im Bahnhofsviertel brauchen einfach keinen individualen Autoverkehr.

Den entsprechenden Antrag der „Fraktion“ schiebt die Koalition inzwischen seit einem Jahr. Zum Geburtstag haben Sie im Verkehrsausschuss Champagner ausgeschenkt.

Wenn die Koalition den Antrag für eine schlechte Idee hält, kann sie ihn ablehnen. Wenn sie ihn für eine gute Idee hält, dann soll sie mit uns reden. Sie kann auch gerne unsere Idee übernehmen und einen eigenen Antrag schreiben. Die Regierungskoalition lässt sich aber mit all dem unglaublich viel Zeit.

Interview: Florian Leclerc

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